Amtsgericht Ibbenbüren verurteilt Unfallverursacher zu Geldstrafe und Fahrverbot
Wenige Sekunden, schwere Folgen

Ladbergen/Ibbenbüren -

Nur wenige Sekunden der Unachtsamkeit während der Autofahrt hatten im Dezember 2019 schwere Folgen. Der Fahrer geriet in Overbeck in den Gegenverkehr und kollidierte mit zwei Fahrzeugen. Wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilte ihn das Amtsgericht Ibbenbüren jetzt zu einer Geldstrafe und einem einmonatigen Fahrverbot.

Freitag, 16.10.2020, 18:27 Uhr
In dem blauen Wagen wurden drei Männer aus Saerbeck zum Teil schwer verletzt
In dem blauen Wagen wurden drei Männer aus Saerbeck zum Teil schwer verletzt Foto: Luca Pals

Der Fahrer aus Saerbeck war nur wenige Sekunden unaufmerksam gewesen, als er am 22. Dezember 2019 gegen 13 Uhr in Overbeck auf der Straße „Am Kanal“ mit einem Transporter in den Gegenverkehr geriet und mit zwei Pkw kollidierte. Drei zum Teil schwer verletzte Männer aus Saerbeck im ersten Pkw, eine leicht verletzte Frau aus Mettingen im zweiten Wagen und insgesamt rund 25 000 Euro Sachschaden, so die Bilanz, der jetzt die Quittung des Amtsgerichts Ibbenbüren folgte. Es verurteilte den heute 21-jährigen Saerbecker zu einer Geldstraße von 30 Tagessätzen zu je 30 Euro und einem einmonatigen Fahrverbot.

Direkt nach dem Geschehen hatte der noch Heranwachsende eingeräumt, die Kollision verursacht zu haben. Wie es dazu gekommen war, vermochte er vor zehn Monaten wie auch jetzt vor Gericht nicht zu sagen. Er erinnere sich an die Zeit kurz davor und danach, aber nicht an den Unfall selbst. „Da ist nur ein schwarzes Loch“, sagte der Angeklagte, der noch sichtlich unter dem Eindruck des Unfalls stand.

„Egal ob Sekundenschlaf oder Handynutzung, um fahrlässige Körperverletzung handelt es sich auf jeden Fall“, stellte der Richter klar, dass das Warum am Ende kaum eine Rolle spiele.

Hinweise darauf, dass der junge Mann im Tatzeitraum mit seinem Handy beschäftigt war, gibt es allerdings. Laut der Auswertung des App-Nutzungsprotokolls durch die Polizei waren auf dem Smartphone die Apps „Instagram“ und „Archero by Habby“ nicht nur geöffnet, sondern wurden auch zwischen 12.56 und 12.58 Uhr aktiv angetippt. Der Bildschirm sei geöffnet beziehungsweise die App gewechselt worden, führte der Beamte vor Gericht aus.

So kommt die Frage nach dem exakten Unfall- respektive Tatzeitpunkt ins Spiel. Das Gericht konnte sie während der Hauptverhandlung nicht klären, weil mit der Uhrzeit 13.02 Uhr lediglich die Zeit bekannt ist, zu der der Notruf in der Leitstelle der Feuerwehr einging. Die wenigen Minuten dazwischen könnten für den Vorlauf bis zum Anruf reichen, gab der Richter zu bedenken.

Um das Verfahren abzukürzen, einigten sich die Vertreter von Gericht, Staatsanwaltschaft, Jugendgerichtshilfe und Verteidigung auf eine Absprache. Dem Angeklagten wurde für den Fall, dass er den Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung einräume und weiter dabei bleibe, dass er sich nicht daran erinnern könne, wie es zu dem Unfall gekommen sei, eine Geldstraße von maximal 30 Tagessätzen und ein einmonatiges Fahrverbot in Aussicht gestellt.

In diesem Zusammenhang wies das Gericht darauf hin, dass die Nutzung des Handys nur eine der möglichen Ursachen gewesen sein könne. „Es spricht eine Menge dafür, wir können es aber nicht in vollem Umfang zweifelsfrei beweisen“, so der Richter.

Für die Staatsanwältin war die Handynutzung als Ursache klar. Zudem machte sie deutlich, dass bei dem Unfall vier Personen „zum Teil nicht unerheblich“ verletzt worden seien. Keine Frage war für sie wie auch für das Gericht und die Verteidigung, dass eine Verurteilung nach allgemeinem, nicht nach Jugend-Strafrecht erfolgen müsse, obwohl dies für einen Heranwachsenden möglich wäre.

Der Saerbecker entschuldigte sich während der Hauptverhandlung bei den Geschädigten.

 

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