Pater Hans-Michael Hürter über „Freitag, den 13.“
Gottvertrauen statt schwarzer Katzen

Ladbergen -

Ist Freitag, der 13. ein Unglückstag? Aberglaube hat für Pfarrer Hans-Michael Hürter nie eine Rolle gespielt hat. Gleichwohl ist der Seelsorger überzeugt, dass man „diese Ängste erstmal ernst nehmen muss, weil es für den Gegenüber eine Wirklichkeit ist“.

Freitag, 13.12.2019, 06:22 Uhr aktualisiert: 13.12.2019, 18:12 Uhr
„Freitag, der 13.“ hin oder her: Hans-Michael Hürter macht sich persönlich nichts aus Aberglauben. Aber der Geistliche mahnt, Ängste anderer ernst zu nehmen.
„Freitag, der 13.“ hin oder her: Hans-Michael Hürter macht sich persönlich nichts aus Aberglauben. Aber der Geistliche mahnt, Ängste anderer ernst zu nehmen. Foto: Luca Pals

Langsam aber stetig rührt er mit dem Löffel in der Tasse Kräutertee auf dem niedrigen Tisch vor sich. Den Löffel zur Seite gelegt, lehnt er sich gelassen zurück: „Aberglauben? Ich? Niemals.“ Wenn heute der Kalender „Freitag, den 13.“ anzeigt, versetzt das manch einen auch 2019 – zwar nicht in Angst und Schrecken – aber zumindest in nachdenkliche Gedankenspiele. Pfarrer Hans-Michael Hürter gehört nicht zu ihnen. Der Geistliche der katholischen Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen setzt auf Gottvertrauen und Gemeinschaft statt schwarze Katzen und mystische Kartentricks.

Dass es auch heute noch Menschen gibt, die bei „Freitag, dem 13.“ ins Grübeln kommen, berichtet Hürter im WN-Gespräch: „Ich rede mit vielen Menschen aus der Gemeinde und natürlich auch darüber hinaus. Manchmal kommt es schon vor, dass mein Gegenüber an solche Dinge wie schwarze Katzen glaubt.“ Auch wenn Aberglaube für den Pfarrer nie eine Rolle gespielt hat, sagt er: „Diese Ängste muss man erstmal ernst nehmen, weil es für den Gegenüber eine Wirklichkeit ist.“

Mit Ängsten könne generell in „starken Gemeinschaften“, mit einer innerlichen Ausgeglichenheit und einem „guten Gottvertrauen“ umgegangen werden. Er sieht dabei auch die Kirche in der Verantwortung. Seine Devise: „Den Menschen zuhören. Die Kirche braucht tapfere Christen, bei denen andere die Angst benennen können.“

„Menschen haben nun mal Angst. Das gehört zu unseren ganz normalen Charakterzügen. In Familien, Beziehungen und bei Freunden kann man Stabilität finden“, meint Hürter. Während er gelassen einen Schluck von seinem Tee trinkt, referiert er weiter – immer mit einem nachdenklichen Blick: „Angst ist ein Schutzmechanismus. Wir werden wachsamer und achten mehr auf uns.“

An vielen Stellen in der Bibel würden Ängste zum Thema werden, auch den Aberglauben benennt die Heilige Schrift: „Etwa im Turmbau zu Babel oder der Anbetung eines goldenen Kalbs“, sagt der Geistliche. Auch heute noch gebe es viele Religionen, die Gottheiten anbeten. Den Unterschied zum Christentum sieht Ladbergens katholischer Pfarrer vor allem in der Botschaft: „Es ist eine befreiende Religion ohne einen strafenden Gott. Das haben viele Religionen nicht und spielen mit den Ängsten der Menschen.“

Zudem fallen ihm spontan zwei Bibelstellen ein, die bezeugen, dass Angst durch Gottvertrauen vermindert werden kann. „Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende“, sagt Jesus laut Matthäus Kapitel 28. Und bei Jesaja heißt es: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir.“

Aktueller könne die Botschaft laut Hans-Michael Hürter kaum sein: „An Weihnachten feiern wir wie Gott Mensch wird und als Kind das Licht in unsere dunkle Welt bringt“, sagt er und nimmt gelassen den letzten Schluck Tee. Keine Frage: „Freitag, der 13.“ ist für ihn ein gewöhnlicher Tag.

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