Laerer Bütt-Original Josef Rickmann feiert heute seinen 90. Geburtstag
Garant für gute Unterhaltung

Laer -

Josef Rickmann gilt als Garant für gute Unterhaltung. Das legendäre Bütt-Original hat während zahlreicher Karnevalssessionen für beste Stimmung gesorgt. Am Samstag (1. Februar) wird das „Laerer Urgestein“ mit dem genialen Mienenspiel 90 Jahre alt. Dazu gratuliert ihm nicht nur seine Frau Sigrid, sondern das gesamte Ewaldidorf.

Freitag, 31.01.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 04.02.2020, 08:21 Uhr
Josef Rickmann feiert am heutigen Samstag seinen 90. Geburtstag. Das „Laerer Urgestein“ machte sich als legendäres Bütt-Original Jopp einen Namen im Dorf. Allein mit seinem genialen Mienenspiel wusste er zu unterhalten. Da bedurfte es keiner aufwendigen Verkleidung.
Josef Rickmann feiert am heutigen Samstag seinen 90. Geburtstag. Das „Laerer Urgestein“ machte sich als legendäres Bütt-Original Jopp einen Namen im Dorf. Allein mit seinem genialen Mienenspiel wusste er zu unterhalten. Da bedurfte es keiner aufwendigen Verkleidung. Foto: Weide

Wenn einer als Garant für gute Unterhaltung gilt, muss er drei Dinge draufhaben: nämlich eine zarte Seelenverwandtschaft mit seinem Publikum, ein sensibles Gespür für die kleinen Alltagsfallen und eine Rhetorik, die es schafft, die Pointe so zu setzen, dass sie heiter und befreiend wirkt. Er konnte es wie kein anderer in Laer und ja, man darf sagen, Generationen von Zuschauern haben sich mit ihm zu Tränen gelacht. Josef Rickmann – kaum wegzudenken aus dem Saal von Hüttemann, aus dem Elferrat und aus der Bütt.

Requisiten? Überflüssig! Kostüm? Dezent, sein Werkzeug? Er! Kapelle bitte Einzugsmarsch! Wenn Jopp Rickmann bedächtigen Schritts die Bühne betrat, den Rücken kunstvoll versteift, leicht nach vorne gebeugt, dann wurde es still im Saal, und während sich im Publikum die Spannung mit Hüsteln, Räuspern oder nervösem Kichern auflud, passierte in „de Bütt“ erstmal gar nichts.

Naja, so ganz stimmt das nicht, man musste nur genau hinsehen, denn jetzt ging es los, sein geniales Mienenspiel. Wenn das Laerer Urgestein ganz langsam die Unterlippe vorschob, dabei vollkommen teilnahmslos über die Brille in den Zuschauerraum linste und seine Stirn sich Falte für Falte in ein Rollo rollte, da war kein Halten mehr, der Saal tobte.

Diese kleine Szene genügt eigentlich, um auszumachen, wie begabt Josef Rickmann schon ohne Worte war. War ihm das Talent in die Wiege gelegt? – Ins Leben vielleicht.

1930, atmosphärisch gespickt mit Unsicherheiten und Entbehrungen, verbrachte der gebürtige Laerer als fünftes von sieben Geschwistern seine Kindheit und Jugend in den Kriegsjahren. „Das macht was mit einem, auch wenn man nicht im Felde stand“, weiß der dreifache Vater einzuordnen. So schoben sich andere Werte vor, die er gewissenhaft und christlich zu veredeln wusste. Es sind sein unermüdliches Interesse und Engagement für Kultur, Musik und Gemeinschaftsgeist – selbstverständlich unentgeltlich.

Dabei kam für den gelernten Tischler passive Teilhabe nie infrage. Nein, mit seiner zupackenden Art half Josef Rickmann wo er konnte in Laer, den Schützenbrüdern, dem Kirchenchor, den Senioren, dem TuS und seiner Familie. Auch war er sich nie zu schade, als Bühnenbauer für viele Feste den Feierabend zu opfern. Sein westfälisch sturer, aber verschmitzt-humorvoller Charakter macht ihn bis heute zu einem sehr beliebten und umtriebigen Poahlbürger.

„Das kann aber nur gehen mit einer Ehe auf Augenhöhe“, ist sich der Gatte mit seiner Frau Sigrid einig. Der diamantenen Hochzeit im vergangenen Jahr ist wohl nichts hinzuzufügen, oder doch? Seine Frau hatte durch Vertreibung ihre Heimat verloren, das sensibilisiert noch einmal mehr für die Nöte und Sorgen des „kleinen Mannes“.

Aber hoppla, waren es nicht die unbeschreiblichen Szenen einer Ehe, die herzzerreißenden Auseinandersetzungen mit der Schwiegermama, die Kuriositäten auf den Weg in den Campingurlaub mit verunglücktem Kartoffelsalat, mit denen die Büttenreden gespickt waren? Geschichten eben, die sein Leben schrieb, schmunzelte er, „da muss man eben drauf schauen, und das Ganze in Humor heben.“

Ob als Schützenkönig (1958), im Vorstandsamt der Bartholomäer, als Familienvater oder da, wo er gerade war, die tiefe Fröhlichkeit sie war nicht weit. Das ist es wohl, was ihn so einmalig macht.

Dies verlangt nach einem Schlusswort – stilecht – versteht sich, also: Die Westfälischen Nachrichten bekräftigen ihre Glückwünsche zum heutigen 90. Geburtstag des Jubilars mit einem dreimal kräftigen Jopp Rickmann – Helau!

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7230549?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F174%2F
Rosenmontagszug mit fröhlichen Holländern und strahlendem Prinz Karneval
Für Prinz Thorsten II. Brendel (2.v.r.) ist der schönste Moment der ganzen Session gekommen: Mit den Adjutanten Frank Hoffmann (v.l.), Andreas Koch und Christian Lange rollt er auf den Prinzipalmarkt zu.
Nachrichten-Ticker