Landwirte wünschen sich mehr Aufklärung und frühzeitiges Mähen
Hochgiftige, gelbe Farbenpracht

Ladbergen -

Das hochgiftige Jakobskreuzkraut breitet sich immer mehr an Straßenrändern aus. Biolandwirte machen sich Sorgen.

Mittwoch, 01.07.2020, 20:52 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 16:56 Uhr
Von der Waldschänke Kipp in der Erpenbecker Siedlung ist diese Pferdeweide zu sehen. Darauf wächst unter anderem das gelb blühende, giftige Jakobskreuzkraut.
Von der Waldschänke Kipp in der Erpenbecker Siedlung ist diese Pferdeweide zu sehen. Darauf wächst unter anderem das gelb blühende, giftige Jakobskreuzkraut. Foto: Dietlind Ellerich

Was auf einer Wiese in der Erpenbecker Siedlung bei flüchtigem Hinschauen wie Raps aussieht, ist hochgiftiges Jakobskreuzkraut. Monika und Reinhard Fiegenbaum, Biolandwirte aus Ladbergen, sind alarmiert. Sie wissen, dass das Gift ab einer bestimmten Dosis für Tiere tödlich ist, und sie fragen sich, warum die Pflanze, die sich zunehmend auch an Straßenrändern ausbreitet, nicht bekämpft wird. „Warum wird da so spät gemäht“, fragt sich Monika Fiegenbaum.

Die Nebenerwerbslandwirtin hat die Erfahrung gemacht, dass sich das Jakobskreuzkraut schnell aussät. Erst vor zwei Wochen hat sie im eigenen Garten ein Exemplar entdeckt. Mit Handschuhen habe sie die Pflanze ausgegraben und im Restmüll entsorgt. „Jakobskreuzkraut gehört weder in den Biomüll noch in den Kompost“, stellt sie klar.

Zwar machen Tiere auf der Wiese einen großen Bogen um die Pflanze. „Sie merken wohl, dass sie nicht gut für sie ist“, vermutet das Ehepaar Fiegenbaum. Dieser natürliche Instinkt funktioniere allerdings nicht, wenn die Wiese gemäht und zu Heu oder Sillage verarbeitet ist.

„Wenn die Tiere davon gefressen haben, verenden sie qualvoll“, wissen die Landwirte, dass sich das Gift in der Leber ablagert und diese nach und nach zersetzt.

Eine Pflanze beinhaltet bis zu 25 000 Samen, die bis zu 20 Jahre lang keimfähig bleiben.

Reinhard Fiegenbaum

Für das Paar bleiben Fragen offen. So werde Imkern geraten, Bienenstöcke nicht in der Nähe der Weiden aufzustellen, auf denen Jakobskreuzkraut wächst. Auch Sorge um die eigenen Tiere treibt sie um.

Monika Fiegenbaum überlegt, wie sie eine Ausbreitung des Jakobskreuzkrauts auf den Flächen verhindern kann. Das Paar befürchtet, dass Lohnunternehmer, die zuvor mit ihren Maschinen auf Weiden mit giftigen Pflanzen gearbeitet haben, später auf den Feldern der Familie unterwegs sind. „Eine Komplettreinigung der Maschinen ist nur vorgeschrieben, wenn sie zuvor auf gentechnisch veränderten Feldern im Einsatz waren“, beschreibt Reinhard Fiegenbaum das Problem.

„Eine Pflanze beinhaltet bis zu 25 000 Samen, die bis zu 20 Jahre lang keimfähig bleiben“, fährt er fort.

Umso mehr stellt sich für das Paar die Frage, warum dem Jakobskreuzkraut und anderen giftigen Pflanzen nicht frühzeitig der Garaus gemacht wird. Es befürchtet, dass die Gewächse irgendwann nicht mehr bekämpfbar sind. „Später wird es ganz schwierig, sie wieder aus dem Boden zu bekommen“, sind die Landwirte überzeugt.

Monika und Reiinhard Fiegenbaum wünschen sich vor allem mehr Aufklärung, damit die Menschen mit offenen Augen durch die Natur gehen und auf giftige Pflanzen auf Feldern und Weiden sowie an Straßenrändern aufmerksam werden-

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