„Geburtsstunde“ schlägt bei Familie Gravemeier
Erste Schüsse mit Pfeil und Bogen

Ladbergen -

Mit Pfeil und Bogen sollte vor 100 Jahren der erste König des Schützenvereins Hölter ermittelt werden. Letztlich wurde dann doch zu einem alten Gewehr gegriffen. Das Jubiläum sollte groß gefeiert werden. SARS-CoV-2 hat den Schützen einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht.

Freitag, 24.07.2020, 06:35 Uhr aktualisiert: 24.07.2020, 14:42 Uhr
Heinrich und Paula Bettler sind 1928 das Königspaar in Hölter. Erster Schützenkönig war Wilhelm Rehkopf (rundes Bild).
Heinrich und Paula Bettler sind 1928 das Königspaar in Hölter. Erster Schützenkönig war Wilhelm Rehkopf (rundes Bild). Foto: Schützenverein

Der Schützenverein Ladbergen-Hölter ist vor 100 Jahren gegründet worden. Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass alle für das Jubiläumsjahr geplanten Veranstaltungen abgesagt werden mussten. In einer Serie geben die Westfälischen Nachrichten , in Zusammenarbeit mit dem Verein, Einblick in die vergangenen 100 Jahre.

Die Familie Gravemeier – im späteren „Heideblümchen“ – war Gastgeber für die Versammlung, auf der durch Zuruf die Mitglieder für den Vorstand des zu gründenden Schützenvereins Hölter vorgeschlagen wurden. Das war am 9. Juli 1920. Bereits am 1. August wurde das Gründungsfest gefeiert. In der Zwischenzeit waren die Statuten ausgearbeitet worden, die Ortspolizeibehörde hatte ihre Genehmigung für die Gründung des Schützenvereins erteilt.

Das erste Schützenfest stieg am 2. Juni 1921. Der Verein zählte da schon 100 Mitglieder, beim Gründungsfest waren es 60 gewesen. Fürs Fest wurden Fahne und Schärpen vom Schützenverein Ladbergen-Dorf ausgeliehen, dessen Vereinsleben damals ruhte.

Eine Schützenscheibe war ebenfalls organisiert worden, bereitete aber unerwartete „Probleme“: Geschossen wurde mit Pfeil und Bogen, doch die Scheibe wurde nicht durchlöchert. Das sollte aber der Fall sein und so wurde die Schützenscheibe kurzerhand in den Straßengraben gestellt und von einem Dachboden aus mit einem Gewehr – einem Relikt aus dem Krieg 1870/1871 – unter Feuer genommen. Das gab endlich Löcher und auch den ersten Schützenkönig: Wilhelm Rehkopf .

Im Jahr darauf wurden Vereinsfahne und Schützenkette angeschafft. Letztere zum Preis von 1491 Mark bei Hakmann im Dorf. Es war „das Beste, was zu bekommen war“, heißt es in der Chronik. Um ein Loch in der Vereinskasse zu verhindern, wurde eine Sammlung durchgeführt. 575 Mark kamen zusammen, plus 100 Mark von Hermann Erpenbeck .

Beim Schützenfest am 16 Juli 1922 wurde zum ersten Mal die Vereinsfahne vom Haus Erpenbeck ausgeholt. Diese Tradition wird bis heute gepflegt. Beim Umzug marschierte Schützenkönig Gustav Feldwisch, mit der neuen Kette geschmückt, vorneweg.

Ein Jahr später zeigten sich die ersten Anzeichen der Inflation. Das Preisschießen im Mai verursachte Kosten von rund 210 000 Mark. Das wenige Wochen später gefeierte Schützenfest schlug mit 943 000 Mark zu Buche. Nach dessen Abrechnung waren noch 5463 Mark in der Kasse, die in Freibier umgesetzt wurden. Kassierer Eduard Lagemann schrieb danach ins Kassenbuch: „Durch den Valutasturz und die ungeregelten Verhältnisse hat die Kasse derartig gelitten, sodass kein Guthaben, aber auch keine Schulden zu verzeichnen sind.“

Der erste Vorstand

1. Vorsitzender Wilhelm Stienecker, 2. Vorsitzender Heinrich Wierwille (gen. Wiethoff), 1. Schriftführer Ernst Beinecke, 2. Schriftführer Karl Beinecke, 1. Beisitzer Friedrich Quiller, 2. Beisitzer Gustav Gravemeier, 3. Beisitzer Karl Hölscher, 4. Beisitzer Friedrich Haverkamp, 5. Beisitzer Wilhelm Rehkopf.

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Doch die Hölteraner wussten nicht nur zu feiern. Ebenfalls 1923 wurde ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs errichtet. Der Kostenvoranschlag des Ladberger Bildhauers Fiedler belief sich auf 4,5 Millionen Mark. Es war die Zeit der Hyperinflation. Bei einer Geldsammlung in der Bauerschaft stellte sich schnell heraus, dass das Denkmal auf diesem Weg nicht zu finanzieren sei. Also griff man auf die sogenannte Roggenwährung zurück. Karl Hölscher sorgte wesentlich dafür, dass die entsprechenden Kontingente an Roggen herbeigeschafft und dann an die Sammlung erinnert wurde. Mit Erfolg: Zum Schützenfest 1924 stand das Denkmal, an dem ein Kranz niedergelegt wurde.

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