Lengerich
Skepsis weicht Begeisterung

Samstag, 08.01.2011, 04:01 Uhr

Lengerich - „Wir sind eine ganz normale Familie mit zwei Mädchen, Melina und Dana“, schreibt Familie Ratz . Die beiden Töchter sind 16 und 13 Jahre jung, beide Kinder haben das Noonan-Syndrom. Das ist ein Gen-Defekt auf dem zwölften Chromosom. „Wir haben uns sehr schwer damit getan“, erinnert sich Günter Ratz an die Zeit zurück, als die Kinder klein waren.

Bei Melina hätten seine Frau und er nach einem Jahr gemerkt, dass sie in der Entwicklung zurückgeblieben sei. „Eine Krankengymnastin sagte uns, das etwas nicht stimme“, erzählt der Lengericher mit leiser Stimme. „Aber was, das wusste keiner.“

Drei Jahre später wird Dana geboren. Die ersten Diagnosen - Herzfehler und Kleinwuchs - sind ein Schock für die Eltern. Sie suchen Rat bei verschiedenen Ärzten, lernen an der Uni-Klinik Münster Professor Brämswig kennen. „Wir wollten das alles erst für uns allein durchziehen“, blickt der Familienvater zurück. Der Mediziner spricht mit dem Ehepaar, drückt ihm einen Flyer des Vereins Noonan-Kinder Deutschland in die Hand. „Hilfe zur Selbsthilfe stand dort. Was für tolle Worte“, beschreibt der Lengericher die Skepsis, mit der seine Frau Ruth und er dieses Angebot betrachtet haben.

Sie recherchieren im Internet, sind unsicher, was sie machen sollen. „Aber was hatten wir schon zu verlieren?“, beschreibt Günter Ratz den Moment, als sie zum Telefonhörer gegriffen und bei der Vorsitzenden Ulrike Wößner angerufen haben. Wenig später werden sie Mitglied bei „Noonan-Kinder e.V. Deutschland“.

„Auf einmal standen wir nicht mehr alleine da mit unseren Sorgen“, stellen die Eltern fest. Erfahrungsaustausch mit anderen Eltern, Treffen mit anderen Kinder und Jugendlichen für ihre Töchter. „Heute möchten wir den Verein nicht mehr missen“, schwingt Freude in der Stimme des Vaters mit.

Ob Herbsttreffen des Vereins oder die Zusammenkünfte der beiden Jugendgruppen des Vereins - Teenies (zwölf bis 17 Jahre) und Noonan Youth (ab 18 Jahre) - jeweils einmal im Jahr: Die Familie Ratz ist froh über diese Begegnungsmöglichkeiten. „Die Kinder sollen lernen, möglichst offen mit ihrer Krankheit umzugehen und selbstbewusst aufwachsen“, beschreibt Günter Ratz ein Ziel. Kein leichter Weg, denn „Hänseleien sind nicht immer leicht wegzustecken“.

In diesem Jahr findet das fünfte Teenie-Treffen der Noonan-Kinder statt. Vom 10. bis 13. Juni ist die Jugendherberge Tecklenburg der Ausgangspunkt für zahlreiche Aktivitäten in „der Heimat von Melina und Dana“, wie es in der Einladung heißt.

Die Familie Ratz ist federführend bei der Organisation. Der Vater hat schon Vorstellungen, was er neben den Angeboten in und an der Jugendherberge auf die Beine stellen könnte. Die Freilichtbühne ist nur wenige Meter entfernt, der Flughafen Münster/Osnabrück bietet sich für eine Besichtigung an. „Da sind viele Dinge möglich“, ist Günter Ratz überzeugt.

Das kostet Geld, und da ist der Verein - daraus macht er keinen Hehl - über jede Unterstützung froh. „Wir suchen Sponsoren“, sagt der Lengericher und verweist auf das Spendenkonto des Vereins (Stadtsparkasse Solingen, BLZ 342 500 00, Konto 517 2044). „Spendenquittungen können ausgestellt werden“, hofft er auf Förderer für das Teenie-Treffen. Die Erwachsenen Teilnehmer zahlen jeweils 50 Euro.

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