Ein Exot: Hennes Maneke ist Erzieher im St.-Christophorus-Kindergarten
„Ich liebe diesen Beruf“

Ladbergen -

Knapp 800 000 Fachkräfte arbeiteten laut Online-Portal Statista im März 2020 deutschlandweit in Kinderbetreuungseinrichtungen. Unter ihnen befanden sich nur 48 554 Männer. Die Kurve steige zwar seit Jahren, Luft nach oben sei aber trotzdem, schreibt das Familienministerium. Einer der Männer in dieser bislang klassischen Frauen-Domäne ist der Ladberger Hennes Maneke.

Mittwoch, 03.02.2021, 18:53 Uhr aktualisiert: 04.02.2021, 16:28 Uhr
Hennes Maneke und Kita-Leiterin Anja Hülsmann: Der 22-Jährige ist seit zwei Jahren als Erzieher im katholischen Kindergarten tätig.
Hennes Maneke und Kita-Leiterin Anja Hülsmann: Der 22-Jährige ist seit zwei Jahren als Erzieher im katholischen Kindergarten tätig. Foto: Luca Pals

Seit Sommer 2019 arbeitet er im katholischen Kindergarten St. Christophorus und sagt im Gespräch mit den WN : „Ich liebe diesen Job und bereue die Entscheidung an keinem Tag.“

Zustimmung erfährt er aus dem Team und von Leiterin Anja Hülsmann : „Wir sind sehr froh, dass Hennes bei uns ist.“ Insgesamt fünf Erzieherinnen und eben Hennes Maneke sind in der Zwei-Gruppen-Einrichtung für über 40 Kinder zuständig. Manekes Kids kommen aus der Elefanten-Gruppe. Besonders die Arbeit an der Werkbank hat es dem 23-Jährigen angetan: „Jeder aus dem Team kann sich nach seinen Vorlieben ausprobieren und das machen, wo er oder sie seine Stärken hat. An der Werkbank habe ich meinen Platz zusammen mit den Kindern gefunden.“

Ansonsten gehört viel Routine zu einem typischen Arbeitstag. Gemeinsam mit zwei Kolleginnen betreut Maneke die Elefanten-Gruppe, ist bei der Aufsicht auf dem Spielplatz genauso dabei wie beim Turnen an der Kletterwand und der Religionspädagogik am Freitag: „Wir erzählen Geschichten aus der Bibel, spielen diese nach und reden mit den Kindern darüber. Das Konzept gibt es bei uns schon lange und ich habe es jetzt übergangsweise übernommen“, erklärt Maneke, bei dem man merkt, dass er seinen Platz im Team und bei den Kindern längst gefunden hat.

Dass ein Mann und nicht, wie fast immer üblich, eine Frau den Kindern Geschichten vorliest, mit ihnen spielt oder beim Zubinden der Schnürsenkel hilft, mache für die Jungen und Mädchen keinen Unterschied, sagt Leiterin Hülsmann: „Aber von den Eltern kommen sehr positive Rückmeldungen. Ein männlicher Erzieher bereichert natürlich den Alltag der Kinder.“

Maneke, der in seiner Freizeit in der evangelischen Jugendarbeit in Ladbergen aktiv und jüngstes Mitglied des Presbyteriums ist, sieht das genau so: „Ich glaube, männliche Erzieher sind für Kinder wichtig. Es kommt oft vor, dass Kinder, bis sie auf die weiterführende Schule kommen, sehr selten Männer im pädagogischen Bereich um sich haben.“ Einen Sonderstatus nimmt er deshalb aber nicht für sich in Anspruch. Viel mehr liegen ihm die Kinder am Herzen: „Ehrlichkeit, Rücksichtnahme und ein gutes Miteinander – das sind Werte, die mir wichtig sind und die ich den Kindern mit auf den Weg geben möchte.“

Der Entschluss, Erzieher zu werden, reifte nach und nach. Der schulischen Laufbahn auf der Gesamtschule in Saerbeck schloss Maneke ein Jahr in der Ladberger Grundschule an. Schon sein Berufseinführungsjahr absolvierte er im Kindergarten St. Christophorus. „Ladbergen ist mein Heimatort und ich fühle mich in dieser Umgebung sehr wohl“, sagt er. Durch das Jahr in der Grundschule und die Arbeit im Kindergarten winken ihm auf der Straße immer wieder Kinder und Eltern zu. Er empfindet das als Bestätigung.

Auch wenn das Geschlecht in dem Job kaum eine Rolle spielt, das Alter tut es in seinem Fall schon: „Ich bin der Jüngste im Team, das merkt man natürlich. Aber dadurch habe ich immer die Möglichkeit, frischen Wind und neue Ideen einzubringen.“ Genau das ist es, was die Kolleginnen von Anfang an an ihm schätzen.

Maneke wünscht sich, dass sich weiterhin genügend junge Menschen und gerade „auch Jungs“ für diesen Beruf entscheiden, auch wenn die Bezahlung besser sein könnte. Es sagt aber auch: „Ich hatte vor meinem Start ein anderes Bild von der Vergütung und wurde positiv überrascht. So wenig, wie es manchmal öffentlich dargestellt wird, ist es nicht.“ Gleichwohl macht er deutlich: „Da ist natürlich Luft nach oben. Angesichts der Arbeit und Verantwortung, die wir tragen, sind die Forderungen nach Lohnerhöhungen berechtigt.“

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