Gericht setzt Puzzleteile zusammen
Freispruch für Brandstiftung, Schuldspruch für Diebstahl

Ladbergen/Ibbenbüren -

Statt eines schnellen guten Geschäfts mit dem Verkauf hochwertiger Fahrzeugteile gab es einen Brand mit einem Schaden von rund zwei Millionen Euro. Vier Jahre später verurteilte das Jugendschöffengericht Ibbenbüren zwei Männer wegen Diebstahls zu Geldstrafe. Vom Vorwurf der Brandstiftung sprach es sie frei.

Dienstag, 12.05.2020, 18:48 Uhr aktualisiert: 12.05.2020, 19:26 Uhr
Bei dem Brand einer Lagerhalle in Saerbeck war im Januar 2016 ein Schaden von rund zwei Millionen Euro entstanden.
Bei dem Brand einer Lagerhalle in Saerbeck war im Januar 2016 ein Schaden von rund zwei Millionen Euro entstanden. Foto: Alfred Riese

Wegen gemeinschaftlichen Diebstahls hat das Jugendschöffengericht Ibbenbüren zwei Brüder aus Ladbergen und Steinfurt zu Geldstrafen verurteilt. Es sah es als erwiesen an, dass der heute 25-Jährige und sein zwei Jahre jüngerer Bruder im Januar 2016 einen VW Touareg in Brandenburg stehlen ließen, um ihn auszuschlachten und dessen Teile, insbesondere ein teures Luftfahrwerk, zu verkaufen.

Vom Vorwurf der Brandstiftung hingegen sprach das Gericht die beiden jungen Männer nach einer mehrstündigen Hauptverhandlung frei. Die Staatsanwaltschaft hatte sie der Mittäterschaft an einem Großbrand der Lagerhalle eines Autohauses in Saerbeck angeklagt, bei dem wenige Tage nach dem Autodiebstahl ein Schaden von rund zwei Millionen Euro entstanden war ( WN berichteten ).

Unfall auf dem Weg nach Emsdetten

Als Hauptbelastungszeuge war am Montag ein 38-Jähriger geladen, der im November 2018 vom Landgericht Münster wegen der Brandstiftung zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden war und in Handschellen vorgeführt wurde.

Während die Angeklagten sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußerten, schilderte der Zeuge detailliert, dass die Brüder vor mehr als vier Jahren den Touareg bei ihm „bestellt“ hätten, um Teile wie das Fahrwerk an Bekannte zu verkaufen.

Der heute 38-Jährige fuhr nach Brandenburg, um den Touareg Probe zu fahren. Statt ihn an den Verkäufer zurückzugeben, machte er sich damit auf den Weg nach Westfalen. Das Geschäft scheiterte an einem Unfall, den er auf dem Weg zu den Brüdern in Emsdetten verursachte. Bevor die Polizei eintraf, ließ er den inzwischen fahruntüchtigen Wagen in der Nähe der Unfallstelle stehen und flüchtete.

Um das Fahrzeug, das mit einer gebrochenen Spurstange in die Lagerhalle des Saerbecker Autohauses abgeschleppt worden war, zu reparieren oder wenigstens an die Teile zu kommen, seien die Drei dort eingebrochen, so behauptete der Zeuge am Montag. In zwei Kisten in dem Auto befand sich zudem noch der Hausstand des damals Wohnungslosen, der sich in der Hauptverhandlung mehrfach als Berufskrimineller bezeichnete.

Restzweifel bleiben

Den Brand will er mit Unterstützung der Brüder gelegt haben, um Spuren zu verwischen. „Es war nie der Plan, dass die ganze Halle niederbrennt“, sagte er. „Warum soll ich das alleine absitzen, wenn ich durch deren Doofheit aufgeflogen bin“, begründete er die Geschichte von den beiden Mittätern, die nicht so unschuldig seien, wie sie aussähen.

Die Angeklagten zeigten sich nach der Vernehmung des Hauptbelastungszeugen und der folgenden Absprache von Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung gesprächsbereit und räumten über ihre Verteidiger die Beauftragung des Fahrzeugdiebstahls ein, bestritten jedoch, etwas mit der Brandstiftung zu tun zu haben. In dem Glauben, er wolle seine Kisten aus dem für sie nun wertlosen Auto holen, hätten sie lediglich den 38-Jährigen nach Saerbeck gefahren.

Der Oberstaatsanwalt sah zwar keine Belastungstendenz in der Aussage des Zeugen, dieser habe sich vielmehr selbst erheblich belastet, sagte er. Da aber Restzweifel blieben, sprach er sich für einen Freispruch für den Hauptvorwurf der Beteiligung an der Brandstiftung aus.

Widersprüchliche Aussagen

Für den Diebstahl forderte er eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 20 Euro für den 25-Jährigen, für den jüngeren Bruder, der zur Tatzeit noch Heranwachsender war, eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht und die Zahlung einer Geldbuße von 1000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung. Die Verteidiger schlossen sich den Ausführungen weitgehend an.

Viele Puzzleteile in den widersprüchlichen Aussagen passten, Zweifel blieben aber, weil keiner außer den Beteiligten wisse, wie es wirklich gewesen sei, machte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung das Dilemma das Gerichts deutlich. „Der Zeuge muss nicht gelogen haben“, stellte er klar.

Da alle Beteiligten auf die Einlegung von Rechtsmitteln verzichteten, ist das Urteil rechtskräftig.

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