Brüder müssen sich wegen schwerer Brandstiftung verantworten
Wollten sie Beweise vernichten?

Ladbergen/Saerbeck/Ibbenbüren -

Zwei Brüder müssen sich vor dem Amtsgericht Ibbenbüren wegen schwerer Brandstiftung verantworten.

Donnerstag, 12.03.2020, 19:37 Uhr aktualisiert: 13.03.2020, 18:22 Uhr

Ein Großbrand aus dem Jahr 2016 in einer Gewerbehalle im Industriegebiet Saerbeck beschäftigte am Mittwoch die Strafkammer des Amtsgerichts in Ibbenbüren. Zwei Brüdern, 23 und 21 Jahre alt, aus Ladbergen beziehungsweise Borghorst wirft die Staatsanwaltschaft vor, das Feuer absichtlich gelegt zu haben, um Spuren aus einer anderen Straftat zu vernichten. Im Falle einer Verurteilung wegen schwerer Brandstiftung droht dem Brüderpaar eine Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren.

Der Staatsanwalt geht davon aus, dass die Beschuldigten in der Nacht vom 17. auf den 18 Januar 2016 in die Halle das Saerbecker Autohändlers eingebrochen sind. Ziel sei gewesen, einen Geländewagen, der gestohlen und mit dem sie zuvor in einen Unfall verwickelt waren, erneut zu stehlen. Das Auto war dort zur Spurensicherung und Verwahrung von der Polizei untergestellt worden. Dieser Beweissicherung wollten die Angeklagten, nach Ansicht der Staatsanwaltschaft, offensichtlich zuvorkommen.

Immenser Sachschaden

Als dieses Vorhaben auf Grund der starken Beschädigungen am Unfallfahrzeug nicht möglich war, hätten die Beiden den Geländewagen in Brand gesetzt. Beim folgenden Großbrand wurden 2000 der 4000 Quadratmeter großen Gewerbehalle vollständig vernichtet. Zahlreiche Neu- und Gebrauchtfahrzeuge – darunter auch einige Oldtimer – wurden zerstört. Explodierende Propangasflaschen verhinderten ein offensives Eingreifen der Feuerwehr, so konnte sie die Halle nur kontrolliert abbrennen lassen. Der dabei entstandene Gesamtschaden ist immens und beläuft sich – nach Angaben der Staatsanwaltschaft – auf über zwei Millionen Euro.

Der erste von drei Verhandlungstagen verlief unspektakulär. Staatsanwaltschaft und Verteidigung gaben sich zurückhaltend. Nachdem die Vertreter der Verteidigung erklärt hatten, dass die Mandanten von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen würden, kommt es in diesem Indizienprozess vor allem auf die Verhandlungsführung des Vorsitzenden Richters und auf das Gedächtnis der vielen geladenen Zeugen an. Der Prozesstag war von Unterbrechungen gekennzeichnet, da Zeugen krankheitsbedingt ausfielen und Akten unvollständig waren.

Die Beweisaufnahme ergab immerhin, dass der 21-jährige Angeklagte für einen Diebstahl eines baugleichen Geländewagens, zusammen mit einem bereits einsitzenden Mittäter, rechtskräftig verurteilt worden ist. Ein Zusammenhang mit der Tat in Saerbeck konnte bisher nicht hergestellt werden. Die Staatsanwaltschaft geht aber davon aus, dass das Tätertrio gewerbsmäßig Geländewagen gestohlen habe, um sie zu zerlegen und als Ersatzteile zu verkaufen.

Tragisch verliefen die Ereignisse im Januar 2016 für den Fahrer eines Abschleppwagens. Der Mann war derjenige, der das sichergestellte Fahrzeug in die Halle gebracht hatte. Er war zunächst fälschlicherweise beschuldigt worden, durch Unachtsamkeit den Brand verursacht zu haben. Das führte nicht nur zum Verlust seines Arbeitsplatzes, sondern löste bei ihm auch ein jahrelanges Trauma aus.

Die Verhandlung wird am Donnerstag, 19. März, fortgesetzt.

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