Miscanthus reinigt Trinkwasser
Süßes Gras bändigt stinkende Gülle

Ladbergen -

„Mit Gülle machen wir den Boden kaputt.“ Davon ist Heinz Aufderhaar fest überzeugt. Zum Beleg verweist der Ladberger auf entsprechende Untersuchungsergebnisse des Grundwassers. 2014 habe das Gesundheitsamt in seinem Trinkwasserbrunnen einen Wert von 100 Milligramm Nitrat pro Liter (mg/l) gemessen. Den Hobby-Landwirt brachte das ins Grübeln: Was kann ich dagegen tun?

Mittwoch, 30.10.2019, 17:36 Uhr
Heinz Aufderhaar zwischen Miscanthus-Pflanzen, die er auf einer kleinen Fläche anbaut. „Die machen kaum Arbeit, sind aber gut für die Öko-Bilanz“, hat er festgestellt.
Heinz Aufderhaar zwischen Miscanthus-Pflanzen, die er auf einer kleinen Fläche anbaut. „Die machen kaum Arbeit, sind aber gut für die Öko-Bilanz“, hat er festgestellt. Foto: Michael Baar

Vor 34 Jahren lag der entsprechende Wert bei 67 mg/l. „Damals lag der Grenzwert bei 80mg/l“, erzählt er. Eine Möglichkeit, den Nitrat-Wert zu senken, habe er von einem Kommilitonen seiner Tochter aufgezeigt bekommen. „Der sagte mir, bau Miscanthus an, das reinigt das Trinkwasser.“ Er setzt sich hin, recherchiert über diese zur Familie der Süßgräser zählende Pflanze.

Was er in Erfahrung bringt, überzeugt ihn. „Miscanthus braucht keinen Dünger, reinigt das Trinkwasser, ist bis zu 25 Jahre nutzbar und pflegeleicht“, zählt der 67-Jährige die Vorteile auf. Zudem könnte das Süßgras über eine Hackschnitzelheizung als Wärmespender dienen. Der Nachteil: „Die Erstinvestition ist ziemlich hoch, weil man die besagte Heizungsanlage braucht.“

Den Ladberger bremst das nicht. Er will ohnehin seine Ölheizung ersetzen. „Die darf man ja bald nicht mehr nutzen“, stellt er mit einem Seitenblick auf die aktuelle Klimadiskussion fest. Also will er auf Miscanthus setzen. In einer alten Scheune auf seinem Anwesen ist Platz für die Hackschnitzelheizung, ein weiteres altes Gebäude könnte als Lager genutzt werden.

So weit sind seine Überlegungen gediehen – die dann rigoros ausgebremst werden. „Als Hobby-Landwirt bekomme ich keine Genehmigung für ein Miscanthus-Lager, hat man mir gesagt.“ Das Nebengebäude sei für diese Nutzung nicht vorgesehen, also gebe es keine Erlaubnis dafür.

Was der 67-Jährige nicht nachvollziehen kann. Seine Argumente pro Miscanthus werden vom Tisch gewischt. Dass er – würde er die Erlaubnis gekommen – einige Tausend Liter Heizöl im Jahr sparen würde, das Süßgras eine bessere Öko-Bilanz als der fossile Brennstoff hat, „interessiert keinen“. Dass Miscanthus keine Pestizide benötigt – dieses Argument zieht ebenso wenig wie die nicht erforderlichen Arbeiten auf dem Feld und die daraus resultierende Einsparung von Hunderten Litern Dieselkraftstoff.

Dafür ist Heinz Aufderhaar seit zwei Jahren an die öffentliche Trinkwasserversorgung angeschlossen. „Die Leitung läuft direkt vor dem Haus her“, nennt er den Grund.

Auf seinen eigenen Brunnen verzichtet er nicht, nutzt das Nass für den Garten. Wenige hundert Meter weiter ist eine offizielle Probenentnahmestelle des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz.

Die Messwerte sind im Internet zugänglich. Im Oktober 2017 wurden dort 105 mg/l Nitrat gemessen, im August 2018 waren es 79 mg/l. „Dazwischen lag ein nasser Winter“, findet der 67-Jährige diese Verringerung nicht verwunderlich. Im August dieses Jahres habe er etwas Gülle auf seine Ackergras-Fläche ausgebracht. „Der Wert ist auf 83 mg/l gestiegen“, berichtet er. Alle Messergebnisse liegen deutlich über dem erlaubten Grenzwert von 50 mg/l.

Dürfte er auf seinen 14 Hektar Fläche so viel Mis-canthus anbauen, wie er für den Betrieb einer Hackschnitzelheizung benötigt, hätte sich das Thema Gülle für ihn erledigt.

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