Senioren sind trotz der Einschränkungen dankbar
Feier nur in kleiner Gemeinschaft

Ladbergen -

Die Weihnachtsfeier mit allen Bewohnern im großen Speisesaal mit Blick auf den großen, festlich geschmückten Tannenbaum, der vom Unter- bis ins Erdgeschoss reicht, und mit gemeinsam gesungenen Liedern: „Das alles geht in diesem Jahr nicht“, sagt Bruno Brettschneider betrübt. Dabei ist die Gemeinschaft unterm Baum genau das, was ihm seit seiner Kindheit in Ostpreußen am Fest zu Christi Geburt so gut gefällt.

Mittwoch, 23.12.2020, 15:26 Uhr aktualisiert: 27.12.2020, 17:01 Uhr
Die Gemeinschaft, mit der Bruno Brettschneider (Mitte) in diesem Jahr Weihnachten feiert, muss coronabedingt kleiner ausfallen.
Die Gemeinschaft, mit der Bruno Brettschneider (Mitte) in diesem Jahr Weihnachten feiert, muss coronabedingt kleiner ausfallen. Foto: Dietlind Ellerich

Der 82-Jährige, der seit mehr als drei Jahren im Seniorenheim Haus Widum lebt, erinnert sich an den mit Wachs- und Wunderkerzen, mit funkelnden Kugeln und Lametta dekorierten Tannenbaum in seinem Elternhaus, an die Bescherung, das Festessen ( Heiligabend gab‘s Würstchen mit Kartoffelsalat, am ersten Feiertag Gans mit Klößen), an den Gottesdienst, die Gemeinschaft.

„Die Vorfreude war das Schönste“, sagt der Vorsitzende des Bewohnerbeirates. Und genau die lässt er sich auch in diesem Jahr nicht nehmen. Zwar müssten die Wohnbereiche getrennt feiern, damit die Abstandsregeln eingehalten werden können, aber eine Andacht gebe es ebenso wie eine Bescherung und ein Festessen. „Die Frau Mayer und ihre Damen sind ein tolles Team, sie tun für uns alles, was möglich ist“, lobt er den Sozialen Dienst der Einrichtung. Auch wenn die Gemeinschaft kleiner ausfallen müsse, „vereinsamen werden wir nicht“, das ist dem Senior wichtig.

In kleiner Runde weit auseinander sitzen und besonders laut sprechen, damit man einander versteht, das haben die Frauen und Männer in den vergangenen Monaten geprobt und sich inzwischen daran gewöhnt. „Sonst war‘s voll, jetzt ist Abstand“, bringt es Bruno Brettschneider auf den Punkt. Ob die Zeitungs- oder die Gedächtnisrunde oder das Bingo-Spiel, die Bewohner können vieles unternehmen und auch gemeinsam essen. Das war während der ersten Welle anders. „Da bekamen wir drei Wochen lang unsere Mahlzeiten aufs Zimmer und mussten alleine essen“, erinnert sich der 82-Jährige. Er ist heilfroh, dass es nun anders ist.

Nur dass die Teilnehmer des Seniorentreffs und der Chor in diesem Jahr nicht zur Weihnachtsfeier kommen, bedauert er. „Das darf alles nicht“, ist ihm aber bewusst. Und das Singen wird ihm fehlen, auch wenn er eigentlich nur zuhört. „Ich kann gar nicht singen“, gibt er zu. „O du fröhliche“ und „Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen“ würde er dennoch im großen Chor gerne hören.

„Wir haben es hier gut, das Essen ist toll, wir rätseln, spielen, malen zusammen, alleine zu Hause wäre es viel schlimmer“, macht er deutlich, wie wohl er sich im Kreise der anderen Bewohner und der Mitarbeiter fühlt. Und der geschmückte Tannenbaum ist sowieso das Größte. „Das ist gut fürs Gemüt und weckt die Erinnerung an früher“, sagt der 82-Jährige.

„Alleine zu Hause“ sind viele der älteren Frauen und Männer, mit denen Mechthild Teigeler während ihrer Telefondienste spricht. „Telefonieren ist ja nicht ansteckend“, sagt die Leiterin des Seniorentreffs lachend – und sie freut sich, dass ihre „Sprechstunde“ so rege genutzt wird. „Ich vermisse den Seniorentreff so“, das hört sie oft, seit die regelmäßigen Angebote in der Begegnungsstätte Buddemeier wieder ruhen. Zwar finden gemeinsames Radfahren, Karten spielen oder Handarbeiten nicht statt, „aber wir kümmern uns, um den Menschen zu zeigen, dass sie nicht vergessen werden.“ „Post statt Feier“ hieß deshalb in den vergangenen Wochen das Motto. Teigeler hatte mit ehrenamtlicher Unterstützung für „ihre“ 190 Seniorinnen und Senioren Weihnachtspost gepackt und verteilt. Gute Wünsche vom Team und vom Bürgermeister waren darin, kleine Geschenke und ein Tannenbaum, der ursprünglich als Tischdekoration für die Weihnachtsfeier gebastelt worden war, die dann doch ausfallen musste.

„Ist das nicht schön, dass jemand an uns denkt“, das hat sie so häufig gehört wie die Frage, wann es endlich wieder mit den Veranstaltungen losgeht. „Mir fehlt die Gemeinschaft“, hat Mechthild Teigeler in den Gespräche, die sie mit viel Abstand an den Türen oder Fenstern geführt hat, ebenfalls oft gehört.

Was die Leiterin des Seniorentreffs besonders bewegt hat, war neben der Dankbarkeit das Bewusstsein der Senioren, dass sie es trotz Corona und der Einschränkungen gut haben. „Im Krieg haben wir gehungert und gehamstert, jetzt haben wir wenigstens genug zu essen“, lautete der Tenor.

Teigeler ist froh, dass viele der Senioren so positiv gestimmt sind. Sie hat jedoch festgestellt, dass ihr telefonisches Gesprächsangebot in der dunklen Jahreszeit und besonders in der Adventszeit häufiger angewählt wurde als im Sommer. Nichtsdestotrotz macht ihr Telefondienst über die Feiertage Pause. Erst am 4. Januar geht es zu den gewohnten Sprechzeiten weiter.

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