Vor der Erschließung haben die Archäologen das Sagen
Funde aus vorrömischer Zeit

Ladbergen -

Ob er im Baugebiet „Schulten Kamp“ Reste des Haupthauses eines Gehöftes finden wird, weiß Michael Esmyol, Grabungsleiter der LWL-Archäologie für Westfalen in Münster, noch nicht. Sicher ist er aber, dass in der vorrömischen Eisenzeit dort eins gestanden hat.

Freitag, 12.06.2020, 17:34 Uhr aktualisiert: 15.06.2020, 15:12 Uhr
Grabungstechniker
Grabungstechniker Foto: Dietlind Ellerich

 

Ursprünglich hatten die Archäologen Funde aus dem Mittelalter erwartet. „Damals hat hier eine Kirche gestanden“, weiß der Grabungstechniker. Bei Suchschnitten seien aber Keramik und Pfostenverfärbungen gefunden worden, die darauf hindeuteten, dass noch viel früher, nämlich vor mehr als 2000 Jahren, dort Häuser gestanden hatten.

Bevor die Gemeinde Ladbergen mit der Erschließung des Baugebietes beginnen kann, haben die Archäologen das Sagen. Mit Studierenden und Praktikanten ist Esmyol auf dem Areal unterwegs, baggert und gräbt, sichtet und findet unter anderem Verfärbungen. Solche von Regenwürmern, Mäusen oder Maulwürfen, aber auch solche, die von Menschenhand herrühren. Ob sie von Pfosten stammen, die die Menschen für ihre Häuser in den Boden gerammt haben, bleibt abzuwarten.

Sicher ist aber, dass die große Scherbe einer Keramik, die Esmyol und sein Team gefunden haben, zu einem Gefäß gehört, das einen Durchmesser von 70 Zentimetern hatte. „Hier oben wurde es geglättet, nach unten wird es rauer, und auch die Fingertupfenränder sind typisch für die vorrömische Zeit“, erklärt Esmyol.

Viele unterschiedlich große Scherben von mehreren Gefäßen sind sorgfältig in Kartons verpackt und warten darauf, ausgewertet zu werden.

Zwei bis drei Monate werden die Grabungen auf dem „Schulten Kamp“ voraussichtlich dauern. In Abstimmung mit Tim Lutterbei, Leiter des Ladberger Bauamts, arbeitet das Team zunächst dort, wo die Erschließungsstraße des zukünftigen Baugebiets verlaufen soll. „Sobald die Archäologen hier fertig sind, können wir mit der Straße beginnen“, hofft Lutterbei, dass es bald losgehen kann. Die zukünftigen Grundstücksflächen nimmt sich das LWL-Team dann im Anschluss vor.

Auf dem Gelände entstehen 17 Baugrundstücke, die meisten für Ein- und Zweifamilienhäuser. Das Bauland ist begehrt, die Warteliste lang. Lediglich ein Viertel der Bewerber werde am Ende wohl den Zuschlag bekommen, vermutet der Bauamtsleiter. Wenn es noch im Sommer mit dem Bau der Straße etwas werde, könnte es mit der Vergabe der Grundstücke noch in diesem Jahr klappen, so Lutterbei.

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