Nach 24 Stunden reiner Fahrtzeit: Ladberger Landwirte sind wohlbehalten von Demo zurück
„Die Leute haben geklatscht“

Ladbergen -

Einmal von Ladbergen nach Bonn und zurück. Dauert knapp fünf Stunden, sagt der tagesaktuelle Routenplaner im Internet. 24 Stunden reine Fahrtzeit haben Montag und Dienstag neun Schlepper samt Besatzung aus Ladbergen gebraucht. Kein Wunder, denn viel mehr als 50 Stundenkilometer schaffen Traktoren nun mal nicht.

Mittwoch, 23.10.2019, 18:42 Uhr aktualisiert: 23.10.2019, 18:45 Uhr
Mit neun Schleppern hatte sich die Delegation aus Ladbergen in der Nacht auf den Weg nach Bonn gemacht, wo sie am Dienstag gegen 11 Uhr eintraf. Weitere Teilnehmer waren mit dem Auto nachgekommen.
Mit neun Schleppern hatte sich die Delegation aus Ladbergen in der Nacht auf den Weg nach Bonn gemacht, wo sie am Dienstag gegen 11 Uhr eintraf. Weitere Teilnehmer waren mit dem Auto nachgekommen.

Eigentlich sind die Schwergewichte ja auch nicht dafür konstruiert, Bauern über lange Anfahrtswege zu Kundgebungen zu bringen. Geklappt hat das in der Nacht von Montag auf Dienstag trotzdem reibungslos. „In Ostbevern haben wir uns den Kollegen aus dem Osnabrücker Land und aus dem Raum Warendorf angeschlossen“, berichtete Achim Grotholtmann gestern gegenüber den WN . In Polizeibegleitung sei es dann „über die Dörfer“ nach Bonn gegangen, wo sich Tausende Bauern der Aktion „Wir rufen zu Tisch“ angeschlossen und gegen das aktuelle Agrarpaket der Bundesregierung demonstriert haben.

Da die Landwirtschaft häufig öffentlich in der Kritik steht, war der Ladberger nach eigener Aussage überrascht von den Reaktionen: „Wir sind mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen, die alle freundlich waren. Man hatte das Gefühl, dass die Bevölkerung offen ist für die Sorgen der Landwirte, die ja oft schon Existenzsorgen sind.“

Genau das erhofft sich der 26-Jährige, der zu Hause voll im elterlichen Schweine- und Bullenmastbetrieb mitarbeitet, künftig auch von der Politik: „Es wäre schön, wenn die Politiker mal wach werden und mit den Bauern sprechen, bevor sie das nächste Agrarpakt verabschieden.“

Einer der konkreten Punkte, die Grotholtmann zu bemängeln hat: dass künftig zehn Meter breite Streifen zu Gewässern nicht mehr mit Pflanzenschutz bearbeitet werden dürfen. „Dafür muss es zumindest eine Entschädigung geben, sonst kommt das einer kalten Enteignung gleich.“ Auch fehlt es ihm bei einigen Entscheidungen an der wissenschaftlichen Grundlage. „Bei der Nitratbelastung sollte man auch mal schauen, was von den Kläranlagen kommt, anstatt immer nur auf die Bauern zu zeigen.“

Er wünscht sich, dass die Politik zur Kenntnis nimmt, dass die Landwirte nicht die „Umweltverschmutzer und Tierquäler“ der Nation sind und eine „gewisse Wertschätzung verdient haben“. Was ihn berührt hat: „Bei der Rückfahrt aus Bonn mit 750 Treckern standen Leute mit ihren Kindern und Daumen hoch am Straßenrand oder haben geklatscht.“

Zurück war die Abordnung aus Ladbergen am Mittwoch gegen 2 Uhr. Achim Grotholtmann stand um 7 Uhr wieder im Stall zum Füttern. „Natürlich hat man so eine Tour am nächsten Tag noch in den Knochen, aber wir sind ja noch jung“, sagt er. Was ihm persönlich richtig gut getan hat: das Gemeinschaftsgefühl bei der Demo und dass im Kampf gegen das „Bauernbashing“ alle an einem Strang ziehen.

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