Lengerich
„Flüchtlinge bringen nicht nur Ballast mit“

Mittwoch, 22.10.2008, 21:10 Uhr

Lengerich . Paul Ruzoka , Erzbischof in Tansania , unterhielt sich mit Oberstufen- und Mittelstufenschülern des Hannah-Arendt-Gymnasiums über die Lage in seinem afrikanischen Heimatland. Vermittelt hatte den Kontakt Pater Hans-Michael Hürter von der katholischen Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen. Jascha Alteruthemeyer aus der Jahrgangsstufe 13 berichtet von seinen Eindrücken:

„Ich ging mit einer besonderen Erwartungshaltung in die Veranstaltung mit dem Erzbischof, da ich mit dem Gedanken spiele, nach dem Abitur für einen gewissen Zeitraum ein afrikanisches Land kennen zu lernen.

Der Gast wirkte vertrauenserweckend, schülernah. Eine kurze Filmsequenz als Einführung vermittelte einen Einblick in das Leben der Menschen in Slums als soziale Brennpunkte schwarzafrikanischer Metropolen.

Im Mittelpunkt seiner Ausführungen, die in einem durchaus verständlichen Englisch erfolgten, jedoch mit einem besonderen Akzent, standen die Flüchtlingsprobleme in seinem Land Tansania als Folge der Bürgerkriege in den Nachbarländern Burundi, Uganda und Ruanda.

Der Vortrag des kirchlichen Würdenträgers stimmte uns an der Stelle besonders nachdenklich, als er in seiner Schilderung den Umgang mit den Flüchtlingsproblemen in Tansania als eine fast selbstverständliche politische Aufgabe darstellte. Mir kam es vor, als löse ein armes afrikanisches Land die grundsätzlichen Flüchtlingsprobleme leichter als wir in den reichen Staaten der EU.

Ebenso beeindruckend waren seine Ausführungen, dass Flüchtlinge selbstverständlich ein Bildungsangebot erhalten und als gleichberechtigte Bürger in dem jeweiligen Gastland leben können.

Der Erzbischof sieht es als wichtige Aufgabe an, Menschen davon zu überzeugen, dass Flüchtlinge nicht nur Ballast , sondern auch Kultur und menschliche Werte mit ins Land bringen. Dies unterstrich er eindrucksvoll, indem er sich eine Einkaufstasche schulterte und damit seine Vorstellungen bildlich zum Ausdruck brachte.

Zum Schluss ging er noch weiter auf die Politik ein. Ihm schien es ein besonderes Anliegen aufzuzeigen, dass Politik nur funktioniert, wenn es gelingt, Eigeninteressen hintanzustellen. Mit diesem Appell beendete er seinen Vortrag, der mit reichlich Applaus belohnt wurde.

Viele Zuhörer werden wohl noch längere Zeit über seine Worte nachgedacht haben.

Bezogen auf meine spezielle Erwartungshaltung haben mich die Ausführungen so beeindruckt, dass in mir der Plan eines Aufenthalts in Tansania weiter gereift ist.

Es hat mir viel bedeutet, dass der Erzbischof mir im Anschluss an die Veranstaltung auf meine direkte Frage nach der Realisierung meiner Pläne Mut gemacht hat, nach Tansania zu kommen.

Sein „you are welcome“ hat mich beflügelt, meine Aufenthaltspläne weiter zu verfolgen beziehungsweise zu konkretisieren.“

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