Lengerich
Das Hoffen auf Veränderung

Donnerstag, 06.08.2009, 10:08 Uhr

Lengerich - „Akwaaba,“ Willkommen. Die Begrüßung in der Twi-Sprache steht in großen Lettern am Flughafen der Landeshauptstadt von Ghana , Accra. Dieses Willkommen drückt einmal mehr die Herzlichkeit und Wärme des ghanaischen Volkes aus. Herzlichkeit und Wärme haben die zwölf pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die unter der Leitung von Pater Hans-Michael Hürter (Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen ) 14 Tage in Ghana weilten, bei vielen Begegnungen mit den Menschen vor Ort hautnah erfahren dürfen, heißt es in einem Bericht. Es war eine Pastoral- und Bildungsreise, die die Gruppe in das „Vorzeigeland“ Westafrikas geführt hat.

„Ich bin noch mit Herz und Seele vor Ort in Ghana“ meint Pater Hürter, „nur mein Körper ist in Lengerich“. Es brauche Zeit, die Widersprüche, Gegensätze und unterschiedlichen Lebenssituationen in einem Land mit 46 Sprachen, Volksgruppen und den verschiedenem sozialen Gefälle zu verarbeiten und in Deutschland wieder anzukommen.

Einen Tag vor dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama war die Gruppe in Cape Coast, einer alten Sklavenfestung, um sich mit der grausamen Geschichte der Sklaverei auseinanderzusetzen. Aber auch die Auswirkungen gegenwärtiger Missachtung der Menschen wurden im Gold-Abbaugebiet in Westghana beobachtet.

„Wir haben mit Menschen in den vom Tageabbau betroffenen Gebieten in ihren Dörfern gesprochen. Sehr nachdrücklich höre ich noch den Appell eines Dorfältesten, dessen Dorf zwangsumgesiedelt wurde, ohne irgendeine Entschädigung zu erhalten:

„So viele Europäer waren jetzt hier und haben unsere Situation erlebt, aber nichts hat sich geändert. Was macht ihr, damit sich etwas ändert?“

Das sind Worte, die steckt man nicht einfach weg, die bleiben tief in der Seele. Und es bleibt eine beängstigende Ohnmacht, nichts tun zu können“, meint Hürter.

Für die Menschen in Afrika sind Kirche und kirchliche Institutionen wie Misereor Hoffnungsträger. Das zeige sich an den vielen Orten und Einrichtungen der Kirchen, die die Gruppe von Priestern, Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten besucht hat. Die Kirche wachse, es gebe gut besuchte Gottesdienste, die eine ansteckende Lebensfreude und Lebendigkeit ausstrahlen.

Lebendiger Glaube drücke sich für manche Afrikaner auch heute noch darin aus, dass die traditionelle afrikanische Religion gepflegt werde und durchaus in Einklang zu bringen sei mit dem gelebten Christentum. Das zeige sich auch in einem guten Miteinander zwischen Christen und Moslems.

Ziel der Reise mit den pastoralen Mitarbeitern war zu versuchen, mit „ghanaischen Augen“ auf die afrikanische Wirklichkeit zu schauen und auch das so typisch deutsche Denken abzulegen. „Dieser Perspektivwechsel ist Vielen doch sehr gelungen“, sagt Pater Hürter. Darüber hinaus ging es darum, die gute Projektarbeit kirchlicher Hilfswerke in Ghana kennen zu lernen, beispielsweise in Behinderten- und Berufsförderungsprogrammen.

Mit Tamale in Nordghana verbindet das Bistum Münster eine über 25-jährige Partnerschaft.

Zu einer Reise in Afrika gehören auch die Schönheit der Landschaft zu sehen und die einzigartige Tierwelt. Daher stand neben einem Pastoral- und Bildungsprogramm auch der Besuch im Mole Nationalpark auf dem Programm.

„Allen Teilnehmern ist während dieser Reise deutlich bewusst geworden, in welcher solidarischen Lern- und Lebensgemeinschaft wir mit den Menschen in Afrika stehen“, sagt Hürter resümierend.

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