Evangelisches Sozialseminar
Fairer Handel mit Kleidung steckt noch in Kinderschuhen

Lienen-Kattenvenne -

Faire Kleidung produzieren – geht das? So lautete das Thema der ersten Veranstaltung der Reihe des Evangelischen Sozialseminars in Lienen in diesem Jahr. Die Veranstalter hatten die Filmemacher Dorit Siemers und Lutz Kerkeling in das Gemeindehaus Kattenvenne eingeladen.

Sonntag, 26.01.2020, 18:49 Uhr aktualisiert: 27.01.2020, 17:20 Uhr
Die Dokumentarfilmer Dorit Siemers und Lutz Kerkeling vom Verein Zwischenzeit referierten beim Sozialseminar über das Thema faire Produktion und Verkauf von Kleidung.
Die Dokumentarfilmer Dorit Siemers und Lutz Kerkeling vom Verein Zwischenzeit referierten beim Sozialseminar über das Thema faire Produktion und Verkauf von Kleidung. Foto: Gernot Gierschner

Obwohl das evangelische Sozialseminar fast immer ein volles Haus vorweisen kann, füllten sich die Zuschauerreihen an diesem nasskalten Januarabend nur zögerlich. Und dass bei einem Thema, das zur Zeit heiß diskutiert wird. So steht der Umgang mit Kleidung ähnlich stark in der Kritik wie der Flug in den Urlaub. Dr. Anja Oetmann-Mennen und Edgar Klinger vom Sozialseminar freuten sich dann doch über zahlreiche Besucher. „Sie sind hoffentlich alle Multiplikatoren,“ so Anja Oetmann-Mennen in ihrer Begrüßung.

Dorit Siemers und Lutz Kerkeling vom Verein Zwischenzeit hatten den Dokumentarfilm „Korrekte Klamotten“ mitgebracht. Der Bericht zeigte zum einen die schwierige Situation der Menschen in den Produktionsländern, zum anderen wurden Projekte und Unternehmen in Deutschland porträtiert, die versuchen, fair und ökologisch produzierte Kleidung anzubieten.

Die beiden Aktivisten dokumentieren nicht nur die Situation vor Ort, in dem sie den Menschen – überwiegend Frauen – eine Stimme geben. Sie versuchen nach eigenen Angaben auch, durch den Aufbau und die Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen, diese zu stärken und Produkte auf den Markt zu bringen. So bietet Zwischenzeit unter anderem fair produzierten Kaffee an, den sie den Besuchern zum Kauf anboten.

Dorit Siemers erzählte von ihren Erfahrungen, die sie in Süd- und Mittelamerika bei ihrer Arbeit gesammelt hat. „Leider muss man sagen, dass sich die Situation der Arbeiterinnen in den letzten 20 Jahren nicht sehr verbessert hat. Eher im Gegenteil. Die immer größere Nachfrage und der immer schnellere Wechsel der Mode führen dazu, dass die Umweltverschmutzung zunimmt. Ebenso die Ausbeutung der Frauen, die von ihrer Arbeit meist nicht leben können.“

So werden 85 Prozent aller Kleidung weltweit von Frauen hergestellt. Frauen im Alter zwischen 18 und 28 Jahren, die neben Ausbeutung und katastrophalen Arbeitsbedingungen häufig auch sexuellen Belästigungen ausgesetzt seien, so Dorit Siemers.

Der Verein Zwischenzeit versucht, mit solidarischen ökologischen Projekten nach dem Motto „global denken – lokal handeln“ die Probleme anzugehen, wie Lutz Kerkeling erklärte. Als Beispiel nannte er Firmen wie „grüne Wiese“ in Münster oder Zündstoff aus Freiburg, die dem Kunden aktuelle Mode bieten, ohne dass der ein schlechtes Gewissen haben muss.

In der Diskussion wurde deutlich, dass der faire Handel mit Kleidung noch am Anfang steht. Bei fair gehandelten Lebensmitteln beträgt der Anteil am Gesamtumsatz zwischen acht und zehn Prozent. Bei Bekleidung liegt er im Promillebereich. Auf die kritische Nachfrage, inwieweit die solidarische basisdemokratische Wirtschaft den Kapitalismus ersetzen könne, räumte Lutz Kerkeling ein, „dass wir dafür wohl das große Ganze in Frage stellen müssen, also unsere Art zu leben und zu konsumieren“.

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