Maßnahmen gegen den Eichenprozessionsspinner
Für 2020 gewappnet!?

Ladbergen -

Klein ist die Summe, welche die Gemeinde im vergangenen Jahr zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners ausgegeben hat, wahrlich nicht: Auf 30.000 Euro beziffert Ingrid Kuhn die Ausgaben, welche „ein großes Loch in den Haushalt gerissen“ hätten. Tendenz steigend. Für das kommende Jahr hat sich die Gemeinde einige neue Möglichkeiten zur Bekämpfung der Plagegeister ausgedacht – ob sie wirklich helfen werden, stehe laut Kuhn noch in den Sternen.

Samstag, 21.12.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 21.12.2019, 11:16 Uhr
Die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners wird 2020 weiter gehen. Wie stark Ladbergen befallen sein wird, ist noch nicht sicher. Ingrid Kuhn vom Bauamt: „Wir müssen Maßnahmen treffen.“
Die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners wird 2020 weiter gehen. Wie stark Ladbergen befallen sein wird, ist noch nicht sicher. Ingrid Kuhn vom Bauamt: „Wir müssen Maßnahmen treffen.“ Foto: Matthias Ahlke/dpa

Einen Masterplan, so die Fachfrau aus dem Bauamt werde es nicht geben. Mit gemischten Gefühlen schaut sie auf den Befall im kommenden Jahr: „Komplett werden wir dagegen nicht ankommen. Wir können nur versuchen, das Problem einzudämmen.“ Daher hofft Kuhn , die aus den leidvollen Erfahrungen der vergangenen Jahre berichten kann, zunächst auf einen kalten Winter: „Die Larven, die 2020 schlüpfen werden, kommen mit der Kälte nicht klar. Dann hätten wir schon einmal einiges gewonnen.“ Sie verweist darauf, dass es in den vergangenen Jahren direkt warm geworden sei – „perfekt für die kleinen Raupen.“

Zusammen mit Heike Peters vom Ordnungsamt der Gemeinde habe sie sich zusammengesetzt und „viele Möglichkeiten besprochen.“ Ideen gebe es viele, mit Blick in die Nachbarkommunen wurden bereits einige umgesetzt. Nun auch in Ladbergen.

Etwa 35 Fallen sollen vom Bauhof im Ortskern aufgestellt werden. Die Fallen der Firma „Alex Kösters“ aus Heek, die sich auf die Bekämpfung gegen den Eichenprozessionsspinner spezialisiert hat, haben oberhalb einen weißen Ring, an dem ein Köderbeutel befestigt ist. Der Beutel, so Kuhn, locke mit einem Duftstoff, der „zu einem großen Anteil Eichen ähnelt“, die Tiere an. Ist die Raupe erst einmal in den Beutel gekrochen, ist es einerseits unmöglich für sie, den Weg nach draußen zu finden und andererseits setze sich ein im Köderbeutel befindliches Mittel an den Tieren fest. Kuhn erklärt: „Dieser Stoff trocknet die Raupen aus und sie sterben. Kommen Menschen mit dem Stoff in Berührung, passiert in erster Linie nichts. Außer dass sie großen Durst verspüren werden.“ Ebenfalls raffiniert: In der Sonne erhitzt sich der Beutel auf 70 Grad Celsius, ab 55 Grad werden die gefährlichen Brennhaare unschädlich gemacht. Somit könne der Bauhof über das ganze Jahr die Beutel gefahrlos abnehmen. Auch gut: „Die Fallen können das ganze Jahr über am Baum bleiben“, so Kuhn. Kostenpunkt der Fallen: 4000 bis 6000 Euro.

Die besagte Firma hat die „EPS-Fallen“ bereits in Bad Bentheim eingesetzt, von dort kommt laut Kuhn die Idee: „Wir haben uns Anregungen aus den Nachbarkommunen geholt. Die Resonanz dort war bisher gut.“ Mit welchem Erfolg der Spinner auf diese Weise in Ladbergen bekämpft werden kann, ist sich Kuhn noch nicht sicher: „Es wird erst einmal eine Testphase sein.“

Was man über den Eichenprozessionsspinner wissen sollte

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  • Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Hauptsächlich an Eichen, manchmal aber auch an Hainbuchen spinnen die Raupen ihre Nester.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Aus Gelegen von 100 bis 200 Eiern schlüpfen Anfang Mai kleine Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Stadien durchlaufen. Nach der Verpuppung ist das Tier ein brauner, unscheinbarer Nachtfalter.

    Foto: Bodo Marks (dpa)
  • Im „Gänsemarsch“ gehen die Raupen auf die Suche nach Nahrung – bevorzugt Eichenblätter. Durch diese „Prozession“ sind die Tiere zu ihrem Namen gekommen.

    Foto: Peter Roggenthin (dpa)
  • Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Bei unmittelbarem Kontakt kann das zu Hautentzündungen führen, bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen. Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötung und Bläschen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab.

    Foto: Bernd Schäfer
  • Wer ein Nest entdeckt, sollte es deshalb nicht anfassen, sondern eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragen, raten Behörden.

    Foto: hbm
  • So sieht ein entferntes Nest aus. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni begünstigen die Verbreitung der Raupen.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Gleiches gilt für den „Raupenleim“. Diese Idee hat Kuhn aus Greven mitgebracht: „Wir haben schon eine Menge bestellt“, berichtet sie im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten. Besagter Leim soll um die Eichen gestrichen werden. Kuhn: „Der Duft hält die Spinner davon ab, von einem zum anderen Baum zu kriechen.“ Das Futter auf der jeweiligen Eiche würde daher „nicht ewig halten.“ Der Leim wird abwechselnd mit den Fallen angebracht. Laut Kuhn zunächst am DRK-Kindergarten sowie dem Friedenspark. Sie meint: „Die Fallen werden effektiver sein als der Leim. Aber wir müssen uns überraschen lassen.“

Bereits in diesem Jahr werden zusätzliche Nistkästen auf Gemeindegebiet von Mitarbeitern des Bauhofes angebracht. Diese wurden von Grundschülern gebaut und diese Aktion von der Familienstiftung finanziell unterstützt. Die Idee der Nistkästen komme aus den Niederlanden.

Neben allen Neuerungen zum nächsten Jahr bleibt der Einsatz von Fachfirmen auch 2020 unabdingbar. Im kommenden Jahr werde eine lokale Firma angeworben, so Kuhn. Außerdem soll die Firma Barowski aus Lienen eingesetzt werden.

All dies sei kein Allheilmittel, aber die Fälle aus der Vergangenheit, bei denen sich Personen mit schwerwiegenden Verletzungen bei der Gemeinde gemeldet hatten, seien natürlich Motivation genug. Kuhn: „Auch jetzt, wo die Leute das Laub entfernen, hören wir immer noch von Vorfällen. Die toten Tiere sitzen im Laub, durch das Aufwirbeln kommen die Haare in die Luft.“ Daher kann die Fachfrau nur zur Vorsicht mahnen – für das kommende Jahr sowieso.

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