Erna de Vries überlebt 2 Konzentrationslager
„Noch einmal die Sonne sehen“

Lengerich -

Erna de Vries hat die Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück überlebt. Mit Schülern der Bonhoeffer-Realschule spricht sie über ihre Erlebnisse.

Donnerstag, 16.02.2012, 22:02 Uhr

„Du wirst überleben und erzählen, was mit uns geschehen ist.“ Es sind die letzten Worte ihrer Mutter, die Erna de Vries ihr Leben lang begleiteten. Für sie die Aufforderung, von den Gräueltaten der Nationalsozialisten zu berichten, damit diese nie in Vergessenheit geraten.

Im Rahmen des jährlichen Dietrich-Bonhoeffer-Gedenktages berichtet die heute in Lathen (Emsland) lebende Jüdin den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 7 bis 9 sowie Lehrern und Eltern über ihr Schicksal. Der Höhepunkt des Projekttages.

Man kann eine Stecknadel fallen hören, als Erna de Vries eineinhalb Stunden davon erzählt, wie sie die Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück der Nazis überlebte. Für die Zuhörer ist Alles zum greifen nah, vor allem, als sie den linken Arm mit der eintätowierten Nummer entblößt.

Erna de Vries wurde 1923 in Kaiserslautern geboren, besuchte bis 1937 eine katholische Mädchenschule. Danach musste sie auf eine jüdische Sonderklasse in Kaiserslautern wechseln. Nach der Reichspogromnacht 1938 war jüdischen Kindern der Schulbesuch verboten.Von 1939 bis 1941 arbeitete sie zunächst in der Hauswirtschaft, später in der Krankenpflege, 1942 und 1943 in einer Eisengießerei. Im Juli 1943 wurde sie mit ihrer Mutter in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Untergebracht wurden sie, mit 700 anderen Frauen, im Todesblock.

„Du hast mehr Glück als Verstand“, sagte ein SS-Mann zu ihr auf dem Weg zur Gaskammer: Zusammen mit 83 weiteren Frauen wurde sie in das KZ Ravensbrück deportiert. Sie blieb dort bis zum Kriegsende. Im November 1943 erfährt sie vom Tod der Mutter in Auschwitz. Am 30. April 1945 wurde das Lager Ravensbrück von der Roten Armee befreit. Nach dem Krieg heiratete sie und bekam drei Kinder.

Die sichtlich betroffenen Schülerinnen und Schüler nutzen die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Die Erinnerungen von Erna de Vries werden für immer in den Köpfen bleiben. Ebenso die Gewissheit, dass sich so etwas niemals wiederholen darf und deswegen weitererzählt werden muss, heißt es in einem Bericht der Schule.

Im Rahmen des Gedenktages beschäftigen sich die unteren Jahrgänge in darstellender Weise (Texte, Plakate, Fotografien) mit dem Leben und Werk Dietrich Bonhoeffers . Währenddessen besuchten die älteren Schülerinnen und Schüler das Felix-Nussbaum-Museum, den Gestapo-Keller im Osnabrücker Schloss sowie die Gedenkstätte Augusta-Schacht in Hasbergen. Alle drei Orte sind Stätten des Nachdenkens über das Geschehene und sollen jungen Menschen Perspektiven für die Zukunft aufzeigen.

Sie geben nach Angaben der Schule Jugendlichen in besonderer Weise einen Denkanstoß in der aktuellen Frage nach Zivilcourage.

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