Landgericht gibt Gutachten in Auftrag
Drogenkonsum: Angeklagter räumt Falschaussagen ein

Ladbergen/Münster -

Eine kleine Lüge vor Gericht könnte jetzt für den 26 Jahre alten Angeklagten ein großes Nachspiel haben. Das Gericht hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, das über den Drogenkonsum des Mannes und dessen Konsequenzen Auskunft geben soll.

Mittwoch, 17.02.2021, 16:39 Uhr
Landgericht gibt Gutachten in Auftrag: Drogenkonsum: Angeklagter räumt Falschaussagen ein

Das Berufungsverfahren am Landgericht Münster gegen den 26-jährigen Nadam H. wird im Herbst weitergeführt. Vor dem neuen Verhandlungstermin muss noch ein psychiatrisches Gutachten geschrieben werden. So entschied die zuständige Kammer des Landgerichts.

Zum Sachverhalt: Bei einer allgemeinen Polizeikontrolle 2019 in Ladbergen flüchtete der Angeklagte mit seinem Peugeot vor den Beamten, kam auf einem Waldweg zum Stehen und lief dann zu Fuß davon. Dabei warf er ein Plastiktütchen in einem nahe gelegenen Gewässer. Nicht ohne Grund: Wie sich herausstellte, befanden sich in der Tüte knapp 100 Gramm Marihuana.

Wegen Gefährdung des Straßenverkehrs auf seiner Flucht und des Besitzes der Drogen wurde der 26-Jährige zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Die Staatsanwaltschaft ging gegen den Strafrahmen in Berufung.

Nun forderte die Verteidigung vor Gericht ein psychiatrisches Gutachten. Der Mandant habe entgegen seiner Aussage in erster Instanz ein starkes Drogenproblem. Zur Chronologie seines Rauschmittelkonsums verlas dieser vor Gericht einen selbst ausgefüllten Fragebogen der Drogenberatung. Von den Einnahmen aus den Marihuana-Geschäften wollte er sich und seine Sucht finanzieren, führte der Mann aus. Bei seinen Eltern sei er deswegen schon vor einiger Zeit aus der Wohnung geflogen.

Aktuell ist der Mann Angeklagter in gleich mehreren Berufungsverfahren am Landgericht, stellte der Vorsitzende Richter fest.

Doch so richtig ernst zu nehmen scheint der 26-Jährige seine eigene Situation offenbar nicht. So räumte er vor Gericht einige Unstimmigkeiten im ersten Verfahren ein, berichtete von befreundeten Zeugen, die für ihn vor der Polizei gelogen hätten. Zudem hätten auch eigenen Aussagen „nicht ganz der Wahrheit entsprochen“.

Ob die Drogensucht die Unterbringung in einer Entziehungsklinik notwendig mache, soll mit dem Gutachten geklärt werden. Der Vorsitzende betonte jedoch, dass der junge Mann ohnehin für seine Taten geradestehen müsse. Im Herbst werde dann entschieden, in welcher Form und für welche Zeit.

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