Kulturbühne Ladbergen
Alltäglicher Wahnsinn – wahnsinnig alltäglich

Ladbergen -

Frank Fischer ist vielfach ausgezeichneter Kabarettist und Comedian. Warum, das wurde am Donnerstagabend bei „Buddemeier“ deutlich. Die Kulturbühne hatte ihn eingeladen, um die zweite Hälfte der Veranstaltungssaison zu eröffnen – ein Glücksgriff.

Freitag, 13.09.2019, 18:52 Uhr aktualisiert: 15.09.2019, 17:34 Uhr
Das Eis – wenn überhaupt vorhanden – war schnell gebrochen: Frank Fischer erwies sich vor ausverkauftem Haus als Glücksgriff für die Kulturbühne.
Das Eis – wenn überhaupt vorhanden – war schnell gebrochen: Frank Fischer erwies sich vor ausverkauftem Haus als Glücksgriff für die Kulturbühne. Foto: Gernot Gierschner

Der genaue Beobachter und „Aufschreiber“, der vor ausverkauftem Haus auf der Bühne stand, sagt von sich selbst: „Ich habe immer Block und Schreibgerät parat, um den alltäglichen Wahnsinn festzuhalten.“ Folgerichtig lautet sein Programm: „Gewöhnlich sein kann jeder“.

Fischer hat in den vergangenen Jahren die gesamte Republik bereist und berichtete über ungewöhnliche Menschen, besondere Begegnungen und dem Sinn des Lebens. Das Eis – soweit überhaupt vorhanden – war schnell gebrochen, ging der Kabarettist doch locker und unverkrampft auf das gewogene Publikum zu: „Was mich betrifft, ich gehe jede Sache positiv an und hier sind nur nette Menschen – oder?“ Er bekannte, das erste Mal in Ladbergen zu sein und machte sich gleich zu Beginn auf die Suche nach dem Gast mit der weitesten Anreise. Daraus ergab sich der Einstieg in sein Programm, bei dem man das Gefühl hatte, einer angenehmen Plauderei zu folgen und keinem choreographierten Bühnenprogramm.

Das schon 2016 entstandenes Konzept hat nichts von seiner Frische eingebüßt. Fischer richtete seinen Blick auf die Menschen und Dinge, die alle kennen: auf die Durchsagen der Bahn-Mitarbeiter oder die Verkäufer im Media-Markt. Seine Witze taten nicht weh, obwohl sich insgeheim viele Zuschauer in den Erzählungen und Begebenheiten wiedergefunden haben dürften – wenn man ehrlich zu sich ist.

Im Zwiegespräch mit den Gästen der ersten Reihe, fand Fischer den einen oder anderen, der zugab auch mal RTL 2 zu sehen – „versehentlich natürlich“. Exakt von diesem Feedback lebte der Abend und machte die Zuschauer zum Teil des Geschehens.

Spätestens zur Pause hatte er sein Publikum hinter sich und jede seiner Pointen wurde begeistert beklatscht. Es ging in einem wilden Ritt vom trashigem Fernsehprogramm über nervende Werbung – Saitenbacher Müsli – bis zum unsichtbaren Verkäufer im Baumarkt. Jeder bekam sein Fett weg.

Fischer gab den spitzbübischen Eulenspiegel, der auch über seine eigenen Unzulänglichkeiten scherzen kann, wie über sein nicht vorhandenes Haupthaar. Ein vergnüglicher Abend, bei dem sogar der Ablauf der Zugaben vom Künstler als Gag präsentiert wurde: „Zwei Zugaben – und dann bin ich weg.“

Ganz besonders: Frank Fischer ist ein Kabarettist zum Anfassen. Nach der Vorstellung stellte sich der Künstler den Fragen des Publikums: „Nein, Frank Fischer ist kein Künstlername.“ „Und ja, Helene Fischer ist meine Schwester – oder doch nicht?“

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