Besonderer Zeitzeuge
„Alles Wichtige von früher in Laer“

Laer -

Mit 88 Jahren begann Josef Terstegge (1904-1997) seine Kindheit und Jugend aufzuzeichnen. Seine Erinnerungen hat der Sohn einer Bauernfamilie, der in Laer aufwuchs, in vier Schreibkladden festgehalten. Seine Tochter Gunda Labuch und Ulrike Kluck haben daraus ein Buch mit dem Titel „Laer in der guten alten Zeit“ gemacht.

Freitag, 06.02.2015, 17:02 Uhr

Gerade auf den Markt gekommen ist das Buch „Laer in der guten alten Zeit“, das die Tochter des Autors Josef Terstegge (kleines Foto), Gunda Labuch (l.), und Ulrike Kluck herausgegeben haben. Während eines Pressetermins im Haus Rollier haben die beiden Frauen ihr Werk der Öffentlichkeit vorgestellt.  
Gerade auf den Markt gekommen ist das Buch „Laer in der guten alten Zeit“, das die Tochter des Autors Josef Terstegge (kleines Foto), Gunda Labuch (l.), und Ulrike Kluck herausgegeben haben. Während eines Pressetermins im Haus Rollier haben die beiden Frauen ihr Werk der Öffentlichkeit vorgestellt.   Foto: Sabine Niestert

Josef Terstegge wäre sicher lieber zur Schule gegangen, hätte es die Prügelstrafe seinerzeit nicht gegeben. Doch Anfang um 19. Jahrhundert war diese gang und gäbe. Selbst die Lehrerinnen schlugen zu. Auch im hohen Alter von 88 Jahren hat sich der Sohn einer 14-köpfigen Bauernfamilie , der in der Gemeinde Laer aufwuchs an der Repertoire der Strafen des früheren Lehrpersonals erinnert und die Maßnahmen sorgfältig aufgelistet.

„Über die Bank legen und unsanfte Schläge mit dem stets präsenten Rohrstock“, „Schläge mit dem Rohrstock in die flache dem Lehrer hinzuhaltende Hand (sehr schmerzhaft“) und „Die Ausweisung aus dem Klassenzimmer zwecks Aufenthaltes auf dem Flur“, beschreibt der Autor nur drei von insgesamt sechs Disziplinarmaßnahmen, die zu seiner Schulzeit in Laer angewendet wurden.

„Er hatte ein phänomenales Gedächtnis und eine außergewöhnlich gute Beobachtungsgabe“, erinnert sich die Tochter von Josef Terstegge, Gunda Labuch, die gemeinsam mit Ulrike Kluck , ein Buch mit den Aufzeichnungen ihres 1997 verstorbenen Vaters herausgegeben hat. Dabei schreibt der Autor über alle Bereiche des örtlichen Lebens um 1910 im Ewaldidorf.

Ob Handwerk, Geschäfte, Landwirtschaft, Mode, Kirche und Feste, der ehemalige Beamte, der viele Jahre im Kuratorium der Wilhelms-Universität Münster tätig war, hat keinen Bereich ausgelassen. Auch den Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie die NS-Zeit findet die Erwähnung des Zeitzeugens.

Seine Erfahrungen finden sich in den 42 Kapitlen des fast 160-seitigen Buches wieder, das es nicht gäben würde, wenn Ulrike Kluck die Sache nicht in die Hand genommen hätte. So schlummerten die Manuskripte einige Zeit im Archiv des Laerer Heimatvereins, dem Gunda Labuch die dicht beschriebenen Kladden ihres Vaters hinterlassen hat.

„Immer wieder wollte sich jemand darum kümmern und immer wieder ist es dann dabei geblieben“, erklärt Ulrike Kluck, die ein Faible für die Laerer Heimatgeschichte hat, warum sie sich schließlich der Sache angenommen hat.

„Ich fand die Aufzeichnungen total interessant“, begründet die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin und Absolventin des „Studiums im Alter“ ihre Motivation ein Buch daraus zu machen, um der Nachwelt das wertvolle Zeitzeugen-Dokument über die Laerer Geschichte zu erhalten.

„Laer in der guten alten Zeit“ lautet der Titel des Werkes, das eine anschauliche Beschreibung des ganz anderen Lebens damals vor rund 100 Jahren enthält. Lebendig und verständlich geschrieben und mit zahlreichen Bildern versehen, dürfte das Buch im DINA-5-Softcover-Format besonders den alteingesessenen Bürgern gefallen, die die „gute, alte Zeit“ noch miterlebt haben.

„Ich habe durch das Lesen der vier Kladden meinen Vater von einer anderen Seite kennengelernt“, erklärt seine Autorentochter, die sich manches Mal mit Ulrike getroffen hat, um die Aufzeichnungen neu zu ordnen und persönliche Bemerkungen einzufügen. „Erst wollte mein Schwiegervater gar nicht schreiben, aber als er erst mal begonnen hatte, konnte er gar nicht wieder aufhören“, erinnert sich Schwiegersohn Dieter Labuch an den Senior, der seine Leidenschaft erst mit 88 Jahren entdeckte und auslebte, in dem er seine Kindheit und Jugend auszeichnete. In einem Alter, in dem viele alte Menschen vergesslicher werden und oftmals nicht mehr gut schreiben können, hat Josef Terstegge, erst richtig losgelegt.

Entstanden sind die Geschichten in Schapdetten. Dort lebte der Autor nach dem Tod seiner Frau Agnes bei seinem Sohn Egon und dessen Frau Geli. Dort hatte er nach wiederholtem Auffordern von Seiten seiner Kinder begonnen, sein Leben aufzuschreiben. Zu verdanken ist das auch dem ehemaligen inzwischen verstorbenen Heimatvereinsvorsitzenden Hermann Völker, der Terstegge gebeten und ermutigt hat, „alles Wichtige von früher in Laer“ aufzuschreiben und so für spätere Generationen zu bewahren.

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