Wiederaufbau als Gemeinschaftsprojekt der Familie
Flieger zerstörten den Hof Schulte

Ladbergen -

Am 23. September 1944 brannte der Hof Schulte mit seinen zahlreichen Nebengebäuden komplett ab. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Den Wiederaufbau stemmte die Familie gemeinsam. Hans Berlemann erinnert sich.

Donnerstag, 12.11.2020, 18:20 Uhr
Die Inschrift am Hof Schulte erinnert an die Bombenexplosion, die im September 1944 das Haupthaus und seine Nebengebäude zerstörte.
Die Inschrift am Hof Schulte erinnert an die Bombenexplosion, die im September 1944 das Haupthaus und seine Nebengebäude zerstörte.

Es gibt Geschichten, die fast jeder in Ladbergen kennt. Dass der erste Mann auf dem Mond, Neil Armstrong, Vorfahren aus dem Heidedorf hat, ist eine solche. Aber auch die Bombenangriffe während des Zweiten Weltkrieges , die viele Teile des kleinen Ortes (damals knapp 3000 Einwohner) in kürzester Zeit in eine Kraterlandschaft verwandelten. Ebenso bekannt ist die Geschichte des Hofes Schulte, den die Familie innerhalb von zwei Jahren wieder aufbaute.

Der Ladberger Hans Berlemann lebte damals nebenan und hat das Geschehen als 15-Jähriger miterlebt. Am 23. September 1944 sei der Hof mit zahlreichen Nebengebäuden den den Flammen zum Opfer gefallen. „Gegen 22.30 Uhr geschah das Unglück, als zwei Kampfflieger in der Luft zusammenstießen, der Pilot des einen sein Flugzeug nicht mehr in der Luft halten und den Aufprall nicht verhindern konnte“, erinnert sich der heute 92-Jährige.

„Der Flieger ist direkt auf den Hof gestürzt, und seine Bombenladung ist in die Luft gegangen“, weiß Hans Berlemann aus eigenem Erleben. Dass das Flugzeug mit schweren Bomben beladen war, die unmittelbar nach dem Aufprall explodierten ist ihm aus Erzählungen bekannt.

Berlemann lebte damals in der Nähe der Bürgermeister-Familie Schulte und war später viele Jahre lang mit einer der drei Töchter des Hofes verheiratet.

„Albert Schulte und seine Frau waren zusammen mit den Töchtern Annemarie und Elsbeth im Keller. Schulte hatte damals schon für den Ernstfall vorgeplant und die Gitterstäbe des kleinen Fensters nach draußen entfernt. So konnte die Familie den Keller verlassen“, berichtet Berlemann, dass die Familie damals Glück im Unglück gehabt habe. Denn keiner der vier, die dritte Tochter Emilie war während des Unglücks bei ihrem Onkel in Leeden, sei ums Leben gekommen und sogar ohne größere Verletzungen davongekommen. „Wie durch ein Wunder“, ist Berlemann überzeugt.

Während des Gesprächs mit unserer Zeitung blättert er, auf der Suche nach weiteren Schilderungen des Geschehens, in dem Buch „1000 Jahre Ladbergen“. Die Zerstörung des Hofes mit den Wirtschaftsräumen ist in vielen Heimatbüchern dokumentiert worden. Unter anderem ist es in „Ladbergen – Land und Lüe“ nachzulesen. Der damalige Angriff habe nicht dem Ortskern, sondern dem Dortmund-Ems-Kanal gegolten, schreibt der Heimatforscher Willi Untiet. Während der Angriffe von 1944/45 seien aber auch immer wieder Bomben im Dorf abgeworfen worden. Während des Angriffes auf den Hof Schulte waren unter anderem auch die Südseite der Kirche und das Haus des Posthauptschaffners Wiethölter zerstört worden, erinnert sich Berlemann.

Der heute 92-Jährige lebte damals auf dem elterlichen Hof und erlebte den ersten von insgesamt sechs Bombenangriffen ebenfalls im Keller. Der Hof seiner Familie sei ohne Schaden davongekommen. Anfang der 1950er-Jahre lernte er Elsbeth Schulte kennen. 1955 heiratete das Paar. Seit Februar dieses Jahres ist Berlemann Witwer. „Man hat immer mal wieder über den Vorfall von damals gesprochen“, sagt Berlemann. Nachdem Haus und Hof zerstört, die Familie aber wie durch ein Wunder schadlos davongekommen war, bauten sie das Gebäude mit zusätzlichem Stall innerhalb von zwei Jahren selbstständig wieder auf. Zuschüsse und Darlehen hätten der Familie nach dem Zweiten Weltkrieg ebenso geholfen wie eine größere Baracke, die die Familie ab Mai 1945 übergangsweise bewohnte. „Vorher lebten sie auf dem Speicher, der als einziges noch einigermaßen stehen geblieben ist“, erinnert sich Berlemann heute. Prägend sei neben dem Angriff selber auch der Aufbau des Hofes gewesen, bei dem die ganze Familie angepackt habe. Der Hausgiebel mit seinen Inschriften erinnert noch heute an die Zerstörung.

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