Nach 46 Jahren hört Martha Weikert auf
Die Küsterin verabschiedet sich

Ladbergen -

Wir schreiben das Jahr 1973: Willy Brandt (SPD) ist deutscher Bundeskanzler, David Bowie räumt in den Musik-Charts ab und in Ladbergen beginnt die Karriere von Küsterin Martha Weikert. Während im Jahr 2019 die SPD froh wäre, mal wieder einen wie Willy Brandt zu haben und die Musikwelt sich weiter dreht, ist die gebürtige Ladbergerin immer noch Küsterin der evangelischen Kirchengemeinde. Seit Anfang der Woche ist aber auch dieses Kapitel geschlossen. Am Montag hatte die 80-Jährige ihren letzten offiziellen Arbeitstag: Nach 46 Jahren ist Schluss. Eine bewegende Zeit geht zu Ende.

Freitag, 04.10.2019, 21:00 Uhr aktualisiert: 07.10.2019, 18:18 Uhr
Seit 1973 war Martha Weikert Küsterin der evangelischen Kirchengemeinde. In all den Jahren hat sie viele Kirchenbesucher und Pastoren kennengelernt.
Seit 1973 war Martha Weikert Küsterin der evangelischen Kirchengemeinde. In all den Jahren hat sie viele Kirchenbesucher und Pastoren kennengelernt. Foto: Luca Pals

Eine Zeit, die mit einem Blick in die Familienchronik noch länger zurückreicht: 1903 nahm Großvater Friedrich Stapel seine Küster-Arbeit auf. Das Amt blieb in der Familie, wurde an Sohn Friedrich Stapel weitergegeben. Dieser nahm seine Tochter Martha – damals noch Stapel – immer wieder mit in Gottesdienste und zur Arbeit. Sie erinnert sich: „Papa hat damals die Kirche noch mit Koks beheizt. Da war ich schon dabei.“

Früh übt sich. So konnte Weikert 1973 nahtlos die Arbeit ihres Vaters übernehmen. Über vier Jahrzehnte arbeitete sie mit elf Pastoren zusammen: „Sie alle waren sehr herzlich. Ich habe sie alle sehr geschätzt.“ Der erste war Karl Schmitz. Die Küsterin erinnert sich: „Er hat mich auch getauft.“ Besonders engen Kontakt habe sie mit Jörg Winkelströter (2000-2012) und Rainer Maurer (1972-2001) gehabt. Letzterer sei am längsten im Amt gewesen. Zuletzt arbeitete sie mit den Pastoren Dörthe Philipps und Ingo Göldner zusammen. Göldner hatte bereits vergangene Woche im Gottesdienst vom „Ende einer Ära“ gesprochen. An ihrem letzten Arbeitstag kamen zudem viele Bläserinnen und Bläser des Posaunenchores Ladbergen mit ihrer Chorleiterin Angelika Möller zu Besuch in Marthas Gärtchen, um ein Dankeschönständchen zu spielen. Textsicher und mit kräftiger Stimme sang Martha Weikert mit und freute sich anschließend über ein kleines Abschiedsgeschenk: ein Bild, welches sie im Kreise der Musiker zeigt.

Die Zahl der besuchten Gottesdienste kann Weikert natürlich nicht mehr zählen. „Besonders stressig“ wurde es in der Weihnachtszeit: Außer an einem Gottesdienst – entweder der Nachtgottesdienst am Heiligabend oder die Uchte am ersten Weihnachtstag – war sie immer vor Ort und erinnert sich gerne an die von Kindern aufgeführten Weihnachtsmusicals. Aber das Schönste liegt schon länger zurück: „Damals, als mein Vater noch Küster war, haben wir die heilige Nacht immer in der Kirche verbracht. Er musste einmal um drei und einmal um vier Uhr die Glocken läuten.“ Zusammen mit Tante und Onkel verbrachten sie schöne Stunden in der Kirche – zu essen gab es Reibeplätzchen. Das Läuten der Glocken hat sich in den vielen Jahren geändert. Zum Ende konnte Weikert diese per Fernbedienung steuern. Nach vier Uhr ging es wieder zurück nach Hause. Klar: Um sechs Uhr war ja wieder die Uchte.

Der letzte Arbeitstag ist für Martha Weikert zwar schon gelaufen, die offizielle Verabschiedung wird im Gottesdienst zum dritten Advent stattfinden. Weikert – die kaum eine Hilfe abschlägt, immer einen guten Spruch auf den Lippen hat und in ganz Ladbergen bekannt ist – wird natürlich weiterhin zu Gottesdiensten in die Kirche kommen: „Dann kann ich hier als Gast ohne Druck sitzen. Das ist auch was Schönes. Mein christlicher Glaube ist mir sehr wichtig. Er bedeutet für mich, so zu leben, wie Jesus gelebt hat. Mit Vergebung, Hilfe und Herzlichkeit.“

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