Durchschnittsalter des Gemeinderats liegt bei 53 Jahren
Junge Leute und Frauen fehlen

Ladbergen -

Aldi-Neubau, Espenhof-Erweiterung: Gestern Abend haben die Lokalpolitiker in einer zusätzlichen Ratssitzung über zwei Themen diskutiert, die für die weitere Entwicklung des Ortes durchaus von Belang sein dürften (Berichterstattung dazu in der Samstags-Ausgabe). Doch wer sind sie eigentlich, die Interessenvertreter Ladbergens?

Donnerstag, 07.11.2019, 20:38 Uhr aktualisiert: 07.11.2019, 20:50 Uhr

Der Politologe Professor Norbert Kersting formulierte es unlängst bewusst provokant: „Die Senioren werden die Räte dominieren.“

Ein Blick auf die Ladberger Zahlen bestätigt das in dieser Dramatik nicht, gleichwohl zeigt es einiges auf: Im Rat sitzen überwiegend ältere Semester. Das Durchschnittsalter liegt bei 53 Jahren. Kein Wunder also, dass die 50- bis 59-Jährigen mit zwölf beziehungsweise die 60- bis 69-Jährigen mit fünf Vertretern die größten Gruppen stellen. Danach folgen die 40- bis 49-Jährigen mit vier Mitgliedern. Mit Anja Kröner ( CDU ) und Benjamin Suhre ( SPD ) bedienen gerade mal zwei Kommunalpolitiker die Spanne von 30 bis 39 Jahren. Jünger ist niemand. Doch es ist nicht alleine die Altersstruktur, die ungleiche Verhältnisse widerspiegelt: Im Rat des Heidedorfes sind – wie in vielen anderen Orten – auch deutlich weniger Frauen als Männer, nämlich gerade mal drei. Ihnen stehen im wichtigsten politischen Gremium 20 Männer gegenüber.

Eine Tatsache, der sich alle vier Fraktionen bewusst sind und „zu gerne gegensteuern“ würden, wie die Fraktionsvorsitzenden im WN-Gespräch unisono betonen. „Der Rat sollte den Querschnitt der Gesellschaft repräsentieren“, sagt Thomas Kötterheinrich (SPD). „Tatsächlich sind Frauen und junge Leute stark unterpräsentiert“, rekapituliert er. „Das ist durchaus problematisch“, pflichtet ihm Jens Tiemann (FDP) bei, der betont, dass „der Demokratieprozess in den Gremien von verschiedenen Meinungen lebt“ – unterschiedlichen Sichtweisen, die Frauen und Männer, Jung und Alt, auf bestimmte Themenfelder hätten. „Aber es ist leider nicht einfach, junge, engagierte Leute zu finden“, stellt Jörg Berlemann (Grüne) fest. „Wir haben zwar immer mal Schüler, die sich einbringen, studienbedingt dann aber wegziehen. Das ist ein ganz schwieriges Unterfangen.“

Als einen wesentlichen Grund für den fehlenden Nachwuchs nennen alle vier Kommunalpolitiker den Zeitaufwand: mehrstündige Ausschuss- und Ratssitzungen mit entsprechender Vorbereitung, die Arbeit in den Parteigremien. „Die Menschen sind einfach stark eingebunden und wenn dann die persönliche Betroffenheit nicht da ist, wird es schwierig“, bringt es Günter Haarlammert (CDU) auf den Punkt.

An eine grundsätzliche politische Verdrossenheit glauben die Kommunalpolitiker nicht. „Vielleicht wollen sich einige nicht mehr im Parteienspektrum engagieren“, mutmaßt Jens Tiemann. „Oder ihnen brennen die Themen nicht genug auf den Nägeln“, überlegt Jörg Berlemann in Anbetracht einer beispielsweise guten Kinderbetreuung vor Ort. „Die Interessen liegen woanders“, meint Günter Haarlammert. Und Thomas Kötterheinrich sieht Parallelen zu vielen Vereinen, denen es „ebenfalls immer schwerer fällt, Ehrenamtliche zu finden“.

Übrigens: Seine SPD stellt mit Reinhard Kemper (69 Jahre), der nach 40 Jahren gestern das letzte Mal an einer Ratssitzung teilgenommen hat, nicht nur den ältesten Vertreter. Benjamin Suhre ist nach Angaben der Verwaltung mit 34 Jahren der Jüngste im Bunde des Kommunalparlaments. Warum sich der Sozialdemokrat im Gegensatz zu vielen Gleichaltrigen politisch einbringen? „Engagiert war ich im Fußball- und Musikverein schon lange“, erzählt er. Christoph Korte habe ihn dann vor etwa zehn Jahren überzeugt, in der Politik „noch viel mehr Möglichkeiten zu haben, etwas mitzuentscheiden“. Seit 2014 sitzt er im Gemeinderat – und sieht sich bestätigt. „Auch wenn man natürlich Mehrheiten braucht und dafür oft Kompromisse eingehen muss.“ 2020 will er jedenfalls wieder um ein Ratsmandat kämpfen. „Weil es mir wichtig ist, sich gerade für junge Familien und Jugendliche einzusetzen“, wie er sagt und in der Umsetzung des Dorfinnenentwicklungskonzeptes, der Aufwertung von Spielarena und Friedenspark große Potenziale sieht.

Apropos 2020: Für die kommende Kommunalwahl deutet sich eines an, nämlich dass alle Parteien ihre jeweilige „Mannschaft verjüngen können und mindestens ebenso viele Frauen wie aktuell aufstellen“, wie Günter Haarlammert prognostiziert. Wobei er und die übrigen Fraktionschefs betonen, sich gerade über noch mehr Politikerinnen zu freuen.

Eine weitere Erkenntnis der Statistik: Aktuell kommen die 23 Ratsmitglieder auf eine Gesamtzeit von 293 Jahren politischen Engagements. Das entspricht einer durchschnittlichen Ratsmitgliedschaft von 13 Jahren.

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