Archivarin Sabine Jarnot: Seuchen und Pandemien gab es schon immer
Werner Rolevinck fiel der Pest zum Opfer

Laer -

Seuchen und Pandemien hat es in der Geschichte der Menschheit schon immer gegeben. Darauf weist Sabine Jarnot hin, die im Archiv der Gemeinde Laer arbeitet. So erinnert sie an die Spanische Grippe, die Lepra und die Pest. Letztere war die Ursache des Todes des wohl berühmtesten Sohns der Gemeinde, Werner Rolevinck, der am 26. August 1502 im Alter von 78 Jahren der gefährlichen Krankheit erlag.

Sonntag, 14.03.2021, 12:58 Uhr aktualisiert: 15.03.2021, 13:38 Uhr
Abbildung des Pestwurz in: Deutschlands lora in Abbildungen. (Zeichnung von J. Sturm 1796)
Abbildung des Pestwurz in: Deutschlands lora in Abbildungen. (Zeichnung von J. Sturm 1796)

„Die Geschichte der Menschheit war immer begleitet von Phasen der Seuchen und Pandemien“, schreibt Sabine Jarnot , die im Archiv der Gemeinde Laer arbeitet, in einem Pressetext. „In unserer heutigen Zeit erleben wir eine solche Phase und blicken zurück auf die Spanische Grippe, die Lepra und die Pest. Letztere war die Ursache des Todes von Werner Rolevinck am 26. August 1502, Kartäusermönch, Kirchenhistoriker, Verfasser umfangreicher Werke, gebürtig aus Laer und Namengeber der hiesigen Schule.

Ein Anlass, sich an ihn und an die Zeiten der Pest zu erinnern. Von 1447 bis 1502 verfasste Rolevinck in der Kölner Kartause unter anderem eine weit verbreitete Universalgeschichte und eine Geschichte des alten Sachsens. Als Mitglied eines kontemplativen Schweigeordens fand der Münsterländer Ausdruck im Schreiben in der lateinischen Sprache, aber auch im Münsterländer Platt. Am 6. Dezember 1447 trat er mit 23 Jahren in das Kloster ein und blieb dort bis zu seinem Tod 1502.

Rolevinck wurde in eine Zeit hineingeboren, die man klimahistorisch als die „Kleine Eiszeit“ bezeichnet. Kühle Temperaturen bei viel Niederschlag prägten die Jahre, die bis ins 19. Jahrhundert andauerten und Missernten, Hungersnöte und die Anfälligkeit für Krankheiten zur Folge hatten. Eine zusätzliche Katastrophe brach über Europa herein: die Pest, der Schwarze Tod, eine hoch ansteckende Infektionskrankheit, die durch Flöhe von Nagetieren auf den Menschen übertragen wird sowie von Mensch zu Mensch durch eine Tröpfcheninfektion erfolgt und in zwei verschiedenen Varianten auftritt. Es bestand die Überzeugung, dass schlechte Luft, durch Fäulnisprozesse bedingt, die Pest verursachte. Reisende mussten einen sogenannten Pestbrief mitführen, der die Pestfreiheit bescheinigte.

Nachdem Mitte des 14. Jahrhunderts die erste große Welle Westfalen erreicht hatte, kam es immer wieder zu Ausbrüchen der Krankheit. 1350 erreichte die Seuche Westfalen. Insbesondere in den Städten war die Ansteckungsgefahr durch das dichte Zusammenleben groß; viele Menschen flohen in kaum besiedelte Gebiete. Die Folgen waren zahlreiche leerstehende Häuser in den Ortschaften und die Bildung von Wüstungen durch das Verlassen ganzer Ortschaften.

Nach Schätzungen wurde ein Drittel der Bevölkerung Europas Opfer der Pest. In den Jahren 1502/1503 war die Stadt Köln besonders betroffen, da sie an einem der großen Handelswege lag. Fast die Hälfte der Bevölkerung (von zirka 40 000 Einwohnern) soll Schätzungen nach an der Seuche gestorben sein.

„Im Jahre des Herrn 1502 nach dem Feste Johannes des Täufers, also am 8. Juli, begann ein mörderisches Sterben, das bis Christmeß dauerte“, notierte der Kölner Bürger Hilbrant Suderman. Die Pestkranken wurden in der Regel in den Kölner Hospitälern aufgenommen. Pflegende waren sogenannte Siechenmägde, bei Bedarf kamen ein Bartscherer, welcher auch Hautkrankheiten behandelte und ein Wundarzt ins Haus.

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