Seniorenheim-Bewohner in Lienen und Ladbergen blieben bislang von Corona verschont
Einmal schrillten die Alarmglocken

Lienen/Ladbergen -

Wenn Altenheime in dieser Zeit in die Schlagzeilen geraten, dann hat das oft ein und denselben Grund: Corona. Das Virus macht vor den Türen der Seniorenzentren nicht halt – und ist es erstmal drin, lässt sich ein sogenannter Ausbruch mit Dutzenden Infizierten kaum noch verhindern.

Montag, 30.11.2020, 17:42 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 17:14 Uhr
Dass vor dem Seniorenheim Baulmann derzeit nicht viel los ist, hängt nicht nur mit dem tristen Herbstwetter zusammen, sondern auch mit der Corona-Pandemie. Viele Angehörige kommen nicht mehr so häufig wie früher vorbei. Norbert Baulmann, Monika Brokamp-Baulmann und Tochter Nora Baulmann (kleines Bild) setzen konsequent alle geforderten Hygienemaßnahmen um.
Dass vor dem Seniorenheim Baulmann derzeit nicht viel los ist, hängt nicht nur mit dem tristen Herbstwetter zusammen, sondern auch mit der Corona-Pandemie. Viele Angehörige kommen nicht mehr so häufig wie früher vorbei. Norbert Baulmann, Monika Brokamp-Baulmann und Tochter Nora Baulmann (kleines Bild) setzen konsequent alle geforderten Hygienemaßnahmen um. Foto: msc

Wenn Altenheime in dieser Zeit in die Schlagzeilen geraten, dann hat das oft ein und denselben Grund: Corona. Das Virus macht vor den Türen der Seniorenzentren nicht halt – und ist es erstmal drin, lässt sich ein sogenannter Ausbruch mit Dutzenden Infizierten kaum noch verhindern.

Dieser Kelch ist am Lienener Seniorenheim Baulmann bislang vorbeigegangen. „Gott sei Dank, aber die Angst und die Ungewissheit sind unsere ständigen Begleiter“, sagt Norbert Baulmann, der die Einrichtung gemeinsam mit Ehefrau Monika und Tochter Nora leitet.

Sie haben bereits die Erfahrung gemacht, wie unvermittelt das Virus zuschlagen kann. „Bei einer Stichprobe des Kreises Anfang November bei uns im Haus wurde eine Mitarbeiterin positiv getestet. Die hatte keinerlei Symptome, nicht mal einen leichten Schnupfen“, berichtet Monika Baulmann im Gespräch mit den WN . Nach Bekanntwerden de Testergebnisses habe man für acht Bewohner, die persönlichen Kontakt zu der Infizierten hatten, flugs für 14 Tage eine Quarantäne-Station eingerichtet. Alle anderen Bewohner mussten nur drei Tage lang auf ihren Zimmern bleiben. Ein flächendeckender Test kurz darauf habe ergeben, dass sich sonst niemand infiziert hatte – weder von den 63 Bewohnern noch von den 80 Mitarbeitern.

Nachdem ab Mitte März das Heim zeitweise für Angehörige geschlossen war und Besucher nur draußen in einem Pavillon mit Bewohnern in Kontakt treten konnten, dürfen Angehörige inzwischen wieder auf die Zimmer. Jeder Kontakt wird protokolliert, im Eingangsbereich steht eine Desinfektionsstation, Geräte zur kontaktlosen Messung der Körpertemperatur liegen bereit. Monika Brokamp-Baulmann: „Trotz der ständigen Änderungen sind die Angehörigen größtenteils sehr kooperativ und setzten die Regelungen wie vorgegeben um.“

Auch die Mitarbeiter geben ihr Bestes: Sie arbeiten seit dem 13. März durchgehend nur noch mit Maske, was eine zusätzliche Belastung bedeutet, und setzen alle Hygienemaßnahmen des Robert-Koch-Institutes um. So wurde im Keller eine Schleuse eingerichtet. Waren werden von den Lieferanten vor der Tür abgeliefert. Danach werden die Verpackungen desinfiziert und erst dann vom hauseigenen Personal an ihren Bestimmungsort gebracht.

Trotz der Pandemie essen die Bewohner nach wie vor gemeinsam im Speisesaal. Sie betrachten sich wie eine große Familie. Mittendrin die Baulmanns, die als private Betreiber einer solchen Einrichtung im Kreis Steinfurt eher eine Ausnahme darstellen. Da sie direkt nebenan wohnen und erste Ansprechpartner sind, haben sie in diesen Zeiten eine Menge zu stemmen. Bei dem persönlichen Einsatz bleibt es nicht. „Das Material wird gestellt, aber die Corona-bedingten Überstunden der Mitarbeiter müssen wir selbst bezahlen“, erläutert Norbert Baulmann.

Natürlich hat die Familie einen Notfallplan in der Schublade für den Fall, dass das Virus auch ihr Heim heftig erwischen sollte. Monika Brokamp-Baulmann: „Dann müssten zahlreiche Bewohner umziehen. Viele von ihnen, vor allem die dementen, könnten gar nicht verstehen, was dann mit ihnen passiert.“

Trotz der Corona-Krise versuchen die Baulmanns so viel Normalität wir möglich zu bewahren und den alten Menschen weiterhin Programm zu bieten. Musikgruppen kommen derzeit zwar nicht hinein, können sich aber draußen aufstellen, um für Unterhaltung zu sorgen. Eine Weihnachtsfeier wird es auch geben, dieses Mal allerdings ohne eine Einladung an die Familien.

Genauso wird das übrigens auch im Haus Widum in Ladbergen gehandhabt, um deren Bewohner die Corona-Viren bislang auch einen Bogen gemacht haben. Nicht ein einziger Fall wurde dort seit Ausbruch der Pandemie festgestellt. Eine Weihnachtsfeier mit Angehörigen sei in diesem Jahr undenkbar, hieß es auf Anfrage der WN.

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