Förster Peter Wicke zeichnet düsteres Bild von der Zukunft des Waldes
„Noch nicht am Ende der Katastrophe“

Ladbergen -

Peter Wicke, Förster und Landesvorsitzender der Gewerkschaft IG BAU (Bauen, Agrar, Umwelt), hat jetzt als Gast beim Ortsverein von Bündnis 90/Die Grünen ein düsteres Bild von der Zukunft der heimischen Bäume und Wälder gezeichnet.

Freitag, 13.03.2020, 18:22 Uhr aktualisiert: 15.03.2020, 14:34 Uhr
Peter Wicke illustrierte seinen Vortrag mit Bildern, die Eindrücke von der Situation im heimischen Wald vermittelten.
Peter Wicke illustrierte seinen Vortrag mit Bildern, die Eindrücke von der Situation im heimischen Wald vermittelten. Foto: Matthias Bein/dpa

Peter Wicke , Förster und Landesvorsitzender der Gewerkschaft IG BAU (Bauen, Agrar, Umwelt), hat jetzt als Gast beim Ortsverein von Bündnis 90/ Die Grünen ein düsteres Bild von der Zukunft der heimischen Bäume und Wälder gezeichnet. Dass Bäume sterben und es gelegentlich auch größere Verluste gibt, sei zwar ganz normal. Aber das Ausmaß der Probleme der nächsten Jahre werde beispiellos sein. Die Trockenheit der vergangenen Frühjahre und die Globalisierung der Wirtschaft, durch die viele neue Schädlinge kämen, seien die Hauptgründe.

„Normalerweise können sich Nadelbäume sehr gut gegen Schädlinge wie den Kupferstecher oder den Borkenkäfer durch die Produktion von Harz wehren, doch wegen der Trockenheit der letzten Jahre geht das nicht mehr. Bereits jetzt sind dadurch zirka 10,5 Millionen Fichten und Buchen abgestorben – und wir sind noch nicht am Ende dieser Katastrophe“, warnte der Fachmann. Zum Vergleich: Bei „Kyrill“ seien es insgesamt rund neun Millionen Bäume gewesen.

Mit erschreckenden Bildern illustrierte Wicke seine Ausführungen. Die etwa 30 Zuhörer bei Buddemeier waren entsetzt, heißt es im Bericht der Veranstalter.

Nadelhölzer für die Möbelindustrie und der „klimafreundlichste Baustoff“ überhaupt werden fehlen, der Tourismus in vielen Gegenden Deutschlands wird zumindest vorübergehend massiv negativ beeinflusst werden und Kohlendioxid wird in enormen Mengen freigesetzt. Es wird zu Waldsperrungen, Bodenerosion und verstärkten Windgeschwindigkeiten kommen, die Temperaturen auf den Kahlflächen werden ansteigen. All das ist laut Wicke zu befürchten.

Am Ende des Vortrags waren sich der Referent und seine Zuhörer einig, dass die Gesellschaft besser informiert werden sollte und dass viel für den Erhalt des Waldes, zum Beispiel durch Verjüngung, mehr getan werden muss. Dabei sei auch die Politik gefordert. Für die Schaffung von Mischbeständen und eine Risikostreuung durch Vielfalt sei mehr Geld erforderlich.

Es müsse aber auch deutlich mehr Forschung im Bereich Wald und deutlich mehr Förster in der Fläche geben. „In ganz NRW gibt es nur 300 Förster und Försterinnen bei Wald und Holz NRW – davon arbeiten 240 in der Beratung der privaten und kommunalen Waldbesitzer und nur 60 im landeseigenen Wald. Der neu aufgelegte Waldfond und der Green Deal werden leider nur Tropfen auf den heißen Stein darstellen“, kritisierte Wicke.

Hermann Lammers, gebürtiger Ladberger und Waldbauer aus Brochterbeck, den die Grünen zu dieser Veranstaltung als ebenfalls kompetenten Fachmann eingeladen hatten, konnte zwar auch von großen Schäden in seinem Wald berichten, vertraut aber stärker auf die Selbstheilungskräfte der Natur. „Wir sollten den Wald mal machen lassen und schauen, was aus den toten Bäumen in Zukunft wird“, riet er zu mehr Gelassenheit.

Die Ladberger Grünen plädieren dafür, „dass weitere Rodungen zum Kalkabbau im Teutoburger Wald unterbleiben sollten und mit einer Mischung aus massiven Neupflanzungen und einer Urwald-Offensive versucht werden sollte, das Waldsterben möglichst zu reduzieren“.

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