Ladberger sammelt seit 1946 Briefmarken
„Henry ist bei seinen Kindlein“

Ladbergen -

Für Henry Preuss ist das Sammeln von Briefmarken eine wahre Leidenschaft, bis heute hat er zahlreiche Alben mit den kleinen bunten Bildchen gefüllt.

Donnerstag, 17.12.2020, 21:28 Uhr aktualisiert: 17.12.2020, 21:30 Uhr
Henry Preuss sammelt seit seinem sechsten Lebensjahr
Henry Preuss sammelt seit seinem sechsten Lebensjahr Foto: Luca Pals

Gerade erst sechs Jahre war Henry Preuss alt, als er nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen mit seiner Mutter und seiner Schwester auf der Flucht aus Ostpreußen nach Deutschland kam. Damals, im Jahr 1946, begann seine Leidenschaft für Briefmarken. Bis heute sammelt der Senior eifrig, bekommt Zusendungen von Freunden, Bekannten und Menschen der lokalen Tauschbörsen und sagt: „Auch in meinem Rentnerleben wurde mir dadurch nie langweilig.“

Für Preuss ist das Sammeln von Briefmarken eine wahre Leidenschaft, bis heute hat er zahlreiche Alben mit den kleinen bunten Bildchen gefüllt.

Hinter all dem steckt eine Ordnung, die man auf den ersten Blick erkennt. „Zuerst habe ich mich nur auf Briefmarken aus dem deutschen Raum, also aus der BRD und der DDR konzentriert. Später kamen auch ausländische Briefmarken dazu. Diese habe ich nach Ländern sortiert in meine Alben eingeklebt.“ Fein säuberlich zieren ausgeschnittene Landkarten die Sammlungen des 82-Jährigen. Besonders aus dem asiatischen und afrikanischen Raum habe er viele Briefmarken erhalten. Über zwei Inserate in einer Zeitung für Briefmarkensammlungen knüpfte er Kontakte in die Schweiz, nach Österreich, Tschechien und in den Osten Deutschlands: „Wir tauschen in regelmäßigen Abständen Briefmarken aus. Ich biete viele Motive aus der Welt der Flora und Fauna an.“ Die haben es ihm am meisten angetan. „In einer ruhigen Stunde einfach mal durch die Alben zu blättern und sich an den kleinen Bildern zu erfreuen, das macht für mich den Charme aus“, erläutert Preuss.

Wir tauschen in regelmäßigen Abständen Briefmarken aus. Ich biete viele Motive aus der Welt der Flora und Fauna an.

Henry Preuss

Außerdem sei die Auseinandersetzung mit den Marken ein Studium, bei dem ihm nie langweilig werde und er nie auslerne. „Ich befasse mich natürlich auch immer mit den Ländern, aus denen die Briefmarken kommen, fasse Informationen für mich zusammen und werfe einen Blick in meinen Atlas“, beschreibt er seine Vorgehensweise.

Wenn Preuss mit seinen Briefmarken beschäftigt ist, taucht er in seine eigene Welt ein. Und so heißt es immer, wenn nach ihm gefragt wird, von Lebensgefährtin Renate: „Henry ist bei seinen Kindlein.“ Ein Spruch, der sich im Freundes- und Bekanntenkreis herumgesprochen hat.

Diese Kreise helfen dem Rentner aber auch, seine Sammlungen zu vervollständigen: „Ich sage allen, dass sie keine Briefe wegwerfen sollen. Ich kann alles gebrauchen.“ Denn: „Briefmarken haben die unterschiedlichsten Motive. Es kommt immer wieder etwas Neues dazu.“

Aber noch einmal zu den Anfängen zurück. Während der Flucht aus Ostpreußen lebte die Familie zwei Jahre lang in einem Lager. Preuss erinnert sich noch gut an seine Einschulung damals: „Die fand unter einem Baum statt, der Unterricht an der Tafel in der freien Natur.“ Auf dem Heimweg kreuzte er stets ein Haus eines älteren Mannes, der auf seinen Stufen Briefmarken sortierte. Preuss erinnert sich: „Immer öfter blieb ich vor ihm stehen und beobachtete die Sammlung. Eines Tages fragte er mich, ob ich Interesse an Briefmarken hatte. An diesem Tag schenkte er mir die ersten.“ Die klebte der kleine Junge fein säuberlich und ordentlich, so wie es der Mann ihm gesagt hatte, in ein ausrangiertes Schulheft . Noch heute sind die ersten Marken Teil seiner Sammlung.

Der Liebe wegen landete Preuss, der als Verkaufsingenieur in der Autobranche tätig war, in Ladbergen. In der Umgebung, etwa in Reckenfeld und Saerbeck, aber auch in großen Städten wie Osnabrück und Münster, besuchte er immer wieder Tauschbörsen. Für ihn gute Gelegenheiten, seine stattliche Sammlung zu erweitern.

Wegen der Corona-Pandemie finden aktuell keine Tauschbörsen statt. Wenn es wieder los geht, möchte er gerne dabei sein. „Das Hobby hat leider keine jüngeren Nacheiferer mehr. Somit wird es irgendwann wohl aussterben“, bedauert Preuss. Für ihn selber steht fest: Das Sammeln von Briefmarken war mehr als nur ein Hobby, gar eine Leidenschaft, die ihm bis ins hohe Alter so manche vergnügliche Stunden bereitet.

 

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