Veröffentlichungen halten Erinnerungen aufrecht
4444,3 Tonnen Bomben prägten das Leben

Ladbergen -

Der Schrecken der Bombennächte, er sollte niemals in Vergessenheit geraten. Deshalb haben Ladberger ihre Erinnerungen schriftlich festgehalten. Einer von ihnen war der Heimatforscher Heinrich Stork.

Dienstag, 03.03.2020, 01:10 Uhr aktualisiert: 03.03.2020, 17:36 Uhr
Einige von Ladbergern geschriebene Bücher geben auch heute noch Aufschluss über die Ereignisse von damals.
Einige von Ladbergern geschriebene Bücher geben auch heute noch Aufschluss über die Ereignisse von damals. Foto: Luca Pals

Eines begleitete die Besuche bei den Zeitzeugen der Bombenangriffe auf Ladbergen und den Dortmund-Ems-Kanal stetig: Bücher, Berichte und Erinnerungen, von Ladbergern aufgeschrieben, die den Schrecken nicht in Vergessenheit geraten lassen wollten. Einer dieser Autoren war der inzwischen verstorbene Heimatforscher Heinrich Stork . In seinem Buch „Ladbergen – Land un Lüe“ widmete er sich in einem Kapitel den Angriffen von 1940 bis zum Kriegsende 1945.

Eine „tragische Berühmtheit“ habe Ladbergen damals erreicht: Nirgendwo sonst im ehemaligen Reichsgebiet wurden während des Zweiten Weltkrieges mehr Bomben pro Quadratmeter abgeworfen als auf dem Gebiet am Kanal. Sechs große Angriffe waren Teil der Kindheit des Autors: 4444,3 Tonnen Bomben wurden in dieser Zeit abgeworfen.

Warum gerade Ladbergen?

Aber warum gerade Ladbergen? Stork berichtet in seinem Buch von der strategischen Bedeutung des Kanalabschnittes zwischen der Schulze-Farwick-Brücke und dem heutigen Hafen. Es handelte sich um die Hauptverbindung vom Ruhrgebiet zur Nordsee. Deshalb wurde die Stelle, an der die Glane unter dem Kanal fließt, von den Alliierten zum Hauptziel erklärt.

Dem Ziel, den Transport der Deutschen aufzuhalten, kamen die Engländer durch sechs Angriffe näher. Stork erinnert sich an alle und beschreibt sie genau. Nachdem am 20. Juni 1940 das Haus des Landwirtes Wilhelm Stork durch die ersten Bomben auf Ladbergen zerstört wurde, bauten die Deutschen zum Schutz des Kanals 3,7-Zentimeter-Flakbatterien auf. Von März 1943 bis Juni 1944 seien hier ausgebildete Ladberger an der Front gewesen. Während des ersten großen Angriffs im September 1944 sind laut Stork 17 Menschen gestorben. Gegen 22.30 Uhr sei es über Ladbergen „taghell“ geworden. Die Scheinwerfer der englischen Flieger erhellten die Nacht: „Bei den ersten Bomben bebte die ganze Erde. Alle flohen in ihre Bunker“. Er erinnert sich daran, dass sein Vater Gegenstände aus dem abbrennenden Hof Schulte holte. Volltreffer auf das Haus der Familie Stork und unter anderem sechs Tote im Hause Adolf Königs : „Die Familien im direkten Kanalbereich hat es am härtesten getroffen.“ Nach den Angriffen hätten alle mit angepackt, Schulklassen seien zum Dachziegelhängen engagiert worden, der Kanal sei wieder hergestellt worden. Die Ausgebombten wurden nach den Angriffen in der Schule, dem Gemeindehaus oder in Königs Saal untergebracht. Einer „Völkerwanderung“ sei es gleichgekommen, wenn die Arbeiter morgens zu den Bauarbeiten am Kanal marschiert seien.

Im November 1944 kam es zu gleich zwei Angriffen auf den Kanal: Neun Tote und acht zerstörte Häuser hatten die Ladberger zu beklagen. Der Angriff zu Neujahr 1944, dem einzigen Bombardement bei Tag, blieb Stork „sehr gut in Erinnerung“: Die Warnungen im Radio, das Flugzeug, das er beobachtet hatte, die Flucht in den Bunker – Erinnerungen, die bleiben. Die Angriffe im Februar 1945 hätten auch Teile des Dorfes betroffen, schreibt der Chronist. 60 Personen wurden an diesem Tag obdachlos, der Friedhof „Wachelau“ wurde komplett zerstört. Dem sechsten und letzten Angriff widmet der Autor weniger Zeilen, hierbei kam ein Mensch ums Leben. Den Einmarsch der Engländer am 1. April 1945 sah auch Stork als eine „Erleichterung und Befreiung nach all diesem Leid und Elend“.

 

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