Abschiedsgottesdienst für Ingo Göldner / Superintendent entpflichtet auch Susanne Nickel
„Er geht mit Stil und ohne Groll“

Ladbergen/Lienen -

Pfarrer Ingo Göldner hat seinen Dienst in der Ladberger Kirchengemeinde beendet. Er tritt eine neue Stelle im Kirchenkreis Gütersloh an. Am Pfingstsonntag verabschiedeten sich Gläubige, Mitstreiter und Superintendent André Ost in einem Gottesdienst von ihm.

Dienstag, 02.06.2020, 11:42 Uhr
Pfarrer Ingo Göldner (2. von links) verlässt die Kirchengemeinde Ladbergen und den Kirchenkreis Tecklenburg. Im Pfingstsonntagsgottesdienst verabschiedeten ihn mit vielen Gläubigen sein Dienstherr Superintendent André Ost (links), seine Kollegin Pfarrerin Dörthe Philipps und Martin Oelrich, Vorsitzender des Presbyteriums.
Pfarrer Ingo Göldner (2. von links) verlässt die Kirchengemeinde Ladbergen und den Kirchenkreis Tecklenburg. Im Pfingstsonntagsgottesdienst verabschiedeten ihn mit vielen Gläubigen sein Dienstherr Superintendent André Ost (links), seine Kollegin Pfarrerin Dörthe Philipps und Martin Oelrich, Vorsitzender des Presbyteriums. Foto: Dietlind Ellerich

Mit etwas mehr auf Abstand, als es den Gläubigen und den Vertretern des Leitungsgremiums lieb gewesen wäre, hat sich die evangelische Kirchengemeinde am Pfingstsonntag von Pfarrer Ingo Göldner verabschiedet. Der 50-Jährige verlässt den Kirchenkreis Tecklenburg, um im Kirchenkreis Gütersloh eine neue Stelle anzutreten (die WN berichteten).

So stimmungsvoll, wie es in Corona-Zeiten möglich ist, feierten die Weggefährten aus den vergangenen siebeneinhalb Jahren den letzten Gottesdienst mit dem Geistlichen. Eine Abordnung des Posaunenchors begrüßte die Gäste vor der Kirche. In großer Runde und mit viel Abstand gaben die Frauen und Männer Göldner im Anschluss Glück und Segen mit auf seinen Weg und spannten eine Leine mit vielen persönlichen Grußkarten, unter der der Pastor die Kirche verließ.

Als Dienstherr der Pfarrer im Kirchenkreis ließ es sich Superintendent André Ost nicht nehmen, Göldners Zeit in Ladbergen Revue passieren zu lassen. Er erinnerte an die Doppeleinführung von Göldner und dessen Kollegin Dörthe Philipps in der Adventszeit 2012 und an die Hoffnungen und Erwartungen, die auf den beiden neuen Pastoren ruhten. „Vielfalt als Chance“ habe die Wochenzeitung „Unsere Kirche“ damals getitelt, sagte Ost am Sonntag.

Göldners Erwartungen hätten sich nicht erfüllt, und wenn Versuche der Verbesserung und Versöhnung schwierig würden, brauche es Lösungen. Die habe der scheidende Pfarrer nun gefunden. „Er geht mit Stil und ohne Groll, aufrecht und selbstbestimmt“, fasste Ost zusammen.

Ingo Göldner hatte sich zu konkreten Gründen bedeckt gehalten. Viele Ladberger habe die Nachricht vom Weggang ihres Gemeindepfarrers überrascht und traurig gemacht, stellte der Presbyteriumsvorsitzende Martin Oelrich zu Beginn des Gottesdienstes fest.

In der Predigt an seinem letzten Arbeitstag in Ladbergen zog Göldner Parallelen zwischen dem Pfingst-Evangelium nach Lukas und der aktuellen Corona-Lage. Er sprach von den Jüngern, die sich nach Jesu Kreuzigung und Auferstehung in Quarantäne begeben und sich voller Angst gefragt hätten, wie es weitergehen würde. Und er erinnerte an die Wunder, die sie hinter verschlossenen Türen erlebten.

„Sie hörten sich in ihren eigenen Sprachen sprechen und konnten sich verstehen“, fuhr er fort und machte deutlich, wie wichtig es sei, miteinander zu reden, auch wenn man nicht die gleiche Sprache spreche. „Nur so können wir uns miteinander verständigen“, erinnerte er sich an die Dolmetscherkabinen im Brüsseler EU-Plenarsaal, von denen er als junger Pfarrer auf Fortbildungen völlig fasziniert gewesen sei.

Nicht nur den Ladberger Pfarrer Ingo Göldner entpflichtete Superintendent André Ost am Pfingstsonntag. An Göldners Seite stand Pfarrerin Susanne Nickel, die ihren letzten offiziellen Arbeitstag in der Lienener Kirchengemeinde hatte. Zu einer Verabschiedung sah sich das Presbyterium dort wegen der aktuellen Situation ohne Präsenzgottesdienste (die WN berichteten) nicht in der Lage.

Die Ladberger Kirchengemeinde sprang kurzfristig ein. Die Aktion war so spontan, dass nicht nur Dienstherr André Ost, sondern auch Nickel selbst davon sichtlich überrascht war. Sie hatte ihrem Kollegen Göldner lediglich eine Abschiedskarte überbringen wollen – und war überzeugt worden zu bleiben.

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