Professor Dr. Silke Landgrebe aus Laer coachte junge Menschen in Usbekistan
Potenzial nicht nur für Tourismus

Laer -

Sie wollte sich nach ihrem Ruhestand einer neuen Aufgabe widmen – und wurde in Usbekistan fündig: Prof. Dr. Silke Landgrebe wirkte an der neu gegründeten „Silk Road International University of Tourism“ daran mit, Lehrpläne zu entwickeln, Organisationsstrukturen zu verfeinern und Dozenten auszubilden.

Sonntag, 05.01.2020, 16:16 Uhr
Professor Landgrebe (hi. Reihe 5.v.l.) mit Studenten vor dem Registan in Samarkand, einem der prächtigsten Plätze Mittelasiens. Das rechte Foto zeigt die Laererin (Mitte in weißer Bluse), die mit angehenden Tourismusexperten einen Städtetourismus-Qualitäts-Check erörtert.
Professor Landgrebe (hi. Reihe 5.v.l.) mit Studenten vor dem Registan in Samarkand, einem der prächtigsten Plätze Mittelasiens. Das rechte Foto zeigt die Laererin (Mitte in weißer Bluse), die mit angehenden Tourismusexperten einen Städtetourismus-Qualitäts-Check erörtert.

„Das kann es noch nicht gewesen sein“, dachte sich Professor Dr. Silke Landgrebe aus Laer und fand nach ihrer Pensionierung in 2018 eine tolle Aufgabe, in die sie ihr berufliches Know-how gut einbrachte. Das Schlüsselwort lautet „Tourismus“. Kürzlich reiste sie nach Usbekistan und wirkte daran mit, an der neu gegründeten „Silk Road International University of Tourism“ Lehrpläne zu entwickeln, Organisationsstrukturen zu verfeinern und Dozenten auszubilden.

„Dort fehlen auch Englisch-Lehrer, denn das Beherrschen der Weltsprache ist das A und O. Tourismus, so die Professorin, verschaffe Devisen, Arbeitsplätze, Einnahmen, internationales Prestige und Steuereinnahmen. Usbekistan ist ein Land, das sich erst vor wenigen Jahren nach außen hin öffnete. Es gilt, vieles aufzubauen und den Enthusiasmus der jungen Menschen dort zu fördern.

„Fremdenverkehr ist in Usbekistan neben Seidenstoffen und neuerdings auch der Automobilindustrie ein ganz wichtiger Wirtschaftsfaktor“, betont Landgrebe. Sie selbst lehrte viele Jahre an der Westfälischen Hochschule Bocholt und baute bereits in den neunziger Jahren den Studiengang „Tourismusmanagement“ auf.

Die Expertin reiste für den „ Senior Experten Service “, kurz SES, ehrenamtlich in das zentralasiatische Land, zu dessen Nachbarstaaten Kasachstan gehört. Ziel des SES ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Nachhaltige Projektunterstützung steht ganz vorn. Die Organisation ist eine Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit GmbH.

Usbekistan liegt an der „Seidenstraße“, womit man einst ein uraltes Netz von Karawanenstraßen bezeichnete. Es verband auf dem Landweg den Mittelmeerraum über Zentralasien mit Ostasien. „Touristisch betrachtet ist diese Lage besonders reizvoll“, sagt die Laererin. Sie weilte in Samarkand, in der die neu initiierte Uni steht und das eine der bedeutendsten Städte entlang der Seiden-Route ist. „Man fühlt sich wie in 1001 Nacht“, schwärmt die Tourismus-Fachfrau. Dort gibt es prächtig ausgestattete Monumente und Bauwerke von unglaublicher Schönheit.

Der russische Einfluss mit seinen monumentalen Artefakten ist architektonisch nachvollziehbar. Er endete erst 1991 mit dem Zusammenbruch des Sowjetreiches. Anschließend ächzte Usbekistan lange Jahre unter der Schreckensherrschaft des despotischen Präsidenten Islom Karimov, der 2016 starb. Seit Shavkat Mirziyoyev das Ruder übernommen hat, werden die Zeiten besser. „Er ist westlich orientiert und liberal“, beschreibt Landgrebe. Jetzt öffnet sich das Land und legt dabei ein rasantes Tempo vor. „Während die älteren Menschen noch stark von der Sowjet-Zeit beeinflusst sind und sich reserviert geben, haben die jungen Usbeken großes Potenzial und eine beeindruckende Power“, so Landgrebe. Bei Gesprächen stellt sich heraus, dass sie kleine Start-Up-Unternehmen gründen, Informations-Apps für Touristen entwickeln und ähnliches. „Sie brauchen jedoch Beratung“, hebt die Professorin hervor, „ denn sie verfügen nicht über notwendiges Know-how und wissen nicht, wie ein Unternehmen geführt wird.“ Marketing, Online-Marketing oder Influenza-Marketing seien Fremdworte.

Während ihres dreiwöchigen Aufenthaltes im Land coachte sie mehrere junge Menschen. Selbst einen freien Internet-Zugang gibt es für die Bewohner erst seit wenigen Jahren.

Besonders beeindruckte auch die großartige Gastfreundschaft der Einheimischen. „Studenten luden mich spontan zum Essen ein und kochten für die ‚Frau Professor‘ Plov, ein russisches Reisgericht mit viel Fleisch, Kichererbsen und Gemüse. „Es war ein schönes Erlebnis“, erinnert sich Landgrebe, „mir zu zeigen, wie sie die Freizeit miteinander teilen und einer Fremden ihre Gastfreundschaft zuteil werden lassen.“

In Usbekistan liegen Tradition und Moderne eng nebeneinander. Prächtige historische Bauwerke werden kontrastiert von hochtechnisierten Flughäfen und Schnellbahnen, das ganze Land wirkt sauber und gepflegt.

Möglicherweise fliegt Silke Landgrebe noch einmal dorthin um den Fortschritt dieses Landes mit seinem Riesenpotenzial voranzubringen.

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