Sandra Schmit hat ein Buch über ihre Krankheit geschrieben
Blick in eine ungewisse Zukunft

Ladbergen -

Sandra Schmit hat bereits zwei Romane veröffentlicht. Jetzt hat sie ein wichtiges Kapitel ihres Lebens zu Papier gebracht. Dabei war es zunächst gar nicht ihr Plan, aus den Tagebuchaufzeichnungen von zwei Jahren ein Buch zu machen. Vielmehr wollte die an Morbus Pompe (fortschreitende Muskelschwäche) erkrankte Autorin für sich die Zeit aufarbeiten, in der sie die Diagnose erfuhr und beginnen musste, sich dieser zu stellen.

Freitag, 27.12.2019, 16:30 Uhr aktualisiert: 29.12.2019, 14:02 Uhr
Mit „Eine von Zehntausend“ schreibt Sandra Schmit über ihr Leben mit einer seltenen Krankheit und will gleichzeitig anderen Betroffenen Mut machen.
Mit „Eine von Zehntausend“ schreibt Sandra Schmit über ihr Leben mit einer seltenen Krankheit und will gleichzeitig anderen Betroffenen Mut machen. Foto: Anne Reinker

Und entschloss sich dann doch dazu, andere teilhaben zu lassen. Eine schwierige Zeit, die mit ihrem persönlichen Happy End im Buch abschließt. Und das nun, dank der Veröffentlichung, auf 300 Seiten einen tiefen Einblick gewährt.„Eine von Zehntausend“, hat Sandra Schmit ihr drittes Buch betitelt. Damit meint sie sich selbst, denn mit Morbus Pompe, einer die Muskulatur in Rumpf und Schulterbereich angreifenden Erkrankung, ist sie laut Statistik tatsächlich eine von Zehntausend weltweit.

Im Oktober 2017 begann Sandra Schmit, die unter dem Pseudonym Sandra Meijer veröffentlicht, mit ihren Aufzeichnungen. „Ich wollte mich mit meiner Krankheit auseinandersetzen“, erklärt die Wahl-Ladbergerin, die sich im Heidedorf sehr wohl fühlt. Auch wenn sie unter den Symptomen von Morbus Pompe schon seit 30 Jahren leidet, wurde die Diagnose erst im Herbst 2017 von einem Neurologen in der Uniklinik Münster gestellt. „Man fühlt sich wie eine ältere Dame“, beschreibt Sandra Schmit die Folgen des Krankheitsbildes. Gehen fällt ihr schwer, bücken ist kaum möglich. Der Verlauf von Morbus Pompe kann durch regelmäßige Infusionen verlangsamt werden. Sandra Schmit muss daher regelmäßig nach Münster fahren. „Die Zukunftsaussichten für mich sind eher mau“, sagt die als Sekretärin in der Baubranche berufstätige Frau. Sie jammert nicht, sondern ist ehrlich sich selbst gegenüber.

Diesen Eindruck vermittelt die Autorin auch in ihrem Buch. Waren ihre Erstlingswerke „Jackpot“ und „Das Blumentattoo“ rein aus der Fantasie entstanden, gab sie für „Eine von Zehntausend“ ungeschönte und tiefe Einblicke in ihr Seelenleben. Ohne jedoch den Eindruck zu hinterlassen, in irgendeiner Weise Mitleid erheischen zu wollen.

Das Buch beginnt mit Sandra Schmits Einschränkungen bei der Benutzung einer Restauranttoilette – ausgerechnet bei einem ersten Date. Da begreift sie, dass sie den Symptomen nicht länger davonlaufen kann und beschließt daraufhin, dass sie sich, nach 20 Jahren, auf einen weiteren Versuch einlassen muss, eine Diagnose stellen zu lassen. Diesen Weg beschreibt Sandra Schmidt, die Wochen und Monate, die zu einem tiefen Einschnitt ihres Lebens werden. Sie beschäftigt sich nicht nur damit, was die Diagnose mit ihrem Leben macht, sondern auch welche Folgen die Krankheit haben kann und welche Bedeutung sie für Familie, Partnerschaft und Zukunft hat. Denn: „Wenn man seinem Schicksal nicht mehr ausweichen kann, welche Dinge sind dann wirklich wichtig? Und wie kann man aus einem kranken Leben das Beste herausholen“, ist im Klappentext des Buches zu lesen. Soviel verrät Sandra Schmit: „Es wird ein romantisches Happy-End geben, ein schöner und fröhlicher Ausklang, der Hoffnung macht.“

„Ich habe zum Teil so geschrieben, wie meine Gedankengänge waren“, sagt sie über den Schaffensprozess und betont dabei: „Es ist kein Fachbuch geworden.“ Trotzdem dürfte es dem ein oder anderen Leser helfen, selber einen Weg aus einer Erkrankung oder schwierigen Lebenssituation zu finden.

Beim Schreiben müsse ihr Kopf frei sein, es „hilft zur Entspannung“, erklärt die 38-jährige. „Der Schritt zu entscheiden, dieses Buch zu machen und dann auch noch zu veröffentlichen, war schwer“, verrät Sandra Schmit. „Denn damit habe ich mich angreifbar gemacht.“ Die Frage, wie weit sie in ihrem Werk gehen darf, ohne die Familie oder Freunde zu belasten, habe sie sich gestellt und dementsprechend gehandelt.

Dieses Buch wird keine Fortsetzung bekommen, ist sich die Autorin sicher. Doch weitere Romane kann sie sich vorstellen, hat aber momentan keinen festen Plan dafür. „Ein Buch braucht Zeit zur Entstehung“, erklärt sie.

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