Interview mit den Bürgermeisterkandidaten – Thema heute: Ehrenamt und Bürgersinn
Engagiert für und in Ladbergen

Ladbergen -

Im fünften und letzten Teil unserer Interview-Serie vor der Kommunalwahl antworten die Bürgermeisterkandidaten Torsten Buller und Thomas Kötterheinrich auf die Fragen, ob eine Gesellschaft ohne Ehrenamtliche funktionieren kann, wie sie die Ladberger im Wahlkampf erlebt haben und mit wem sie am 13. September den Abend verbringen.

Donnerstag, 03.09.2020, 07:00 Uhr
Ohne Ehrenamtliche geht es nicht. So haben sich während der Corona-Pandemie Landfrauen gemeinsam mit den Freiwilligen von „Nu män tou!“ an die Nähmaschinen gesetzt, Seniorenzentrum. Kitas und Schule mit Mund-Nase-Schutzmasken auszustatten. Die Stärkung des Ehrenamts haben sich Torsten Buller (links) und Thomas Kötterheinrich (rechts) zum Ziel gesetzt.
Ohne Ehrenamtliche geht es nicht. So haben sich während der Corona-Pandemie Landfrauen gemeinsam mit den Freiwilligen von „Nu män tou!“ an die Nähmaschinen gesetzt, Seniorenzentrum. Kitas und Schule mit Mund-Nase-Schutzmasken auszustatten. Die Stärkung des Ehrenamts haben sich Torsten Buller (links) und Thomas Kötterheinrich (rechts) zum Ziel gesetzt. Foto: privat

Wie sieht ein liebens- und lebenswertes Ladbergen für Junge und Alte, für Menschen mit Behinderungen und mit Migrationshintergrund aus?

Buller : Ein liebens- und lebenswertes Ladbergen ist für mich ein Ort, eine Gemeinschaft mit hoher Lebensqualität, in der sich die Bürger und Bürgerinnen wohlfühlen und ihren Beitrag zum Gelingen gerne einbringen, um die Bereicherung des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu ermöglichen. Es ist barrierefrei, weltoffen und es gibt eine Generationengerechtigkeit zwischen Alt und Jung. Alt und Jung ist das Band, das ein ganzes Leben umspannt.

Kötterheinrich: Das in allen Bereichen funktionierende und vielfältige Vereinswesen in Ladbergen ist wichtig für die Bürgerinnen und Bürger aller Generationen. Insbesondere Familien, Menschen mit Einschränkungen und ältere Menschen sind auf die Barrierefreiheit angewiesen. Hier haben wir in Ladbergen noch Verbesserungspotenzial. Außerdem muss bezahlbarer Wohnraum, auch für Menschen mit Behinderung und Migrationshintergrund zur Verfügung stehen. Die Verkehrsanbindung ist insbesondere für Jugendliche und Pendler zu optimieren.

Torsten Buller, unabhängiger Bürgermeisterkandidat in Ladbergen mit Unterstützung der CDU, an der evangelischen Kirche in Ladbergen.

Torsten Buller, unabhängiger Bürgermeisterkandidat in Ladbergen mit Unterstützung der CDU, an der evangelischen Kirche in Ladbergen. Foto: Dietlind Ellerich

Sie haben sich die Förderung des Ehrenamts auf die Fahne geschrieben? Was sind Ihre konkreten Pläne?

Buller: Ich würde hier gerne einen höheren Stellenanteil mit der Aufgabe „Ehrenamt“ schaffen und explizit im Haushalt abbilden. Ehrenamt muss mehr gewürdigt werden, daher wollte ich schon dieses Jahr mit dem Königsfrühstück für die Majestäten der Schützenvereine beginnen. Leider ist diese Idee aber Corona zum Opfer gefallen. Unter dem Thema „engagiert in NRW“ gibt es zudem Möglichkeiten, das Ehrenamt zu fördern, beispielsweise über die Ehrenamtskarte.

Kötterheinrich: Wichtig ist mir die weiterhin kostenlose Nutzung der gemeindeeigenen Einrichtungen und Plätze, wie zum Beispiel Sporthallen, Buddemeier, Königsbrücke etc. für die Vereine und Institutionen. Außerdem möchte ich zu Beispiel durch eine Ehrenamtskarte oder einen Ehrenamtsempfang die Wertschätzung des Ehrenamtes fördern. Ich werde für Fragen der Vereine innerhalb der Verwaltung einen festen Ansprechpartner schaffen. Die Übernahme von Kosten für Fortbildungen und Unterstützung von Projekten der Jugendarbeit im Einzelfall ist mir wichtig.

Ohne das vielfältige ehrenamtliche Engagement wäre das alles nicht möglich gewesen“, lautet seit Jahren der Standardsatz, wenn es um Aktionen und Projekte geht. Das beginnt im Förderverein der Kita und hört bei den Trainern im Sportverein noch lange nicht  auf. Macht es sich die Kommune zu einfach, wenn sie immer mehr aufs Ehrenamt setzt?

Buller: Nein, denn sie hat keine andere Wahl. Viele Aufgaben, die der Gesellschaft gestellt werden, sind ohne das Engagement der Bevölkerung nicht zu stemmen. Unter anderem auch deshalb, da jahrelang die Forderung nach einem „schlanken Staat“ gelebt wurde und daher die Behörden finanziell und personell ausgeblutet sind. Ich erinnere hier zum Beispiel an die Flüchtlingskrise 2015, wo es nur durch gesellschaftliches Engagement möglich war, so viele Menschen aufzunehmen.

Kötterheinrich: Das denke ich nicht. Ehrenamtliche Tätigkeiten innerhalb der Vereine und Institutionen, zum Beispiel Feuerwehr, DRK etc. stärkt ja auch das Miteinander und auch die Dorfgemeinschaft. Außerdem ist es für viele Menschen auch erfüllend, ehrenamtlich für andere Menschen tätig zu sein. Das vielfältige Angebot in den Vereinen wäre auch von der Gemeinde nicht finanzierbar. Daher muss Ehrenamt gefördert und wertgeschätzt werden.

Thomas Kötterheinrich im Friedenspark

Thomas Kötterheinrich im Friedenspark Foto: privat

Was haben Sie in den vergangenen Monaten in Ihren Gesprächen von den Bürgern erfahren? Was erwarten die von ihrem zukünftigen Verwaltungschef?

Buller: Ich habe von den Bürgern ihre Sicht der Dinge erfahren. Ich werde zur Umsetzung der Ideen eine Zukunftswerkstatt „Ladbergen 2030“ ins Leben rufen. Vom künftigen Verwaltungschef wird erwartet, dass er zuhört, kommuniziert, die Bürger und Bürgerinnen informiert und bei den Projekten beteiligt, sich also für das Wohl der Gemeinde einsetzt. Ebenso erwarten die Menschen Führung, Fachkompetenz, die Bereitschaft zum Kompromiss und natürlich, dass die Verwaltung läuft.

Kötterheinrich: Viele Bürgerinnen und Bürger sind mit der aktuellen Gesamtsituation in Ladbergen zufrieden. Hierzu hat auch die gute Arbeit der Verwaltung und Politik beigetragen. Dennoch gibt es natürlich Verbesserungspotenzial, wie zum Beispiel das Erscheinungsbild im Dorfkern oder die Barrierefreiheit. Und es gibt auch Zukunftsängste bei Unternehmern und Landwirten, die insbesondere durch die Corona-Krise hervorgerufen wurden.

Sie möchten mehr Miteinander zwischen Bürgern und Verwaltung. Wie soll das konkret aussehen?

Buller: Ladbergen hat schon eine Verwaltung der kurzen Wege. Der Verwaltungsleiter ist jederzeit und ohne große Umschweife für den Bürger greifbar. Das kenne ich aus meinen bisherigen Behörden so nicht und ich finde das großartig. Diesen Kontakt werde ich auch weiter pflegen. Ich werde zu möglichst vielen Außenterminen mitkommen, sei es bei der Wirtschaftsförderung, im Bereich Bau oder der Schule, um die Bedürfnisse direkt vor Ort aufnehmen und beurteilen zu können.

Kötterheinrich: Ich möchte die Menschen bei wichtigen Entscheidungen noch stärker einbeziehen; zum Beispiel durch eine Ladbergen-App und Social Media. Bürger fordern ein „offenes Ohr“ des Bürgermeisters bei Fragen und Probleme. Diesem Wunsch werde ich durch eine regelmäßige Sprechstunde an verschiedenen Orten, auch in den Außenbereichen, gerne nachkommen. Kommunalpolitik für die Bürgerinnen und Bürger lässt sich eben nur glaubwürdig mit den Beteiligten machen. Insbesondere möchte ich Jugendliche für Politik begeistern.

Wo und mit wem verbringen Sie den Abend des 13. September?

Buller: Nach dem Wahlergebnis, wenn möglich direkt bei der Auszählung im Rathaus, werde ich erst einmal durchatmen, denn die Anspannung wird groß sein. Im Anschluss werde ich zunächst meine Mutter informieren und danach mit meiner Lebensgefährtin in Ruhe etwas essen. Zum Abschluss des Abends werden wir – natürlich unter Corona-Bedingungen – die Ortsunion besuchen, um meinen Dank für die Unterstützung zum Ausdruck zu bringen.

Kötterheinrich: Ich werde natürlich zunächst das Ergebnis der Wahl mit meiner Familie und meinem Wahlteam im Rathaus hautnah verfolgen. Es ist ja nicht nur die Bürgermeisterwahl spannend, sondern auch, welche neuen Gesichter in den nächsten fünf Jahren im Ladberger Gemeinderat sitzen. Anschließend werden wir sicherlich, unabhängig vom Wahlergebnis, den spannenden Abend gemeinsam ausklingen lassen.

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