Lengerich
Essen à la Karte

Mittwoch, 24.11.2010, 04:11 Uhr

Lengerich - Die Zeit der Münzen und Scheine läuft ab. Bezahlt wird mit der Geldkarte . So wird´s in der gemeinsamen Mensa für Hannah-Arendt-Gymnasium und Dietrich-Bonhoeffer-Realschule laufen, wenn sie im Dezember eröffnet wird. Damit übernimmt der Verein „Cafeteria - gesunde Schule“ eine Vorreiterrolle in weitem Umkreis. Nicht nur, weil er Kiosk und Mensa betreibt. Sondern weil für beide Verkaufsstellen die bargeldlose Lösung Einzug hält. Essen à la Karte.

Eine Entscheidung, die im Verein nicht übers Knie gebrochen wurde. „Seit August haben wir ungezählte Stunden mit diesem Thema verbracht“, sagt Jutta Sagemüller. „Wir haben mit den Schulleitungen, den Freundeskreisen und den Schulpflegschaften gesprochen“, erläutert die Elternvertreterin im Vorstand des Vereins. Sie ist zudem Vorsitzende des HAG-Freundeskreises.

Der Abschied vom Bargeld erfolgt aus mehreren Gründen. „Es ist unhygienisch, zeitaufwendig, personenabhängig“, listet sie „nicht zeitgemäße“ Faktoren auf. „Der Verein ist kein Caterer“, nennt Kris Steinbeck ein weiteres Argument. Die Anforderungen wachsen mit der neuen Mensa. „Die Abhängigkeit von Personen wird geringer, die Wareneinkauf und das buchen wesentlich erleichtert“, argumentiert die Vorsitzender der HAG-Schulpflegschaft, die ebenfalls Mitglied im Cafeteria-Verein ist. „Man muss auch die Prozesse hinter dem Tresen sehen“, wirbt Jutta Sagemüller um Verständnis.

Kris Steinbeck führt ein weiteres Argument ins Feld: „Eltern sollen mit ihren Kindern gemeinsam Zuhause vor dem Computer überlegen, welches Gericht für das Mittagessen in der Schule bestellt wird“, hoffen die beiden Frauen im Idealfall auf mehr Kommunikation zwischen Eltern und Kindern.

Gründe für Sicherheits-Bedenken oder nicht überschaubare Kosten sehen sie nicht. „Wie bei der Schulanmeldung werden vom Kind nur Name, Vorname und Klasse benötigt“, verweist Jutta Sagemüller auf die wenigen Daten, die an den Betreiber des Internetkontos - dort wird bestellt und bezahlt - weitergegeben werden.

Kosten entstehen nicht. Bis auf den Betrag, der auf die Geldkarte - idealerweise im Dialog zwischen Eltern und Kind - geladen wird. Egal, ob an einem Terminal in der Mensa oder beim heimischen Geldinstitut. „Wir bestimmen, was auf den Tisch kommt“, nennen Jutta Sagemüller und Kris Steinbeck den Vorteil, den der Verein als Betreiber gegenüber einem Catering-Unternehmen habe. Weiteres Plus: Etwaige Überschüsse werden nach einem noch festzulegenden Schlüssel zwischen Gymnasium und Realschule aufgeteilt.

„Wir haben uns als Schulträger ausführlich informiert“, bestätigt Reinhard Wiethölter auf Nachfrage. Die Stadt verpachtet die Mensa an den Verein. Die Kassenanlage ist nicht Bestandteil dieses Vertrages. Bei einem kommerziellen Betreiber, davon ist der Leiter des Fachdienstes Schule überzeugt, sei zudem „nicht so leicht gesunde Kost“ auf den Speiseplan zu heben.

Ursula Krimphove und Ulrich Netkowski , die beiden Schulleiter, sind von der Umstellung überzeugt. Dass es Umstellungsschwierigkeiten geben könnte, will die Realschul-Rektorin nicht ausschließen. Doch mit Blick auf die Schülerzahl sie ist überzeugt: „Mit Bargeld wäre das nicht zu schaffen.“

Ulrich Netkowski verweist auf das enorme Engagement von Eltern und Schülern im Cafeteria-Verein. Überzeugt ist er davon, dass „das Essen wärmer auf den Tisch kommt als jetzt“. Zudem könnten Eltern nachvollziehen, ob das Kind in der Schule gegessen habe. Der Geld-Chip werde nur für den Kiosk benötigt. „Und da gibt´s nur gesunde Sachen, keine koffeinhaltige Brause und keine süßen Riegel“. Dafür gibt´s (noch) Eistee, der beim Zuckergehalt mit Cola & Co gleichzieht.

Dass es Irritationen unter Eltern gegeben hat, verstehen die beiden Schulleiter. Sie verweisen auf einen Informations-Abend am Dienstag, 30. November, um 19.30 Uhr im Mehrzweckraum des Schulzentrums (Bahnhofstraße 112).

Rechtliche Bedenken äußert gestern Abend im Schulausschuss Andreas Kuhn und spricht den „Zwang zu einem privatrechtlichen Vertrag mit Dritten“ an. Den Verweis des SPD-Fraktionsvorsitzenden auf Hamburg hält Ulrich Netkoski für nicht tauglich. In der Hansestadt hatte eine Schule eine bargeldlose Zahlungsweise nur mit einem Geldinstitut und gegen Gebühren vereinbart und damit Schiffbruch erlitten. „In Lengerich sind alle Geldinstitute mit im Boot - kostenfrei“, stellt der Oberstudiendirektor fest und gerät ins Schwärmen: „Die Mensa wird wunderbar. Die Eltern haben da wahnsinnig viel reingesteckt.“

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