Eisbrecher sind auf Dortmund-Ems-Kanal und Mittellandkanal unterwegs
Die „Bevergern“ lässt‘s krachen

Ladbergen/Tecklenburger Land -

Dienstagmorgen am Dortmund-Ems-Kanal. Dämmerlicht. Aus einer Nebelbank ist lautes Knacken und Krachen zu hören. Zu sehen ist nichts. Erst langsam schiebt sich nach und nach ein dicker, schwarzer Schiffsrumpf aus dem dichten Weiß hervor. Die „Bevergern“. Der Eisbrecher sorgt für freie Fahrt, denn über Nacht hat sich eine feine Eisschicht auf dem Kanal gebildet.

Mittwoch, 10.02.2021, 16:36 Uhr aktualisiert: 11.02.2021, 17:48 Uhr
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Es Foto: Henning Meyer-Veer

Während Busse und Bahnen in der Region am Wochenende weitgehend still standen, war auf Mittelland- und Dortmund-Ems-Kanal noch Betrieb. „Der Schneefall ist für die Schifffahrt grundsätzlich kein Problem“, sagt Timo Freitag vom Wasserstraßen- und Sichifffahrtsamt (WSA) Westliche Kanäle in Rheine. Aber das Eis. Am Dienstagmorgen war schon eine feine Schicht zu sehen. Und angesichts prognostizierter Temperaturen dauerhaft unter dem Gefrierpunkt wird es in den kommenden Tagen wohl kaum weniger werden.

Die „Bevergern“ ist der eigene Eisbrecher des WSA Westliche Kanäle und liegt in Bergeshövede. Genau genommen ist sie ein Arbeitsschiff mit Eisbrechereigenschaften. Acht Jahre alt, knapp 23 Meter lang und mit einer Leistung von 588 kW. Sie macht maximal 18,4 km/h Geschwindigkeit. Ein dicker Brummer also. „Der Eisbrecher kann fahren, sobald eine geschlossene Eisdecke vorliegt“, sagt Timo Freitag. Zusätzlich könne das WSA bei Reedereien noch andere Brecher anmieten – das zu betreuende Wasserstraßennetz ist lang.

Viel wichtiger aber sei, dass die Schleusen offenbleiben. „Dort darf sich kein Eis bilden“, sagt Timo Freitag. An den Toren seien Sprudelanlagen installiert, damit das Wasser in Bewegung bleibt. Und die Antriebe der Tore seien teilweise geheizt, damit sie nicht zufrieren.

Doch zurück zu den Eisbrechern. Für ihren Einsatz ist natürlich schon eine besondere Koordination nötig. Die Außenbezirke, so Freitag weiter, würden regelmäßig die aktuelle Situation melden: Wassertemperatur,Lufttemperatur, Eisgang und so weiter. Bei bis zu 30 Zentimetern Eisdicke könne die „Bevergern“ fahren, „wahrscheinlich auch ein paar Zentimeter mehr“. Aber wenn das Eis quer stehe, dann gehe nichts mehr. Sperrung. Aber so schnell wohl auch nicht, denn: „Der Dortmund-Ems-Kanal ist durch seine Nord-Süd-Lage witterungsbedingt im Vorteil“, sagt Timo Freitag. Der Mittellandkanal, der vom Nassen Dreieck aus über Ibbenbüren, Recke, Mettingen und Westerkappeln ostwärts führt, friere schneller zu.

Das ist beim zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mittellandkanal/Elbe-Seitenkanal in Minden natürlich bekannt. „Die Eisbrecherflotte ist schon in vollem Einsatz“, sagt Klaus Ripphahn vom zuständigen WSA am Dienstagmorgen. Das seien fünf eigene Eisbrecher oder Schiffe mit Eisbrechfunktion. „Dazu kommen zwei angemietete Fahrzeuge sowie drei weitere Schiffe vom WSA Lauenburg an der Elbe, die uns auf dem Elbe-Seitenkanal unterstützen.“

Und doch: Wegen der aufgrund des extrem kalten Wetters „zwingend notwendigen Sicherungsmaßnahmen an den Weserwehren müssen der Mittellandkanal und der Elbe-Seitenkanal ab Mittwoch, 18 Uhr, für die Schifffahrt gesperrt werden“, teilte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt am Dienstagabend mit. Man habe diese Entscheidung unter Abwägung der Gewährleistung der Bauwerkssicherheit und der Auswirkungen für die Binnenschifffahrt getroffen. Kai Römer, Fachbereichsleiter Schifffahrt wird in der Mitteilung wie folgt zitiert: „Sobald sich die Eissituation entspannt, wird der Schiffsverkehr auf den beiden Bundeswasserstraßen Mittellandkanal / Elbe-Seitenkanal schnellstmöglich wieder freigegeben.“

Zurück zum Dortmund-Ems-Kanal. Dort waren die Eisschollen am Dienstagnachmittag wieder weg – Sonne. Aber die Nächte bleiben kalt, es kommen also neue. „Wir behalten die Lage im Blick“, verspricht Timo Freitag.

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