Von einem kleinen Dorf in Norditalien in einen kleinen Ort in Westfalen
Zweite Heimat für Familie Casal

Ladbergen -

Vor 20 Jahren haben Monia und Roberto Casal ihre Eisdiele eröffnet. Seitdem ist Ladbergen ihre Zweite Heimat.

Freitag, 08.05.2020, 20:48 Uhr aktualisiert: 12.05.2020, 16:56 Uhr
Für Monia und Roberto Casal
Für Monia und Roberto Casal Foto: Dietlind Ellerich

Beide stammen aus „Eisfamilien“ eines kleinen Dorfes zwischen Cortina d‘Ampezzo und Venedig. Auch wenn Monia Casal im Jahr 1976 in Schleswig-Holstein geboren wurde und ihr heutiger Ehemann Roberto 18 Jahre später nach Deutschland kam, ist sich das Paar in dem 5000-Einwohner-Ort in Norditalien zum ersten Mal über den Weg gelaufen. Das war Ende 1998, und die damals 22-jährige Monia und der vier Jahre ältere Roberto machten schon bald „Nägel mit Köpfen“.

Als Paar, aber noch nicht verheiratet, machten sich die beiden mit ihrer Eisdiele in Ladbergen selbstständig. „Wir wollten etwas Eigenes haben“, beschreibt die Mutter von drei Söhnen, die vor wenigen Tagen 44 Jahre alt wurde, den Start im Heidedorf. Die Kontakte zu Verwandten in Lengerich machten es möglich, ein entfernter Cousin verkaufte ihnen die Räume an der Dorfstraße.

Frisch verliebt und hoch motiviert gingen sie ans Werk und gerieten am Tag der Eröffnung am 26. Februar 2000 erst einmal ins Straucheln. Einbrecher hatten in der Nacht zuvor die Räume verwüstet und vieles mitgehen lassen. „Gott sei Dank war das Eis für den Tag fertig“, erinnert sich das Paar gut 20 Jahre später an die beinahe gescheiterte Eröffnung.

Wir waren frisch verliebt und noch sehr jung, als wir unsere eigene Eisdiele in Ladbergen eröffnet haben.

Monia Casal

Erneut konnten Monia und Roberto Casal auf die Unterstützung der Verwandten zählen, die mit zahlreichen Geräten aushalf, so dass einen Tag später an der Dorfstraße die ersten Eiswaffeln über den Tresen gingen.

„Als mein Papa von dem Einbruch hörte, hat er gesagt, wir sollten lieber wieder nach Hause kommen“, sagt Monia Casal. Gut, dass sie es nicht getan haben, denn seit zwei Jahrzehnten läuft es rund in der Eisdiele Casal. Während der Saison von Ende Februar bis Ende Oktober ist das Paar im Einsatz, an sieben Tagen in der Woche, vom Vormittag bis zum späten Abend (inklusive Reinigung und Vorbereitung für den nächsten Tag).

„Man gehört dazu“, freuen sich die beiden, dass sie nicht nur jede Menge Stammgäste haben, sondern dass auch viele im Lauf der Jahre zu Freunden geworden sind. Selbst die Urlauber, die regelmäßig auf den Campingplätzen des Ortes zu Gast sind, kommen immer wieder gerne. Monia Casal, die als Servicekraft zwischen den Tischen auf dem Dorfplatz herumwirbelt, mag die Menschen. „Sie sind immer freundlich und geduldig, wir haben nur ganz selten Ärger“, freut sie sich über den guten Kontakt zu den Ladbergern und deren Gästen.

Besonders die Senioren, für die die Eisdiele ein Treffpunkt ist, liegen dem Paar am Herzen. „Sie fehlen uns im Winter in Italien, aber auch gerade jetzt“, machen Monia und Roberto Casal deutlich, dass sie sich den runden Geburtstag ihrer Eisdiele anders vorgestellt haben. Eine kleine Feier mit ihren Stammgästen hatten sie zu Beginn der Saison geplant. Dass sie die Eisdiele nach wenigen Öffnungstagen schon wieder schließen mussten, hat sie mit Blick auf die Nachrichten aus Italien aber nicht wirklich überrascht.

Statt zu feiern, mussten sie den Außer-Haus-Verkauf ab dem 24. April organisieren. Plexiglasscheiben an der Theke zum Schutz vor Infektionen anbringen, Schilder drucken, die darauf hinweisen, dass die Eisdiele durch die eine Tür zu betreten und durch die andere zu verlassen ist, dass das gekaufte Eis erst mit 50 Meter Abstand genossen werden darf, dass Wartende zwei Meter Abstand untereinander halten müssen. Markierungen auf dem Boden anbringen und vieles mehr haben sie eingefädelt, um die Auflagen der Behörden zu erfüllen.

Guten Mutes sind sie trotz aller Widrigkeiten. Und für sie ist in Corona-Zeiten auch nicht alles schlecht. Ihre Jungs, die in Italien zur Schule gehen, können wegen der Zwangsferien die Eltern in Ladbergen besuchen. Abends macht es sich das Quintett oft mit einem Berg Eiskugeln auf dem Sofa gemütlich und genießt das Mehr an Familienzeit.

 

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