Seit über 30 Jahren ziehen Erpenbecks Weihnachtsbäume groß
Familienbande 4.0

Ladbergen/Lengerich -

Seit 1260 gibt es den Hof. Die Urgroßmutter von Henner Erpenbeck brachte den Spargel von Hannover mit nach Ladbergen, seine Großmutter das Rezept für die Schinkenveredlung. Der 29-Jährige ist mit Weihnachtsbäumen groß geworden. Die Saison hat begonnen.

Samstag, 30.11.2019, 06:20 Uhr
Henner Erpenbeck, hier mit Mutter Freya in der Schonung, brennt für seinen Beruf. Auf dem Gutshof beginnt jetzt die Saison der Weihnachtsbäume.
Henner Erpenbeck, hier mit Mutter Freya in der Schonung, brennt für seinen Beruf. Auf dem Gutshof beginnt jetzt die Saison der Weihnachtsbäume. Foto: Bettina Laerbusch

Das Handy geht in einer Tour. Nee, einen entnervten Eindruck macht Henner Erpenbeck ganz und gar nicht. Im Gegenteil: Der Mann scheint in seinem Element zu ein, freut sich ganz offensichtlich darauf, dass es jetzt endlich losgeht. Zwei Mitarbeiter sind gerade dabei, einen Weihnachtsbaum auf die Ladefläche eines kleinen Lkw zu hieven. „Der geht an eine Schule“, erklärt Henner Erpenbeck. Wie lange die Familie schon Weihnachtsbäume hochzieht und verkauft? „Schon immer – so lange ich da bin“, antwortet der 29-Jährige – und nimmt die Besucherin an diesem grauen Noch-Novembertag erstmal mit in die Schonung.

Dort wachsen sie, die Nordmanntannen. Jene Bäume, die zwar nicht so wunderbar duften wie andere Tannen, dafür aber ganz weiche Nadeln haben. Was sofort auffällt: Die Bäume auf dem Gelände des Gutshofs Erpenbeck zwischen Lengerich und Ladbergen stehen nicht in Reih und Glied. Es gibt größere und kleine, welche mit einer schönen Spitze, welche mit einer nicht so schönen. Einige sind breiter als andere. „Der ist ungefähr neun Jahre alt“, sagt Henner Erpenbeck. Die Besucherin hat auf eine Tanne gezeigt, die circa 1,80 Meter groß ist. Auf der Wiese vor der Schonung liegen um die 20 Bäume – eingehüllt in weiße Netze. „Hier liegen sie besser als in einer Wohnung oder im Haus“, erläutert Erpenbeck den Hintergrund – und plaudert fröhlich über die 40 Mann-und-Frau-starke-Gruppe, die gerade zum „Gruppenschlagen“ in der Schonung war.

Gruppenschlagen? „Schreiben Sie das bloß nicht“, sagt Henner Erpenbeck schmunzelnd. Aber der Begriff trifft die Sache exakt: 40 Mitarbeiter eines Betriebes aus Münster verbrachten auf dem Gut neulich eine schöne Zeit. „Ihr Chef hatte sie dazu eingeladen“, plaudert Erpenbeck. Und das Schlagen von Weihnachtsbäumen – für jeden einen – gehörte dazu. Es sei eine launige Gruppe gewesen, verrät er. Und sein Vater und er haben natürlich dem einen oder anderen Stadtmenschen beim Schlagen geholfen. Die liegenden Bäume werden später abgeholt oder auch gebracht.

Es macht Spaß, sich mit Henner Erpenbeck zu unterhalten. Der 29-Jährige ist voller Energie. Er liebt seien Beruf, brennt für ihn – gar keine Frage. Erpenbeck ist Bauer, Agrar-Ingenieur, hat an der Fachhochschule in Soest Agrarwissenschaft studiert. Das Wort „Bauer“ mag er. „Das kommt von Erbauen“, und daran sei nichts Negatives. Die Bezeichnung sei der vollkommen richtige Begriff für das, was er und seine Familie tun.

Seit dem Jahr 1260 gibt es den Hof. „Mein Vater und meine Mutter haben ihn zu dem gemacht, was er jetzt ist“, sagt Erpenbeck. Respekt vor dieser Leistung klingt in seiner Stimme mit. Fotos an den Wänden geben Zeugnis darüber, was für einen Kraftakt seine Eltern bewältigt haben, um aus alten Gebäuden ein kleines Paradies zu schaffen, auf dem sich nicht nur die Bewohner, sondern auch Besucher sauwohl fühlen.

Henner Erpenbeck erzählt auch von seiner Urgroßmutter, die den Spargel von Hannover hierher brachte und von seiner Großmutter, der die Schinkenveredelung zu verdanken ist. Der junge Mann ist in dieser Aufzählung jetzt die vierte Generation – Familienbande 4.0 sozusagen. Die Familie, die geschichtlichen Hintergründe, sind Henner Erpenbeck wichtig. Vielleicht ist er sogar stolz darauf. „Wir leben vom Hof – und das geht nur, in dem wir mit dem Hof und der Natur leben“, sagt er. Ein Vermarktungs-Label wie Bio brauche er nicht, sagt er deutlich. „Die Meschen sollen hierherkommen und uns kennenlernen.“

Seit drei Jahrzehnten ziehen die Erpenbecks also Weihnachtsbäume groß – in erster Line Nordmanntannen, „die haben sich durchgesetzt“. Bleibt die Frage: Welche Tipps hat Henner Erpenbeck für Weihnachtsbaum-Besitzer auf Lager, die gerne möchten, dass ihr Baum lange, lange grün bleibt? „Das Wichtigste ist ein guter Baumständer“, antwortet der Landwirt. Der müsse groß genug sein. Der Baum lebe und müsse, wie alle Lebewesen, genügend Wasser haben. Daher sei es falsch, die Tanne schräg und spitz anzuschneiden. Denn die Rinde ziehe das Wasser und sollte möglichst nicht beschädigt werden.

Darüber hinaus sollte der Baum langsam ans Warme gewöhnt werden und erst ein oder zwei Tage in der Garage oder im Keller stehen, bevor er ins Wohnzimmer kommt.

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