Pfarrer Jörg Winkelströter ist regelmäßig mit den Menschen seiner früheren Wirkungsstätte in Kontakt
Voll Vertrauen auf Gott

Ladbergen/Basel -

Seit fast acht Jahren lebt der frühere Ladberger Pfarrer Jörg Winkelströter mit seiner Familie in Basel. Im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten erzählt er, wie die Covid-19-Pandemie das Leben in der Schweiz verändert, was ihm im Umgang mit der Gemeinde wichtig ist und wie sich das Leben für ihn, seine Frau und die Kinder in der neuen Heimat anfühlt.

Sonntag, 05.04.2020, 15:08 Uhr aktualisiert: 06.04.2020, 17:08 Uhr
Konrad, Angela, Jörg und Richard Winkelströter l(von links) eben seit acht Jahren in der Schweiz und haben sich in dem Land sehr gut eingelebt.
Konrad, Angela, Jörg und Richard Winkelströter l(von links) eben seit acht Jahren in der Schweiz und haben sich in dem Land sehr gut eingelebt. Foto: privat

Seit fast acht Jahren lebt der frühere Ladberger Pfarrer Jörg Winkelströter mit seiner Familie in Basel. Im Gespräch mit WN-Mitarbeiter Luca Pals erzählt er, wie Covid-19 das Leben in der Schweiz verändert, was ihm im Umgang mit der Gemeinde wichtig ist und wie er sich in seiner neuen Heimat fühlt.

 

Wie nehmen Sie die Situation rund um die Corona-Krise wahr? Was bereitet Ihnen Sorgen und was Hoffnung?

Winkelströter: Wir blicken bereits auf eine Entwicklung zurück. Bei den ersten Meldungen aus Wuhan wusste ich: Da kommt etwas auf uns zu. Wir haben die Erkrankten direkt in unser Gebet einbezogen. Als Corona bei uns ankam, schwankten die Gefühle zwischen Panik und Spöttelei. Mittlerweile haben die Menschen den Ernst der Lage erkannt und scheinen Alternativen und neue Formen der Kommunikation zu finden. Routine spielt sich ein. In der Gemeinde gibt es leider viele Menschen aus der Risikogruppe. Ich hoffe und bete, dass sie diese Krise gut überstehen. Aber ich bin voll Vertrauen auf Gott. In ihm fühle ich mich geborgen und bin gewiss, dass er stärker ist, als alles, was uns bedroht.

Welche Maßnahmen wurden in der Schweiz zur Eindämmung des Virus getroffen? Und wie gehen die Schweizer damit um?

Winkelströter: Durch die Nähe zu Italien war der Bundesrat schon früh alarmiert. Zuerst wurden Veranstaltungen mit über 1000 Menschen verboten. Sehr bitter war die Absage der Basler Fastnacht, die Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist. Kurz danach wurden die Schulen geschlossen, weitere Veranstaltungen verboten. Am 15. März konnten wir noch Gottesdienst feiern. Am Tag darauf wurden alle privaten und öffentlichen Veranstaltungen verboten. Wie in Deutschland haben Lebensmittelgeschäfte, Ärzte und Apotheken noch geöffnet, unter Hygieneregeln können Menschen weiterhin zur Arbeit gehen. Der Bundesrat stellt ein finanzielles Hilfspaket, dennoch wird der wirtschaftliche Schaden enorm sein. Die Maßnahmen gelten vorerst bis zum 19. April, die Menschen gehen – so beobachte ich es – sehr gut mit der Situation um.

Welche Aufgaben stehen für Sie als Pfarrer aktuell im Vordergrund? Welche Botschaft wollen Sie vermitteln und wie sieht der Kirchenalltag aus?

Winkelströter: Aktuell habe ich zwei Hauptaufgaben: Per E-Mail und Telefon nehme ich Kontakt zu den Gemeindemitgliedern auf, frage nach ihrem Ergehen und höre einfach nur zu. Außerdem bereite ich Gottesdienste vor und nehme sie in unserer Kapelle im Gemeindehaus auf. Sonntags und montags ist alles auf unserer Internetseite zu sehen. Auch zu den Feiertagen haben wir einiges geplant. Das nimmt zurzeit viel Zeit in Anspruch. Ein Wort für den Tag bereite ich ebenfalls vor. Außerdem können sich Mitglieder melden, die Hilfe etwa beim Einkaufen benötigen. Eine Beerdigung habe ich in der Krisenzeit auch schon gehabt: Im Freien am Grab, im engsten Familienkreis und mit den Abstandsregeln. Den Gemeindebrief vorbereiten oder Vorstandssitzungen per Live-Schaltung kommen dazu. Ich möchte, dass die Menschen wissen, dass Gott ihnen nah und der Geber des Lebens ist. Gott erhält das Leben, selbst wenn wir sterben. Das ist die Botschaft von Ostern, die gerade jetzt ihre Kraft entfaltet. Die Krise kann auch anregen, über uns selbst, unser Verhalten und Miteinander nachzudenken und daraus positive Impulse mitzunehmen.

Wie sieht der Familienalltag in der Corona-Zeit aus?

Winkelströter: Unsere Söhne Richard (14) und Konrad (fast 12) bekommen seit drei Wochen Schulaufgaben für zu Hause. Sie sind gut beschäftigt, die Stimmung ist recht entspannt. Da mein Büro direkt neben dem Wohnzimmer ist, sind wir es gewohnt, viel zu Hause zu sein. Außerdem schlafen die Buben morgens länger, helfen im Haushalt, und der Sozialstress fällt weg. Homeschooling hat auch etwas Positives. Für meine Frau Angela, die sich viel um die Kinder kümmert, ist es etwas anstrengender. Eine klare Struktur ist hilfreich. Außerdem gehen wir viel an der frischen Luft spazieren.

Abseits von Corona: Sie leben seit 2012 in Basel – wie geht es Ihnen nach acht Jahren?

Winkelströter: Der Zeitpunkt meines Wechsels damals war günstig. Unsere Kinder wurden in Basel eingeschult. Mit dem Stellenwechsel lernte ich ein neues Arbeitsfeld kennen. Das konnte ich mit der Stelle in einer Diaspora-Gemeinde. Sie ist in vielem nicht mit einer landeskirchlichen Gemeinde zu vergleichen.

Was verbinden Sie mit Ladbergen?

Winkelströter: Ich war sehr gerne dort, fühle mich immer noch sehr verbunden und informiere mich online über die Westfälischen Nachrichten über das lokale Geschehen. Ich fand aber auch, dass es für die Gemeinde und mich nicht gut wäre, mein gesamtes Berufsleben dort zu verbringen. Es braucht auf beiden Seiten immer einmal wieder neue Impulse. In der Regel sind wir einmal im Jahr in Ladbergen und bekommen auch regelmäßig Besuch. So wie zuletzt von Edwrin Kohnhorst, der uns ein Eiserkuchen-Eisen von Martha Weikert mitgebracht hat. Beim Eiserkuchen-Backen waren unsere Gedanken ganz in Ladbergen.

Jörg Winkelströter war von 2000 bis 2012 Pfarrer der evangelischen Kirche in Ladbergen. Jetzt ist er Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche Basel und Nordwestschweiz. Seit 2016 ist er außerdem Präsident der lutherischen Kirche in der Schweiz und im Fürstentum Lichtenstein.

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