Reinhard Kemper verlässt nach 40 Jahren die politische Bühne
„Hatte Lust, mitzumachen“

Ladbergen -

40 Jahre war Reinhard Kemper für die SPD im Rat vertreten. Jetzt verabschiedet er sich aus dem höchsten politischen Gremium. Er blickt zufrieden zurück auf die Zusammenarbeit mit den Kollegen und auf das, was parteiübergreifend gemeinsam für den Ort erreicht wurde.

Donnerstag, 10.10.2019, 05:00 Uhr aktualisiert: 10.10.2019, 17:34 Uhr
Mit dem i-Pad im heimischen Garten: Für Reinhard Kemper ist das ein Ort für gute Einfälle. Heute Abend verabschiedet sich der Sozialdemokrat nach 40 Jahren Ratsarbeit von der politischen Bühne.
Mit dem i-Pad im heimischen Garten: Für Reinhard Kemper ist das ein Ort für gute Einfälle. Heute Abend verabschiedet sich der Sozialdemokrat nach 40 Jahren Ratsarbeit von der politischen Bühne. Foto: Mareike Stratmann

Damals, als Reinhard Kemper im Herbst 1979 erstmals für die Sozialdemokraten in den Gemeinderat einzog, war er der mit Abstand jüngste Lokalpolitiker. Im Alter von 29 Jahren war der Lehrer gerade von Schöppingen nach Lienen gewechselt und hatte „die Zeit und Lust, mitzumachen“, wie er heute sagt. Heute, das ist 40 Jahre später. Dem höchsten politischen Gremium des Ortes ist der Mann mit dem Faible für Bienen, Büttenreden und Bürgernähe seither treu geblieben. „Aber jetzt ist es genug.“ Die Sitzung am Abend wird die letzte für den 69-Jährigen sein, ehe er als Ratsmitglied sowie nach 15 Jahren aus dem Amt des stellvertretenden Bürgermeisters am 30. November ausscheidet.

Ortskerngestaltung

Vier Jahrzehnte Politik: Was bleibt da hängen? „Vor allem, dass wir es in Ladbergen eigentlich immer recht gut geschafft haben, über die Parteigrenzen hinweg das Beste für den Ort rauszuholen“, blickt er zurück. Und welche Themen kommen ihm spontan in den Sinn? Das sind die Gestaltung des Ortskerns, die Bebauung des Espenhofs mit zwischenzeitlich angedachter Großdisco am Kanal oder Errichtung eines Krematoriums, die Erweiterung der Kläranlage und die Auflösung der Hauptschule.

Ihm persönlich seien die Begrünung des zuvor begradigten Mühlenbachs – „zu einem Zeitpunkt, als es die Grünen noch gar nicht gab, dafür aber jede Menge Gegenwind“ – sowie die bessere Ordnung des Radverkehrs – „ein Dauerthema“ – besonders wichtig gewesen. So kann er sich noch heute darüber ärgern, dass man vor zig Jahren den Ausbau des „nicht bewohnten Rehagenwegs“ auf den Weg gebracht habe, anstatt einen Radweg am Telgter Damm zu errichten.

Ja, ich hätte gerne das Nachtflugverbot am FMO durchgesetzt.

Reinhard Kemper

Reinhard Kemper hat viel zu erzählen über seine Zeit auf der politischen Bühne, während der er nicht nur Ratsmitglied, sondern auch abwechselnd in allen Ausschüssen vertreten war. Ob es ein Thema gibt, dessen Umsetzung gescheitert ist? „Ja, ich hätte gerne das Nachtflugverbot am FMO durchgesetzt.“ Ansonsten sei er mit sich „im Reinen“ – und vor allem: „Ich hab‘ das über all die Jahre gerne gemacht und nie als Belastung angesehen.“ Und ja, er würde es im Rückblick auch wieder so machen. „Die Politik war und ist ein schönes Hobby.“

Fachwissen

Was den Sozialdemokraten, der Willi Untiet als denjenigen benennt, der ihn für die Politik begeistert hat, über all die Jahre ausgezeichnet hat? „Sein breites Fachwissen, die Nähe zum Bürger und seine ruhige und gelassene Art“, sagen Parteigenossen und hoffen, dass der passionierte Radfahrer, Imker und Ehrenamtler bei „Nu män tou“ und dem DRK auch weiter als „guter Ratgeber“ parat stehen möge.

„Wenn ich gefragt werde, bestimmt“, sagt der scheidende Ratsherr. Und er will auch nicht abstreiten, dass er künftig das ein oder andere Mal in politischen Gremien zu sehen sein wird – „als interessierter Bürger im Zuschauerraum“.

Ohne Wehmut

Aber jetzt, sagt er ohne jegliche Wehmut in der Stimme, sei Schluss. „Lange war ich der Jüngste, seit fünf Jahren bin ich der Älteste.“ Und während sich dank Computer, Internet und WhatsApp in puncto Information und Kommunikation vieles „verändert und verbessert“ habe, eines ist heute so wie vor 40 Jahren: „Die Nähe zum Bürger sollte man nie vergessen. Einer der Gründe, warum mir die politische Arbeit stets viel Spaß gemacht hat.“

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