FMO-Chef Rainer Schwarz im Interview
„2021 wieder eine schwarze Null“

Ladbergen/GReven -

FMO-Chef Rainer Schwarz nimmt Stellung dazu, welche Folgen er durch steigende Ticketpreise ab April am Flughafen Münster/Osnabrück erwartet. Im Gespräch mit Jean-Charles Fays erläutert er zudem, welche „Gefahr“ Aussagen von Osnabrücks Landrätin Anna Kebschull entfacht haben, warum sein Herz nicht an Flugzielen wie Stuttgart oder Berlin hängt, wann die „Eine-Million-Marke“ wieder geknackt wird und bis wann der FMO schwarze Zahlen schreibt.

Mittwoch, 29.01.2020, 17:02 Uhr aktualisiert: 03.02.2020, 18:27 Uhr
Rainer Schwarz ist seit drei Jahren Geschäftsführer des Flughafens Münster/Osnabrück. Im Interview prognostiziert er, wie sich die Passagierzahlen in diesem Jahr entwickeln und wie der FMO wieder schwarze Zahlen schreiben soll. Foto: Archiv/Jörn Martens
Rainer Schwarz ist seit drei Jahren Geschäftsführer des Flughafens Münster/Osnabrück. Im Interview prognostiziert er, wie sich die Passagierzahlen in diesem Jahr entwickeln und wie der FMO wieder schwarze Zahlen schreiben soll. Foto: Archiv/Jörn Martens Foto: Jörn Martens

Die grüne Landrätin Anna Kebschull stand dem neuen FMO-Finanzierungskonzept „deutlich kritisch gegenüber“. Mit ihrem Vorschlag für eine letztmalige Beteiligung an der FMO-Finanzierung war sie im Kreistag gescheitert. Beim Neujahrsempfang des Landkreises betonte sie, dass sie sich gewünscht hätte, die Ausbauoptionen der Bahn „als Alternativzubringer zu den internationalen Drehkreuzen Frankfurt und München“ zu prüfen. Was entgegnen Sie ihr?

Schwarz : Zunächst möchte ich herausstellen, dass Frau Kebschull die Finanzierung des FMO für die nächsten fünf Jahre unterstützt und mitgetragen hat. Sie wollte allerdings schon jetzt einen Finanzierungsstopp nach 2025 festlegen und darüber hinaus komplett auf innerdeutsche Flüge verzichten. Ich habe mehrfach – auch schon vor der Abstimmung im Kreistag – versucht, deutlich zu machen, dass Kunden eines Flughafens langfristige Planungssicherheit brauchen. Die Ankündigung eines Finanzierungsstopps entfacht sofort die Gefahr, dass Airlines nicht mehr in neue Strecken investieren.

Welche Bedeutung haben Inlandsflüge nach Frankfurt und München für den FMO?

Schwarz: Hinsichtlich der Inlandsflüge habe ich darauf hingewiesen, dass es bisher – trotz mehrfacher Versuche – kein einziges geglücktes Beispiel dafür gibt, dass Zubringerflüge zu den Drehkreuzen Frankfurt und München durch die Bahn ersetzt wurden. Nicht nur wegen des üblicherweise bereits durchgecheckten Gepäcks ist dies auch nicht trivial. Deshalb sollte man erst mal eine funktionierende Alternative haben, bevor man eine gut funktionierende Verkehrsinfrastruktur wie den FMO beschädigt oder gar schließt. Insofern bin ich froh, dass die überwältigende Mehrheit im Kreistag des Landkreises Osnabrück dies ganz offensichtlich genauso gesehen hat.

Warum ist der FMO für viele Wirtschaftsunternehmen in der Region wichtig?

Schwarz: Viele Unternehmen sagen uns, dass sie ihre Standortentscheidung überdenken müssten, wenn der Flugbetrieb am FMO nicht fortgesetzt wird. Dabei ist vielen Unternehmen der Flughafen deshalb so wichtig, weil sie wissen, dass sie über die Zubringerflüge vom FMO zu den Drehkreuzen Frankfurt und München die Verbindung in die ganze Welt haben.

Für wie wichtig halten Sie im Vergleich zu Frankfurt und München die Verbindungen nach Stuttgart und Berlin?

Schwarz: Unser Herz hängt nicht an dezentralen Flugzielen wie Stuttgart oder Berlin. Wenn die regionale Wirtschaft solche Verbindungen nachfragt, dann versuchen wir, ein Angebot zu schaffen. Die Buchungslage nach Berlin ist zurzeit ohnehin sehr überschaubar, sodass wir erst einmal gucken müssen, wie lange die Fluggesellschaft AIS als Betreiber überhaupt noch Spaß daran ha

Die Luftverkehrssteuer für Flüge im Inland und in EU-Staaten wird ab April um 5,53 Euro pro Ticket angehoben. Welche Auswirkungen wird das teurere Fliegen für den FMO haben?

Schwarz: Wir haben für dieses Jahr ein Angebotswachstum von acht bis zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr entwickelt. Inwieweit die Luftverkehrssteuer ab dem 1. April die Nachfrage beeinflusst, ist aktuell nur schwer zu prognostizieren. Ebenfalls schwer vorher zu sagen ist, ob sich denn in diesem Jahr die sogenannte „Flugscham“ auswirkt, nachdem dies im letzten Jahr nicht messbar war.

Werden Sie bei den Fluggastzahlen in diesem Jahr wieder die Eine-Million-Marke knacken?

Schwarz: Wir hatten im letzten Jahr 992 000 Passagiere. Bei einem Angebotswachstum von acht bis zehn Prozent sollte dies grundsätzlich machbar sein, allerdings gelten die genannten Unwägbarkeiten. Langfristig bleibt es bei dem Plan, dass in den kommenden zehn Jahren die Zahl der Passagiere auf jährlich 1,3 Millionen gesteigert werden soll.

Wann schreibt der FMO wieder schwarze Zahlen?

Schwarz: Im Jahr 2019 lagen wir operativ bei knapp unter zwei Millionen Euro Verlust. In diesem Jahr wollen wir diesen Verlust halbieren, um im kommenden Jahr wieder eine schwarze Null zu erreichen. Hierfür haben wir auf der Erlösseite die Landegebühren erhöht und durch neue Verträge die Voraussetzungen geschaffen für Mehreinnahmen im Terminal – dem sogenannten „Non-Aviation-Geschäft“. Durch stärkere Automatisierung der Prozesse wollen wir zudem die Personalausgaben im Griff halten.

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