Treckerprotest vor dem Brandenburger Tor
Bauern starten zur Sternfahrt

Ladbergen/Lengerich/Tecklenburg -

Morgens, halb fünf in Sassenberg. Treckerscheinwerfer erhellen die Nacht. Der Hof Wiefel bildet eine leuchtende Insel in der Dunkelheit. Mehr als 30 Trecker und gut doppelt so viele Landwirte aus den Kreisen Steinfurt und Warendorf haben sich dort am frühen Montagmorgen getroffen, um in einer Sternfahrt zur Bauerndemo von „Land schafft Verbindung“ nach Berlin zu starten. Zu diesem Zeitpunkt haben die sechs Ladberger Landwirte, die sich ebenso wie zwei Lengericher und zwei Brochterbecker auf den Weg in die Hauptstadt machen, bereits zwei Stunden Anreise hinter sich.

Montag, 25.11.2019, 19:00 Uhr
Mehr als 30 Trecker und gut doppelt so viele Landwirte aus den Kreisen Steinfurt und Warendorf trafen sich am Montag um 5 Uhr, um in einer Sternfahrt zur Bauerndemo von „Land schafft Verbindung“ nach Berlin zu starten – darunter auch sechs Ladberger, zwei Brochterbecker und zwei Lengericher.
Mehr als 30 Trecker und gut doppelt so viele Landwirte aus den Kreisen Steinfurt und Warendorf trafen sich am Montag um 5 Uhr, um in einer Sternfahrt zur Bauerndemo von „Land schafft Verbindung“ nach Berlin zu starten – darunter auch sechs Ladberger, zwei Brochterbecker und zwei Lengericher. Foto: Ulrike von Brevern

Noch schweigen die Diesel. Der Start verzögert sich. Anders als ursprünglich geplant, wird sich der Zug spontan einem Konvoi von Berufskollegen anschließen, der schon am Tag zuvor im Rheinland gestartet war. „Land schafft Verbindung“ ist eine junge Bewegung, die dezentral über Soziale Medien funktioniert. Da kommt es schon mal zu Überraschungen. Der Konvoi soll für mehr Tempo sorgen auf dem Weg nach Berlin, bedeutet aber zunächst Stillstand. Polizeibehörden müssen sich abstimmen.

„Bevor du es vergisst: Wir produzieren, was du isst!“ steht auf einem der Plakate, die an den Frontladern angebracht wird. Oder „Papa fährt für unsere Zukunft.“ Das haben die Kinder selbst mitgestaltet. Der Frust, aber auch die Sorge um die betriebliche Zukunft sitzt bei den Landwirten tief. Nur deshalb machen sie sich für die nächsten drei Tage auf den Weg, obwohl Zuhause mehr als genug Arbeit wartet. Diese erledigen die Familien solange mit. „Und auch ein paar Kollegen haben ihre Hilfe angeboten, wenn es kneift“, erklärt Achim Grotholtmann aus Ladbergen, dass eben auch viele, die nicht nach Berlin fahren, hinter dem Protest stehen.

Das im September im Bundeskabinett beschlossenen Agrarpaket hat das Fass zum Überlaufen und die Landwirte auf die Straße gebracht. Immer neue Auflagen, immer weniger Verdienst, immer mehr Zeit im Büro und immer weniger Planbarkeit für ihre Arbeit. Qualität, die nicht anerkannt wird, und politische Maßnahme, die spätestens in der Praxis unvereinbar sind. Das sind die wesentlichen Vorwürfe. „Es wird Zeit, dass wir Flagge zeigen und die Politik mit uns in einen sachlichen Dialog tritt“, sagt Grotholtmann.

Der Streifenwagen, der die Trecker blockiert hat, wendet. Endlich geht es mit mehr als einer halben Stunde Verspätung los, wenn auch zunächst nur bis zur nächsten Bundesstraße. Einer nach dem anderen preschen die schweren Maschinen auf dem schmalen Landweg an den Daheimbleibenden vorbei. Schnell ist nur noch eine lange Kette orangenfarbener Rundumleuchten zu erkennen, die auf den einsetzenden Berufsverkehr stößt.

Am frühen Nachmittag erreichen die WN telefonisch Achim Grotholtmann, der sich inmitten eines 55 Trecker umfassenden Konvois kurz vor Magdeburg befindet. Zügig gehe es voran, sagt er. 140 Kilometer bis zum Quartier in Beelitz vor Berlin liegen zu jenem Zeitpunkt noch vor ihnen. Heute am frühen Morgen stehen die letzten 70 Kilometer bis in die Hauptstadt an. „Wir hoffen, dass wir dann möglichst nah vors Brandenburger Tor kommen und uns Gehör verschaffen können“, sagt der Ladberger.

Was aber gestern Nachmittag bereits klar ist: Auch diesmal ist die Unterstützung entlang der Strecke groß und Autofahrer grüßten freundlich. „Toll, wie viele schon von Weitem die Lichthupe betätigen und den Daumen nach oben strecken“, sagt der Landwirt. Insgesamt knapp 900 Kilometer legen er und seine Berufskollegen für die Demo in der Hauptstadt zurück. Am Mittwochabend wollen sie wieder im Kreis Steinfurt ankommen.

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