1870 ziehen junge Ladberger in den Krieg
Sauerkraut ist der Namensgeber

Ladbergen -

Es war heute vor 150 Jahren, da zogen junge Ladberger in den Krieg. Jahre später wird ihnen ein Denkmal gesetzt.

Montag, 20.07.2020, 19:40 Uhr aktualisiert: 21.07.2020, 16:08 Uhr
Sauerkraut-Denkmal, unter diesem Begriff ist dieser Gedenkstein bekannt.
Sauerkraut-Denkmal, unter diesem Begriff ist dieser Gedenkstein bekannt. Foto: Michael Baar

Sonnenstrahlen brechen durch die Zweige der Bäume. Zwei Bänke laden zum Verweilen ein. Zwischen ihnen steht – unverkennbar – ein Denkmal. „Gott mit uns, 21. Juli 1870 morgens 3 Uhr“ ist auf einer Steinplatte zu lesen. Dem uneingeweihten Betrachter geben die vielen kleinen Steine Rätsel auf, aus denen das Ehrenmal zusammengesetzt ist.

„Das ist das Sauerkraut-Denkmal“, schmunzelt Heinz Lagemann . Der Heimatfreund hat schnell erklärt, wie diese Stätte ihren ungewöhnlichen Namen erhalten hat. Am besagten 21. Juli vor 150 Jahren wurden dort die ersten Ladberger Männer verabschiedet, die zum Krieg gegen Frankreich eingezogen worden waren. Hingebracht wurden die angehenden Rekruten vom Bierverlegen Wilhelm Lutterbeck , „Beerwülm“ genannt, mit einem Leiterwagen. Mitgefahren war Pastor Julius Kriege. Er hielt eine kurze Andacht, dann machten sich die jungen Männer zu Fuß auf den Weg zur Garnison in Warendorf.

Insgesamt 82 junge Ladberger wurden zum Deutsch-Französischen Krieg eingezogen, heißt es in einem Buch des Heimatvereins. Zwei von ihnen sahen die Heimat nie wieder. Gut ein Jahr später war der Krieg vorbei, im Ort gründete sich ein Kriegerverein, 1873 wurde an der evangelischen Kirche ein Ehrenmal errichtet.

Das Denkmal hat sofort seinen Namen weg.

Die Stelle auf dem Moor, wo die jungen Männer verabschiedet worden waren, geriet in Vergessenheit. „Das änderte sich, nachdem der Kaiser 1907 durch Ladbergen gefahren war“, erzählt Heinz Lagemann. In der Begeisterung für Kaiser und Vaterland wurde beschlossen, an dieser historischen Stelle ein Denkmal zu errichten. Benutzt wurden dazu Steine, die für das Beschweren der Deckel von Sauerkraut-Fässern verwendet wurden. Der konservierte Weißkohl wurde in den Tonnen gelagert. „Oben drauf kam ein Deckel, auf den Steine. So blieb der Behälter verschlossen und die Leute konnten den ganzen Winter über Sauerkraut essen“, erläutert der Vorsitzende des Heimatvereins. 1910 wird das Ehrenmal eingeweiht und hat sofort seinen Namen weg: Sauerkraut-Denkmal.

54 Jahre später wird der Gedenkstein um wenige Meter versetzt. „Es stand direkt an der Grenze der damaligen Kreise Tecklenburg und Warendorf, war aber dann im Weg“, erinnert sich der Ladberger. Mit Genehmigung des Grundbesitzers Freiherr von Beverförde wird der Stein etwa vier Meter versetzt und erhält ein neues Fundament. Heinz Lagemann hat damals schon mit angepackt.

Dass sich diese Stelle so gepflegt präsentiert, liegt an einer Gruppe von Heimatfreunden, die auf dem Moor wohnen. „Das ist toll“, freut sich der Vorsitzende. Heute Abend soll auf die Verabschiedung der jungen Ladberger vor 150 Jahren angestoßen werden.

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