Gesunde Ernährung, Bewegung und Entspannung werden im Jugendzentrum groß geschrieben
„Lolli kostet 15, Obst zehn Cent“

Ladbergen -

Alkohol spielt im Jugendzentrum keine große Rolle. Die Regeln sind klar. Wer mal ein Bier trinken möchte, muss mindestens 16 Jahre alt sein. Das klappe ohne große Diskussionen, sagt die Einrichtungsleiterin Regina Storck. Das war Anfang der 1990er Jahre noch anders. „Alkoholkonsum war damals ein ganz großes Thema“, erinnert sich die Sozialpädagogin an ihre erste Zeit im Haus. Sie weiß noch gut, dass sie mit betrunkenen Jugendlichen darüber verhandeln musste, ob sie ins Jugendzentrum dürfen. „Heute müssen wir schauen, dass das Bier nicht abläuft“, stellt sie fest.

Donnerstag, 16.01.2020, 18:18 Uhr aktualisiert: 16.01.2020, 18:20 Uhr
Seit fast 30 Jahren begleitet Regina Storck im Jugendzentrum Ladbergen Kinder und Jugendliche in der Offenen Jugendarbeit. Viel hat sich verändert. Viele Kinder stehen heute unter Leistungsdruck und Stress, beobachtet sie.
Seit fast 30 Jahren begleitet Regina Storck im Jugendzentrum Ladbergen Kinder und Jugendliche in der Offenen Jugendarbeit. Viel hat sich verändert. Viele Kinder stehen heute unter Leistungsdruck und Stress, beobachtet sie. Foto: Dietlind Ellerich

Ganz großes Thema heute ist der Konsum von Cola. Die gibt es im Jugendzentrum nämlich erst ab zwölf Jahren. Gar nicht so einfach sei es, den Jüngeren zu erklären, dass Cola-Getränke nicht gut für die Gesundheit und das Wachstum seien, zumal für die Mädchen und Jungen Cola im Elternhaus oft eine Selbstverständlichkeit sei, beschreibt Storck die Gratwanderung, die sie und ihre Kollegin Christiane Weinmar unternehmen.

Ohne Konsequenzen geht das nicht. Deshalb verhängt das Team auch schon mal ein Hausverbot, wenn sich jemand darüber hinwegsetzt, dass auf dem Gelände des Jugendzentrums nicht geraucht werden darf.

Großen Wert legt das Team auf die Einhaltung der „Gut drauf“-Richtlinien. Ziel des Programms der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sei die Förderung eines gesunden Lebensstils von Kindern und Jugendlichen, erklärt Storck, was dahintersteckt. Bewegung, Ernährung und Entspannung werden deshalb im Haus groß geschrieben.

Um den Kids das Gesunde schmackhaft zu machen, kosten Obst und Rohkost weniger als Süßigkeiten. „Der Lolli kostet 15, die Mandarine zehn Cent“, verrät die Leiterin des Hauses.

„Wenn wir Waffeln backen, ist das für die Kinder ein tolles Erlebnis“, beobachtet sie immer wieder. „Und beim nächsten Mal nehmen wir weniger Zucker, beim dritten Mal dann Vollkornmehl“, beschreibt Storck, wie sie die Kinder im Jugendzentrum Schritt für Schritt an gesunde Ernährung heranführt. Tee und Wasser gibt es kostenlos, nicht alkoholische Getränke sind billiger als Bier. „Das hat schon mein Vorgänger eingeführt“, weiß Storck.

Großen Wert legen die Mitarbeiterinnen auf Entspannung. Seit Jahren stellt Regina Storck fest, dass Kinder und Jugendliche immer mehr unter Stress und Leistungsdruck stehen. „Sogar Kinder fragen mich nach Kopfschmerztabletten“, gibt sie zu bedenken. „Die Offene Jugendarbeit ist der einzige Ort mit pädagogischer Begleitung, an dem von den Kindern und Jugendlichen keine Leistung erwartet wird“, sagt sie. Für das Team ist das ein Grund mehr, den jungen Besuchern Raum zum Chillen zu geben. Ausruhen auf dem Sofa oder in der Hängematte, ganz ohne Erwartung oder Bewertung, sei wichtig, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen, ist Regina Storck überzeugt.

Die Räume im Jugendzentrum machen es dem Team einfach, auf individuelle Bedürfnisse einzugehen. „Hier können sich auch Cliquen aus dem Weg gehen, die sich nicht so gut verstehen“, ist ihr bewusst. Rund 80 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen zehn und 27 Jahren betreut sie mit ihrer Kollegin Weinmar in der Woche. Die Klientel ist bunt gemischt, die Fluktuation relativ hoch. Dienstags bis samstags ist das Haus jeweils von 16 bis 22 Uhr geöffnet. „Ab sofort ist dienstags von 16 bis 17.30 Uhr Mädchen-Zeit“, kündigt Storck an. Jungs müssen dann draußen bleiben.

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