Nach langer Debatte: Espenhof-Erweiterung auf den Weg gebracht
Der Wald bereitet Bauchschmerzen

Ladbergen -

Dass es sich bei der 7,2 Hektar großen Erweiterungsfläche für den „Gewerbepark am Espenhof“ in unmittelbarer Nähe zur Bundesstraße 475 und Autobahn 1 um ein gewerbliches Filetstück handelt, stellt niemand in Abrede. Und dass dieses möglichst schon im kommenden Jahr Baureife erlangen und entsprechend vermarktet werden soll, ist den Lokalpolitikern ebenfalls wichtig. Doch über die entsprechenden Festsetzungen für das Plangebiet gingen die Meinungen in der Ratssitzung am Donnerstag dann doch gehörig auseinander.

Freitag, 08.11.2019, 21:00 Uhr
Der rötlich eingefasste Bereich zeigt die 7,2 Hektar große Erweiterungsfläche des „Gewerbeparks am Espenhof“. Im nördlichen Bereich ragt ein etwa einen halben Hektar großes Waldstück in die Fläche hinein, die trotz intensiver Diskussion weichen muss.
Der rötlich eingefasste Bereich zeigt die 7,2 Hektar große Erweiterungsfläche des „Gewerbeparks am Espenhof“. Im nördlichen Bereich ragt ein etwa einen halben Hektar großes Waldstück in die Fläche hinein, die trotz intensiver Diskussion weichen muss. Foto: pbh Hahm

Anlass für die Differenzen war das in der Fläche enthaltene, etwa einen halben Hektar große Waldstück im Norden, das dem Vorhaben zum Opfer fallen soll – unter anderem, um eine Ringerschließung des Gebiets möglich zu machen. Das Problem, das die Grünen ausgemacht haben: In diesem Waldstück wurden im Rahmen eines artenschutzrechtlichen Gutachtens nicht nur alte Bäume aufgeführt, sondern auch etliche Vogel-, Fledermaus- und Eidechsenarten gefunden – darunter ein Randbrüter, der auf der Roten Liste steht und weitere geschützte Arten.

Für Fraktionssprecher Jörg Berlemann und seine Parteikollegen war das der Anlass, zu beantragen, „die im Plangebiet vorhandene Waldfläche zu erhalten und die Planung entsprechend anzupassen“. Ferner forderten sie die Schaffung von Nistkästen und Räume für gebäudebrütende Tiere vor Inanspruchnahme des Geländes sowie das Anlegen von Gründächern und Blühstreifen. „Uns ist klar, dass das eine erhebliche Neuplanung nach sich ziehen wird und Geld und Zeit kostet. Aber das ist es uns wert.“

Knapp anderthalb Stunden arbeiteten sich die Kommunalpolitiker an der Wertigkeit des Waldes ab, ehe Andreas Will ( FDP ) sagte: „Wir haben alle die gleichen Bauchschmerzen. Ich will auch nicht, dass Bäume gefällt werden. Aber am Ende ist es eine Kosten-Nutzen-Rechnung“, positionierte sich der Liberale gegen den Grünen-Antrag. Günter Haarlammert (CDU) blies ins selbe Horn. „Das mit dem Wald tut weh, aber wir wollen, dass die Entwicklung weitergeht und wir durch die Flächenausweisung auch Arbeitsplätze schaffen.“

Während Hartmut Kaubisch ein Umdenken anmahnte und anregte, die Erweiterungsfläche ohne Wald auszuweisen – „diesen kleinen Einschnitt sollten wir in Kauf nehmen, die Fläche ist dann immer noch groß genug“ –, überlegten Thomas Kötterheinrich und Klaus Buddemeier (beide SPD ), ob nicht zumindest Teile des Waldes nördlich der geplanten Straße stehen bleiben könnten und das Thema – auch angesichts der kurzen Vorbereitungszeit und über 560 Seiten Fachbeiträgen – noch einmal in den Bauausschuss zurückverwiesen werden könnte?

Trotz der Stimmen von SPD und Grünen kam dieser Vorstoß ebenso wenig zum Tragen (neun Stimmen dafür, elf dagegen) wie der Antrag der Grünen, für den sich nur drei Politiker erwärmen konnten. Letzten Endes fand sich mit den Stimmen von CDU, FDP und Großteilen der SPD eine breite Mehrheit dafür, die Änderungen des Flächennutzungsplans und Bebauungsplans wie von der Verwaltung vorgesehen auf den Weg zu bringen.

Darin enthalten sind nach Abwägung der Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange, dass mit der Ausweisung neuer gewerblicher Fläche die Rücknahme eines 3,7 Hektar großen Grundstücks entlang der Straße „Am Kanal“ einhergeht – ein Areal, das angesichts angrenzender Wohnbebauung eh nicht für eine gewerbliche und industrielle Nutzung in Frage gekommen wäre. Ein Hektar davon wird als Ausgleich für den wegfallenden Wald am Espenhof künftig aufgeforstet.

Ferner wird das geplante Regenrückhaltebecken mit ausreichend Abstand zur B 475 geringfügig vergrößert, der Abstand der Bebauung zur eingrenzenden Wall­hecke um einen Meter erweitert und in diesem Bereich die Anlage von Magerrasen vorgeschrieben, stellte Norbert Reimann vom Planungsbüro Hahm die vorgesehenen Änderungen im Plenum vor. Einleitend hatte er von „einigen wenigen Anregungen“ gesprochen – Punkten, mit Zündstoff, wie sich zeigte.

„Rechtlich gesehen, sind wir damit auf der sicheren Seite“, fasste Tim Lutterbei die Änderungen auf WN-Anfrage am Tag danach zusammen. Er bereitet jetzt die Offenlage der Entwürfe vor und hofft, dass – so denn alles glattläuft –, dass im Sommer/Herbst mit der Erschließung und Vermarktung des Gewebegebiets begonnen werden kann.

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