Kulturamt und Gruppe „Laer verbindet Miteinander – Füreinander“ zeigen Ausstellung
„Schau mich an – Gesicht einer Flucht“

Laer/HOlthausen -

In verschiedenen Schaufenstern sowie in den Kirchen in Laer und Holthausen sind seit vergangener Woche große Porträts von Geflüchteten zu sehen. Unter dem Titel „Schau mich an“ zeigen Asylsuchende offen und mutig ihre Gesichter und erzählen ihre Geschichte. Darauf weist Laers Kulutbeauftragte Gudrun Homann in einer Pressemittelung hin. Dieser zufolge ist die mehrfach ausgezeichnete Wanderausstellung als Ehrenamtsprojekt im Asylkreis Haltern am See entstanden.

Sonntag, 18.04.2021, 13:06 Uhr aktualisiert: 19.04.2021, 16:20 Uhr
Der 37-jährige Afghane Fida hat in seiner Heimat die Eltern und die Schwester verloren. Er ist nach Deutschland geflüchtet und musste aus Sicherheitsgründen seine eigene Familie zurücklassen.
Der 37-jährige Afghane Fida hat in seiner Heimat die Eltern und die Schwester verloren. Er ist nach Deutschland geflüchtet und musste aus Sicherheitsgründen seine eigene Familie zurücklassen.

 

Die Präsentation wurde bereits rund hundertmal deutschlandweit gezeigt – zuletzt in der ehemaligen Buchhandlung Janning in Altenberge. Von dort aus kam sie direkt ins Ewaldi­dorf. Vor Ort haben das gemeindliche Kulturamt und die Gruppe „Laer verbindet Miteinander – Füreinander“ sie gemeinsam organisiert.

„Mein Herz ist sehr traurig, bis heute. Wie die Zukunft sein wird? Ich hoffe, es wird alles gut.“ Das sagt Fida, ein 37-jähriger Mann aus Afghanistan, der nach Deutschland geflohen ist. In Afghanistan ermordeten Taliban seine Eltern und seine Schwester, weil er für die Briten arbeitete. Fida sehnt sich nach seiner Familie, die er aus Sicherheitsgründen in Afghanistan zurücklassen musste.

„Ich wünsche allen Menschen Zufriedenheit und Gesundheit. Ich danke allen Menschen, die uns akzeptieren“, ist auf einem anderen Plakat zu lesen. Das Zitat stammt von einer 38-jährigen Frau aus Syrien, die mit ihrer Familie nach Deutschland geflohen ist.

Unter den Porträtierten zeigen allerdings nicht nur aktuell Geflohene ihr Gesicht. Teils betagte Projektteilnehmende lenken den Blick auf die deutsche Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg. So berichtet die 92-jährige Grete von ihrer Verschleppung aus Ostpreußen, Bernd von seiner lebensgefährlichen Flucht aus Posen und der 47 Jahre alte Danilo von seiner Ausweisung aus der DDR.

Häufig heißt es in den Medien oder in Gesprächen „Die Flüchtlinge“. Das klingt fremd, anonym und negativ. Das möchte die Ausstellung ändern: Wer vor den Porträts an den Schaufenstern stehen bleibt und genauer hinschaut, bekommt zumindest einen kleinen Einblick in die Lebenssituation der Geflüchteten: Wer sie sind, warum sie fliehen mussten und was sie unterwegs erlebt haben. Es sind viele verschiedene Einzelschicksale, die berühren und die unsere Augen für das Trauma von Krieg, Terror und Flucht öffnen.

„Die Ausstellung soll dazu beitragen, auch in unserer Gemeinde das Verständnis für geflüchtete Menschen zu stärken und Ängste abzubauen“, erklären die Initiatoren, die dazu einladen, die Porträts bei einem Spaziergang durch beide Ortsteile zu besichtigen. Das kann bis Mitte Mai geschehen.

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