Lengerich
Sechs Frauen gehören dazu

Donnerstag, 30.09.2010, 23:09 Uhr

Lengerich - Anne zuckt mit keiner Wimper , als ihr Dennis das Kunststoff-Gesicht überstreift. Kein Wunder! Sie hat keine Muskeln, die sich regen könnten. Anne ist die Übungspuppe der Malteser für die Herz-Lungen-Wiederbelebung. Wie viele Malteser-Helfer an ihr Herzmassage und Beatmung erlernt haben, kann niemand sagen. Hinzukommen da ja auch noch die zahlreichen Teilnehmer, die Erste-Hilfe-Kurse absolvierten.

Donnerstags herrscht im Haus Poststraße 40 in Lengerich reger Betrieb, wenn sich die Malteser-Helfer zum Übungsabend treffen. Jeder Interessent, der einmal hineinschnuppern möchte, ist willkommen in der Zeit zwischen 19.30 und 21.30 Uhr. Doch getreu ihrem Wahlspruch „Mittendrin statt nur dabei“ sind die Malteser-Helfer auch zur Stelle, wenn Hilfe erforderlich ist. Und das seit jetzt exakt zehn Jahren!

Sie leisten Sanitätsdienste bei Veranstaltungen, seien sie sportlicher oder festlicher Art. Die Malteser versahen schon den Notfalldienst bei Rallye-Cross-Rennen wie auch bei Zeltfeten. Sie halfen in der Vergangenheit wiederholt im Kreis Steinfurt bei Typisierungsaktionen für die Deutsche Knochenmark-Spenderdatei. Sie schulen auch Bürger im Umgang mit dem Defibrillator, dessen richtiger Einsatz Leben retten kann. Und bei einer Spielsachen-Sammelaktion für Kinder und Jugendliche machten sie jungen Menschen im Alter von zwei Tagen bis 19 Jahren eine große Freude.

Die Malteser versorgten vor einigen Jahren drei Tage lang Opfer des Schneechaos in Ochtrup und waren auch bei Katastrophen anderer Art im Einsatz, wenn Personen betreut werden mussten: bei Naturkatastrophen oder nach Evakuierung wegen einer Bombenräumaktion. Die Lengericher Malteser wurden sogar zur Hilfe aufgefordert nach der Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg.

Doch die Malteser-Helfer leisten noch mehr als Notquartiere einzurichten, Menschen zu bewirten und ihnen in verzweifelten Situationen beizustehen. Sie nehmen immer wieder bundesweit an Fortbildungsveranstaltungen teil, absolvieren Kurse zur Ausbildung zum Einsatzsanitäter und erfüllen somit die Auflage, dass jeder Helfer 30 Stunden Fortbildung pro Jahr mitmachen muss.

Menschenrettung im Katastrophenfall gehört auch zu ihren Aufgaben. Und dabei sprechen sie sich mit anderen Hilfsorganisationen ab. Bei gemeinsamen Übungen wird die Zusammenarbeit geprobt. Gute Beziehungen pflegen die Lengericher Malteser auch zu Nachbarvereinen in Niedersachsen, wie Hagen a.T.W. und Glandorf.

Seit zehn Jahren besteht nun der „Malteser Hilfsdienst Tecklenburger Land“ in Lengerich. Am Samstag, 9. Oktober, soll aus diesem Anlass ein festlich gestalteter Rückblick verbunden mit Ausblick auf die nächsten Jahre gehalten werden im Gemeindehaus St. Margareta. Da Stadtbeauftragter Pater Hans-Michael Hürter auch Seelsorger der Kirchengemeinde Seliger Niels Steensen ist, trifft sich die Festgemeinde vorher um 17.30 Uhr zur Messe in der Pfarrkirche St. Margareta.

Zehn Jahre Malteser in Lengerich scheint eine nicht allzu lange Zeit zu sein. Doch ihr „Wahrzeichen“, das Malteser-Kreuz, weist hin auf eine über 900 Jahre alte Tradition. Die Malteser stehen in der Tradition des 1099 in Jerusalem gegründeten Ritterordens der Johanniter, der wiederum auf das schon Jahrzehnte vorher von italienischen Kaufleuten in Jerusalem gestiftete Hospital vom Heiligen Johannes zurückgeht. Die damalige Aufgabe: kranken Pilgern helfen.

Dennis Kelch ist Gründungsmitglied der Lengericher Maltesergruppe und auch heute noch aktiv dabei. Er erinnert daran, wie die ersten Interessenten sich bei Marco Emmerich zu Hause trafen, später dann umzogen in das Haus Kirchplatz 2. 2005 erfolgte der Umzug ins Haus Poststraße 40, das dank einer größeren Spende der Glücksspirale gekauft werden konnte. Wie Stadtbeauftragter Hans-Michael Hürter erklärt, ist die Lengericher Gruppe zuständig für das Gebiet des Altkreises Tecklenburg. Im Kreis Steinfurt gebe es sechs Ortsverbände, neben Lengerich auch noch in Rheine, Metelen, Ochtrup, Greven und Emsdetten, so Hürter.

Die meisten Mitglieder fanden durch Mund-Propaganda zur Gruppe, die heute 26 Mitglieder zählt, darunter sechs Frauen. Das Durchschnittsalter von 27 Jahren zeigt, dass sich überwiegend junge Menschen dieser sozialen Aufgabe verschrieben haben.

Warum sie mitmachen? Marco Priewe (35) sagt: „Ich wollte mich sozial engagieren.“ Christian Backmann (17) wurde durch Erzählungen seines Schulfreundes Phil Kötterheinrich (17) neugierig, ging mit zum Übungsabend und fand Gefallen an der Arbeit.

Für das kommende Jahr plant die Gruppe den Ausbau des Jugendbereiches, einen Schulsanitätsdienst und weitere Qualifikationen der Helfer. Man denkt nach über Erste-Hilfe-Kurse für besondere Zielgruppen und will sich auch verstärkt der Mitglieder-Werbung zuwenden. Angedacht sei für 2011 ein „Kreisjugendwettbewerb“ in Lengerich, sagt Hürter.

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