Umfrage: Wie gehen Verkäufer und Kunden mit dem Coronavirus um?
Man kommt sich nicht so nah

Ladbergen/Lienen -

Wie gehen die Menschen mit dem Coronavirus um? Sind Hamsterkäufe angesagt? Die WN hat sich umgehört.

Sonntag, 15.03.2020, 17:27 Uhr aktualisiert: 16.03.2020, 18:04 Uhr
Auf dem Ladberger Wochenmarkt kamen Hamsterkäufe nicht in die Tasche.
Auf dem Ladberger Wochenmarkt kamen Hamsterkäufe nicht in die Tasche. Foto: Anne Reinker

Veranstaltungen werden abgesagt und Bürger über hygienische Maßnahmen aufgeklärt, öffentliche Einrichtungen wurden geschlossen und viele Regale in den Supermärkten sind leer: Das Coronavirus hält in Atem. Wie gehen Bürger und Händler mit der Situation um? Die WN haben sich einmal umgehört.

„Man macht sich Gedanken“, sagt Gisela Fischer. Dass Großveranstaltungen abgesagt werden, sei auf jeden Fall richtig. „Die Vorsichtsmaßnahmen halte ich für sinnvoll“, erklärt sie. Die Hände ausgiebig zu waschen, sei für sie schon immer selbstverständlich, zudem „habe ich ein gutes Immunsystem“, meint die Ladbergerin. Ein Grund mehr für sie, keine Panik zu entwickeln.

Schlimm, das die Leute jetzt so verrückt gemacht werden.

Käsehändler Herman Kempers

Recht entspannt beobachtet auch Helmut Ruck das Ganze. „Wir haben doch ständig mit Grippewellen zu tun“, erklärt der Kattenvenner, der aufgrund seines Alters zur Risikogruppe gehört. Schon in den vergangenen Jahren hätten Grippen viele Todesopfer gefordert. Als Homöopath gehe er von einer individuellen Disposition aus und lege den Fokus weniger auf das Virus, meinte Ruck. So müsse es gelten, den Menschen gesundheitlich stabiler zu machen, damit er weniger anfällig wird. Nichtsdestotrotz sieht er die Vorsichtsmaßnahmen als wichtig an. „Allein schon, um andere zu schützen“, erklärt Ruck.

Dass ganze Fußballstadien geschlossen wurden, hält er für übertrieben, „wenn sich die Leute dann immer noch zum Public Viewing treffen.“ Die ein oder andere nun durchgeführte oder geplante Maßnahme halte er für reinen Aktionismus.

Hygiene ist wichtig

Ähnlich sieht das auch Martina Berlemann. „Ich bin eher genervt von der Panikmache“, sagt sie. Die Hygienemaßnahmen seien natürlich wichtig und es störe schon sehr, wenn Mitbürger diese nicht umsetzen. Aber da sie nicht zur Risikogruppe gehöre, habe sie auch keine besonders große Angst vor einer Ansteckung. Hamsterkäufe? Kommen bei ihr nicht in die Tasche.

Diese sind bei Herman Kempers , der den Käsestand auf dem Ladberger Wochenmarkt betreibt, allenfalls beim Lakritz möglich. Auch wenn seine Kundschaft dementsprechend nicht anders einkauft als sonst, sieht der gebürtige Holländer die ganze Entwicklung kritisch. „Schlimm, dass die Leute jetzt so verrückt gemacht werden“, meint er, auch wenn das „insgesamt nun eine schwierige Situation für alle“ sei. „Ich denke, dass die Politik geschlafen hat, sie hätte schon die Karnevalsumzüge absagen müssen“, erklärt er seine Ansicht. Als unsinnig sieht er auch so manche Reaktion der Bürger. „Da heißt es, man solle sich von den Mitmenschen fernhalten und dann stehen die Leute in einer Schlange vor dem Discounter, um Desinfektionsmittel zu kaufen“, so Kempers. „Das passt doch nicht.“

Er als Marktbeschicker habe keine Befürchtung, dass der Wochenmarkt in Ladbergen geschlossen wird. „Das ist ja ein kleiner hier“, meint er. „Da kommt man sich nicht so nah.“

Nicht bei Herman Kempers, aber beim Lebensmittelhändler Meyer in Kattenvenne wurde schon ausgiebig „gehamstert“, wie Sabine Dawecke berichtet. „An erster Stelle steht dabei das Toilettenpapier“, so die Filialleiterin. Dem folgen Konserven und Fertiggerichte. „Wir bestellen regelmäßig nach“, erklärt sie. Vom Großhändler sei ihr versichert worden, dass es Nachschub geben wird. Dementsprechend müssten sich Kunden um ihre weitere Versorgung keine Gedanken machen.

Aufgefallen ist Dawecke die veränderte Verhaltensweise mancher Kunden. „Einige kommen mit Handschuhen zum Einkaufen“, sagt sie. Die Befürchtung sei wohl da, dass sich das Virus über den Griff am Einkaufswagen überträgt.

So streng sieht Sigrid Wallmann-Holdsch ihre eigenen Präventionsmaßnahmen nicht. Sie halte aber jetzt schon mehr auf Abstand zu den Mitmenschen. Aufgrund ihrer Arbeit in einer Klinik ist sie mit den Hygienemaßnahmen sehr vertraut. „Man achtet jetzt aber vielleicht noch ein wenig mehr darauf“, meint Wallmann-Holdsch. Wirkliche Angst vor einer Ansteckung habe sie nicht, „hamstern“ käme für sie also nicht in Frage. Aber sie sei gespannt und ein wenig in Sorge, wie das Ganze mit der Corona-Welle weitergehe.

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