Das Corona-Jahr nutzten die Ladberger, um Neues in Angriff zu nehmen
Trotz Verzichts keine Langeweile

Ladbergen -

2020 biegt auf die Zielgerade ein. Es war ein Jahr, das von der Corona-Pandemie und ihren Auswirkungen überlagert und bestimmt war. Es war aber auch ein Jahr, das viele Dinge in den Vordergrund rückte, die zuvor kein Thema waren. Wie haben die Ladberger 2020 erlebt? Wie gehen sie mit Corona um? Und was sind Wünsche für 2021? Die Westfälischen Nachrichten haben nachgefragt.

Mittwoch, 30.12.2020, 20:18 Uhr aktualisiert: 01.01.2021, 09:41 Uhr
Ines Albers (ab links oben
Ines Albers (ab links oben Foto: privat/Michael Baar/WN-Archiv

2020 biegt auf die Zielgerade ein. Es war ein Jahr, das von der Corona-Pandemie und ihren Auswirkungen überlagert und bestimmt war. Es war aber auch ein Jahr, das viele Dinge in den Vordergrund rückte, die zuvor kein Thema waren. Wie haben die Ladberger 2020 erlebt? Wie gehen sie mit Corona um? Und was sind Wünsche für 2021? Die Westfälischen Nachrichten haben nachgefragt.

„Als Rentner merke ich Probleme wie die Umstellung auf Homeoffice nicht, aber natürlich fehlt mir viel: besonders die Handballspiele und die Wettkämpfe unserer Turner“, sagt Hans-Gerhard Schröer , der unter anderem als Hallensprecher des TSV Ladbergen bekannt ist. 2021 steht der 100. Geburtstag des TSV an – das soll gebührend gefeiert werden: „Wir hoffen natürlich, dass es klappt, denken aber schon an eine Verschiebung“, kommentiert Schröer die Pläne des Vereins.

Auch dem als „Hatino“ bekannten Zauberer Hartwig Pruin fehlt die Planungssicherheit. Die „viele Zeit“ während der Lockdowns hat er für handwerkliche Maßnahmen im eigenen Garten und die Terminkoordinierung der Kulturbühne bis Ende 2022 genutzt: „Im August wollen wir ein großes Programm in der Sporthalle anbieten. Hoffentlich klappt das.“

Jede Menge vor hat auch Ines Albers. Sie ist aktuell noch im Referendariat, im Februar steht ihr Examen an: „2020 war von viel Unsicherheit und Trockenübungen, Distanz und Flexibilität im Beruf geprägt. Ich hoffe, dass es im kommenden Jahr auch für den Unterricht sichere Vorgaben seitens des Landes gibt.“ Durch das Referendariat sei sie „sehr gut ausgelastet“ gewesen, Zeit für Langeweile gab es wenig. Dackel Phoebe, der bereits vor Corona zur Familie Albers kam, das Schneiden der Gottesdienst-Videos aus der evangelischen Kirche und natürlich regelmäßiges Kontakthalten zum PraiseTunes-Chor, der im Sommer einige wenige Proben im Freien hatte, gehören für die Ladbergerin genauso dazu wie die Sehnsucht nach der Musik: „Zusammen vor Publikum zu spielen. Das fehlt. Besonders habe ich das am vierten Advent gemerkt. Da wäre eigentlich unser Weihnachtskonzert gewesen, mit dem man in Ladbergen einfach groß geworden ist.“

Dinge, die einst für selbstverständlich gehalten wurden, wissen die Ladberger in diesen Zeiten besonders wertzuschätzen. Landwirt Hendrik König betont: „Die Familie war mein Highlight 2020. Wir halten stark zusammen. Und alle – auch Vater und Opa – sind gesund geblieben.“ Das ist für ihn das Wichtigste, aber natürlich fehlt auch ihm der Kontakt zu Freunden. „Wir nutzen viele Online-Dienste wie Zoom, zum Beispiel zum gemeinsamen Kartenspielen“, erläutert er, wie er versucht, den Verzicht auf Treffen in Präsenz wenigstens ein bisschen zu kompensieren.

Beruflich hat die Corona-Pandemie den Ladberger auf dem eigenen Hof nicht zu großen Veränderungen gezwungen, finanziell sei das Jahr aber eine kleine Katastrophe. „Wie bei so vielen anderen“, ist sich König bewusst, dass es nicht nur ihn hart trifft. Beim Blättern im Fotoalbum zu Weihnachten sei ihm ein Bild von einem Stadionbesuch in Erinnerung geblieben: „Diese Events, Geburtstage und Feierlichkeiten – dass das wieder klappt, ist mein Wunsch für 2021.“

Für das kommende Jahr plant Lucy Elixmann den Beginn eines Studiums, aktuell absolviert sie ihr Fachabitur. Zwar sei 2020 „viel Corona“ gewesen, aber eben nicht alles: „Meinen Österreich-Urlaub mit Freunden werde ich noch lange in Erinnerung behalten.“ Einen ruhigen und einigermaßen normalen Studienstart wünscht sich die 18-Jährige und sagt: „In diesem Jahr hat man gelernt, vieles neu wertzuschätzen. Und man hat gelernt, seine Freizeit kreativ zu gestalten.“ Außerdem ist die junge Frau in vielen Vereinen wie der DLRG in Greven, den Pfadfindern und der evangelischen Jugendarbeit in Ladbergen aktiv. „Wieder Gruppenstunden zu haben – das wünsche ich mir für das kommende Jahr.“

Stichwort Ehrenamt: Ingo Kielmann steht in Ladbergen wie kaum ein anderer dafür und sagt: „Es fand nichts in Ladbergen statt. Und gerade jetzt haben wir gemerkt, wie wichtig die Gemeinschaft, unser Dorfladen und vieles andere ist. Vielleicht gibt es noch einmal einen Schub für das Ehrenamt und den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft – oder das Gegenteil“, überlegt Kielmann, wie es in Zukunft weitergeht. 2020 fehlten ihm die Fahrradtouren mit Freunden und natürlich auch die Besuche der Handballspiele des TSV: „Sonntagabend, Block C mit den Freunden – man merkt jetzt richtig wie wichtig das einem ist.“

Vieles fällt aus, dafür hatte man mehr Zeit für Neues. Nach dem ersten Lockdown konnte Kielmann wieder öfter Zeit mit seinem Enkelkind verbringen. Außerdem belebt er zusammen mit seiner Frau ein altes Hobby neu: „Wir haben wieder einen Hund. Nicht nur wegen Corona haben wir dafür wieder mehr Zeit.“

Nachwuchs gab es auch in der Familie König. „Ich bin in diesem Jahr Onkel geworden“, sagt Hendrik. einen ähnlichen Grund zur Freude hat Hans-Gerhard Schröer: „Unser Enkel Noah ist zur Welt gekommen. Wir freuen uns darauf, ihn 2021 aufwachsen zu sehen.“ Deswegen sagt er: „Mein oberstes Ziel ist es, gesund zu bleiben.“ Kielmann sieht das genauso. „Vielleicht kann nächstes Jahr wieder so etwas wie Normalität einkehren“, hofft er. Damit auch die Menschen in Ladbergen wieder näher zusammenrücken können.

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