Gemeindehaushalte leiden unter den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie
Corona verhagelt die Bilanz

Ladbergen/Lienen -

Papier ist geduldig, besagt jedenfalls ein altes Sprichwort. Und im Fall der beschlossenen Haushaltssatzungen für das laufende Jahr dürfte das auch zutreffen. Schuld ist vor allem die Corona-Krise. Das betrifft weniger die Ausgaben-, sondern viel mehr die Einnahmeseite.

Montag, 22.06.2020, 19:14 Uhr
Die Gemeinden trifft das Virus hart: Es reißt Löcher in die eh schon strapazierten Haushalte.
Die Gemeinden trifft das Virus hart: Es reißt Löcher in die eh schon strapazierten Haushalte. Foto: Jürgen Christ

„Bei den Ausgaben sind das vielleicht zwischen 10 000 und 15 000 Euro für Desinfektionsmitte und ähnliches“, erläutert Ladbergens Kämmerer Eckhard Schröer auf Anfrage der WN . Geht es um die Einnahmen, stehen ganz andere Summen im Raum. Allen voran bei der Gewerbesteuer sieht Schröer ein großes Loch auf die Kommune zukommen: „Geplant hatten wir mit 3,8 Millionen Euro, zwischendurch sah es schon nach über vier Millionen Euro aus. Corona-bedingt werden wir, Stand jetzt, wohl 800 000 Euro verlieren und bei 3,25 Millionen Euro landen.“ Unsicher ist Schröer, was tatsächlich vom geplanten Anteil an der Einkommensteuer in Höhe von 3,26 Millionen Euro ankommt. Er rechnet mit einem Minus von mindestens zehn Prozent. Auch beim Umsatzsteuer-Anteil kalkuliert er Mindereinnahmen. Geplant war für dieses Jahr eine schwarze Null. Aktuell rechnet Schröer grob geschätzt mit einem Minus zwischen 500 000 und einer Million Euro.

In Lienen wird die Corona-Krise ebenfalls sichtbare Spuren im Haushalt hinterlassen. Das hatte Bürgermeister Arne Strietelmeier in der Sitzung der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses angekündigt, ohne allerdings auf Details bezüglich der Einnahmeseite einzugehen. Dass das zum jetzigen Zeitpunkt auch kaum möglich ist, bestätigte Kämmerer Daniel Püttcher gestern auf Anfrage der WN.

Seine Prognose: „Bei der Gewerbesteuer ist aktuell davon auszugehen, dass nach derzeitigem Stand Erträge von rund 1,9 Mio Euro realisiert werden könnten. Gegenüber dem Ansatz von 2,4 Mio Euro würde der Planwert um mindestens 500 000 Euro unterschritten.“ Mit Blick auf die vergangenen Jahre und bei Betrachtung der aktuellen Situation dürften die Erträge aus der Gewerbesteuer zwischen 1,3 und 1,9 Millionen Euro liegen, schraubt der Kämmerer die Erwartungen noch etwas weiter nach unten. Weniger Bauchschmerzen hat er beim Anteil an der Einkommensteuer: „Lienen ist besonders vom Handwerk geprägt. Und da sind die Auftragsbücher noch voll.“

Was die Ausgaben im direkten Zusammenhang mit der Pandemie betrifft, so schlügen diese bislang mit 8000 Euro zu Buche. Es stünden aber noch weitere Ausgaben an. Nicht miteingerechnet sei der Mehraufwand beim Personal, den die Verwaltung wegen Corona zu schultern hat.

Da die Corona-Krise aber noch nicht überstanden ist, seien die genannten Werte „höchst spekulativ“. Eine Prognose, wie hoch das Defizit am Jahresende tatsächlich ausfallen könnte, will Püttcher deshalb nicht abgeben.

In einem Punkt hat sein Kollege aus Ladbergen jedoch Hoffnung auf Linderung: „Es gibt ja die Zusage, dass Bund und Länder den Kommunen die wegen Corona entgangene Gewerbesteuer erstatten wollen. Ich weiß zwar nicht, wie die das berechnen wollen. Aber die Zusage haben wir.“

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