Ladbergerin in Australien
Die Suche nach dem Rückflug

Ladbergen/Cairns -

Sophia Wellensiek ist auf der verzweifelten Suche nach einem Flug, um aus Australien die Heimreise antreten zu können.

Donnerstag, 26.03.2020, 20:56 Uhr aktualisiert: 29.03.2020, 16:00 Uhr

Das Abitur in der Tasche und raus in die weite Welt: Für viele junge Menschen ist das ein unvergessliches Erlebnis. In Zeiten des sich weltweit ausbreitenden Coronavirus kann ein solches Abenteuer schnell zur Tortur werden: Die Ladbergerin Sophia Wellensiek (18) und Janik Kuhlenbeck (19) aus Westerkappeln erleben genau dies. Sie sind auf der Suche nach einem Flug zurück in die Heimat.:

„Wir sind zurzeit sehr verzweifelt und wissen nicht, was wir machen sollen“, berichtet Sophia Wellensiek aus dem fernen Cairns an der Ostküste Australiens. „Direkt nachdem uns gesagt wurde, dass wir zurück nach Deutschland sollen, haben wir uns um einen Rückflug gekümmert“, erzählt Janik Kuhlenbeck. Per E-Mail-Kontakt mit dem deutschen Konsulat machten sich die beiden über die Situation schlau. Ein erster Versuch – ein Flug nach Frankfurt – scheiterte, weil der Flughafen in Abu Dhabi, wo ein Zwischenstopp geplant war, für zwei Wochen schließen musste. Das Geld für den Flug zurückzubekommen – ob über das Internet oder telefonisch – gestalte sich zurzeit schwierig, so Janik Wellensiek. Luftfahrtunternehmen von vor Ort seien zwar hilfsbereit, allerdings könne man die Flugnummer nicht zurückverfolgen: „In der jetzigen Situation sind viele ratlos.“

Wir sind zurzeit sehr verzweifelt und wissen nicht, was wir machen sollen.

Sophia Wellensiek

Zurück zum deutschen Konsulat. Dort stehen die beiden vor geschlossenen Türen. Im Telefonat wird nur darauf hingewiesen, dass sie sich einen neuen Flug besorgen sollten. Keine große Hilfe an dieser Stelle.

Stündlich schauen sie nach neuen Flügen. Janik Kuhlenbeck: „Die sind aber ziemlich teuer.“ Beispiel Quatar Airways: Stolze 5000 Euro für Flüge in den kommenden drei Wochen. Unsicherheit bei den Flugcentern und stündlich veränderte Bedingungen erschweren die Suche massiv. Und wenn einmal ein günstiger Flug gefunden wird, würden schlechte Internetverbindungen, überlastete Seiten und Fehlermeldungen einen Strich durch die Rechnung machen.

Kontakt zum Konsulat

Sie sind bei weitem nicht die einzigen, sagt Sophia Wellensiek: „Es gibt hier viele gestrandete Backpacker. Einige versuchen, in die Großstädte zu fliegen und dort ihr Glück zu probieren.“ Petitionen unter Backpackern – mit bis zu 5000 Unterschriften – seien ebenfalls bereits abgegeben worden. Die vielzitierte Rückholaktion der Bundesregierung sei hier keine große Hilfe. Auf der Homepage des Auswärtigen Amtes sind alle Länder gelistet. Es fehlt: Australien.

Backpacken – das war`s, was die beiden Abiturienten erleben wollten. Seit Mitte Januar sind sie im Land, berichten im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten von atemberaubender Natur, der vielfältigen Tierwelt und den „chilligen Menschen“ – Stress und Ernsthaftigkeit scheinen für Australier Fremdwörter zu sein. Das Verbot von Alkohol in der Öffentlichkeit, die Offenheit der Menschen oder das Tauchen im Great Barrier Reef – zahlreiche Eindrücke durften beide auf ihrer bisherigen Reise sammeln.

Zwei Monate – mit Startpunkt Sydney – durchs Land zu reisen, danach typischerweise auf einer der zahlreichen Farmen zu arbeiten und für einen Monat Land und Leute in Neuseeland kennenlernen – zum Abschluss sollte es auf verschiedene indonesische Inseln gehen. Der Rückflug war nach sechs Monaten für Mitte Juli geplant. Corona beendet den Traum vorzeitig.

Stichwort Corona: Wellensiek berichtet zwar davon, dass die Lage in Australien nicht so ernst wie in Deutschland sei (2423 Fälle, Stand: Mittwochnachmittag), sagt aber auch: „In den Großstädten ist schon alles geschlossen. So langsam kommt es auch im ländlichen Raum an.“

Restaurants bieten Essen nur zum Ausliefern. Kinos, Museen und Theater sind zu. Die Regale in den Supermärkten sind leer. Von 7 bis 8 Uhr in der Früh dürfen nur Senioren Einkaufen gehen, vor den Eingängen stehen Sicherheitsleute. Kuhlenbeck: „Wir wissen langsam nicht mehr, was wir uns zu essen kaufen sollen.“ Das Problem: Sie haben keine Arbeit: „Mit dem Geld haben wir natürlich gerechnet.“

Ein paar Geschäfte und einige Clubs haben nach wie vor geöffnet, berichtet Kuhlenbeck. Ein öffentliches Leben – Stand Mittwoch – finde vorerst noch statt. Bis alles schließen würde, sei aber nur eine Frage der Zeit.

Großes Problem: „Es wird davon ausgegangen, dass bald alle Hostels schließen werden. Dann haben wir keine Unterkunft mehr. Die Reisebüros schließen auch nach und nach.“ Die Suche nach dem passenden Flug wird nun weiter gehen.

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